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Etappe nach Hagelschauer abgebrochen: Alaphilippe verliert Gelbes Trikot

Tour de France, 19. Etappe

Sport-Informations-Dienst (SID)

31.07.2019 | 18:48 Uhr

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Die wegen eines Hagelsturms abgebrochene 19. Etappe der Tour de France bleibt ohne offiziellen Sieger (Video-Länge: 0:43 Min.).

Die wegen eines Hagelsturms abgebrochene 19. Etappe der Tour de France bleibt ohne offiziellen Sieger. Dies entschied die Tour-Jury.

Die Zeiten der Fahrer wurden allerdings auf der Passhöhe des Col de l'Iseran genommen, welche kurz vor dem Abbruch erreicht worden war. Damit ist der Kolumbianer Egan Bernal der neue Träger des Gelben Trikots.

Wegen eines Hagelsturms und eines Erdrutsches in der Abfahrt vom Col de l'Iseran entschied die Rennleitung, das vorletzte Teilstück in den Alpen nach der Bergwertung am höchsten Punkt der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt in 2770 Metern Höhe zu beenden.

Zu diesem Zeitpunkt führte Bernal das Rennen an, er hatte rund eine Minute Vorsprung auf eine Gruppe mit Titelverteidiger und Teamkollege Geraint Thomas (Großbritannien) sowie dem deutschen Hoffnungsträger Emanuel Buchmann (Ravensburg/Bora-hansgrohe). Der Franzose Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quick Step) lag am Iseran rund zwei Minuten zurück und verlor damit Gelb. Ein offizielles Ergebnis lag zunächst nicht vor.

Alaphilippe verliert auf der 19. Etappe das gelbe Trikot.
Image: Alaphilippe verliert auf der 19. Etappe das gelbe Trikot. © DPA pa

Schnee-Chaos in Val d'Isere

In der Nähe von Val d'Isere war die Straße nach dem Hagelschauer mit einer dicken weißen Schicht überzogen, Raumfahrzeuge versuchten vergeblich, den Weg rechtzeitig freizuräumen. Zu sehen war, wie sie Wassermassen von der Straße schoben. Es waren Bilder wie im Winter. Die Bedingungen wären für die Profis viel zu gefährlich gewesen, das Verletzungsrisiko war unkalkulierbar.

"Auf jeden Fall war die Entscheidung richtig", sagte Ralph Denk, Teamchef bei Bora-hansgrohe, in der ARD: "Es liegen Schnee und Schlamm auf der Strecke. Mit 80 km/h wäre das viel zu gefährlich gewesen, man hat eine gute Lösung gefunden."

Begleitfahrzeuge und -motorräder stoppten die Spitzenreiter des Rennens in der rasenden Abfahrt, Seite an Seite fuhren Buchmann und Tour-Titelverteidiger Thomas ins Tal und diskutierten augenscheinlich über die Geschehnisse.

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Pinot muss aufgeben

Am Iseran hatte es bereits ein gnadenloses Ausscheidungsrennen gegeben, Buchmann hatte bis dahin mit einem Löwenherzen seine nächste Weltklasseleistung gezeigt. Alaphilippe musste im oberen Abschnitt nach einer Tempoverschärfung abreißen lassen. Für Frankreichs Tour-Träume war der Tag schon zuvor dramatisch verlaufen. Der Gesamtfünfte Thibaut Pinot vergoss bittere Tränen, als er knapp 40 km nach Rennstart wegen einer Muskelverletzung aussteigen musste.

"Es war eine tolle Leistung von Emanuel, aber auch von Gregor (Mühlberger (d. Red.). Wir haben alles richtig gemacht, jetzt gibt es am Samstag die große Finalschlacht", sagte Denk und meinte mit Blick auf Buchmanns Chancen: "Jeder wird alles in die Waagschale werfen. Das Podium ist für Emanuel nicht weit weg. Die Motivation wird da sein, die Beine werden entscheiden."

Showdown am Samstag

Bei Pinot versagten die Beine den Dienst. Der Franzose umarmte unter körperlichen und seelischen Schmerzen noch seinen Teamkollgen William Bonnet, dann stieg er weinend in ein Teamfahrzeug seiner Mannschaft Groupama-FDJ. Pinot, Dritter von 2014, gab bei der Tour damit nach 2016 und 2017 zum dritten Mal in Serie auf. 2018 war er wegen der Folgen einer beim Giro d'Italia erlittenen Lungenentzündung nicht am Start. In den Pyrenäen siegte Pinot am Tourmalet und besaß noch alle Chancen auf den ersten französischen Toursieg seit Bernard Hinault 1985.

Für Buchmann folgt am Samstag "der Showdown" dieser Tour de France. Nach dem Abbruch wird die Etappe noch spektakulärer als ohnehin. Das Teilstück von Albertville nach Val Thorens über 130 km wird die Entscheidung über den Gesamtsieg der Frankreich-Rundfahrt bringen. 33,4 km bergauf werden den Profis nach fast drei Wochen Anstrengung als letzte gewaltige Schwierigkeit abverlangt, fast 1900 Höhenmeter sind zu überwinden. Im höchstgelegenen Skiort Europas wird der Tour-Sieger gekürt - irgendwie passend angesichts der Bilder vom Freitag.

Sport-Informations-Dienst (SID)

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