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Tour de France: Jakobsen und Groenewegen mit Schicksals-Siegen

Unglaubliche Tour-Geschichte: Erst siegt das Opfer, dann der "Täter"

Auf der 1. Etappe der Polen-Rundfahrt 2020 kam es zum verhängnisvollen Sturz, bei dem Groenewegen (gelb-schwarzer Helm) Jakobsen in die Absperrgitter drängte.
Image: Auf der 1. Etappe der Polen-Rundfahrt 2020 kam es zum verhängnisvollen Sturz, bei dem Groenewegen (gelb-schwarzer Helm) Jakobsen in die Absperrgitter drängte.  © Imago

Erst schrieb Fabio Jakobsen ein Radsport-Märchen. Dann schlug 24 Stunden später in Dylan Groenewegen ausgerechnet der Fahrer zurück, dessen Manöver Jakobsen vor zwei Jahren beinahe getötet hätte. Die Etappensiegen der beiden Niederländer gehören zu den unglaublichsten Geschichten der Tour.

"Es war mental eine harte Zeit, nach all dem, was passiert ist. Das ist für meine Frau und meinen Sohn, das bedeutet mir sehr viel", sagte der 29 Jahre alte Groenewegen, nachdem er am Sonntag in Sönderborg den Massensprint in einer Millimeter-Entscheidung vor dem Belgier Wout van Aert gewonnen hatte (Etappenplan und Etappensieger der 109. Tour de France).

"Ich weiß nicht, ob es der schönste Sieg meiner Karriere war. Aber es bedeutet mir eine Menge, dass ich zurück in der Tour bin." Über Jakobsen? Verlor er zunächst kein Wort.

Jakobsen: "Fast schon ein Märchen"

Fabio Jakobsen feiert seinen ersten Tour-de-France-Etappensieg.
Image: Fabio Jakobsen feiert seinen ersten Tour-de-France-Etappensieg.  © Imago

Für Groenewegens Landsmann reichte es am Sonntag nur zu Platz fünf, nach seinem Coup vom Vortag war der 25-Jährige diesmal im Finale eingeklemmt gewesen. Dass er aber knapp 700 Tage nach dem fürchterlichen und von Groenewegen verursachten Crash bei der Polen-Rundfahrt nun ein Tour-Etappensieger ist, war Wunder genug."Man kann denken, dass es ein Wunder ist. Es ist auf jeden Fall eine besondere Geschichte. Fast schon ein Märchen", sagte Jakobsen.

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Der Profi vom Team QuickStep-AlphaVinyl lag im künstlichen Koma, wurde zigmal operiert, allein sein zerschmettertes Gesicht musste mit 130 Stichen genäht werden. Einen Kiefer hat er heute nur, weil die Ärzte diesen aus Teilen seines Beckenknochens neu formten. "Ich hoffe, dass mein Sieg viele Leute zu Hause glücklich gemacht hat", sagte der 25-Jährige. Seine Verlobte, seine Schwester, seine Eltern und sein Team gaben ihm die Kraft, seine Leidenszeit zu überstehen.

Verheerender Rennunfall im August 2020

"Es war ein langer Weg. Ich bin Schritt für Schritt zurückgekommen. Ich bin wirklich glücklich", sagte Jakobsen, der in seinem Team den Vorzug gegenüber Mark Cavendish bekommen hatte. Immerhin hätte der 37-Jährige mit einem Tagessieg bei der diesjährigen Tour seinen 35. Etappensieg und damit einen Rekord feiern können. Doch Teamchef Patrick Lefevere setzte auf den zwölf Jahre jüngeren Rückkehrer.

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Im August 2020 hätte Jakobsen ein schwerer Rennunfall fast das Leben gekostet. In einem Zielsprint bei der Polen-Rundfahrt war Jakobsen auf einer leicht abschüssigen Zielgerade bei Tempo 80 von Groenewegen in die Absperrung gedrängt worden. Mit schweren Kopfverletzungen und nur noch einem Zahn im Mund lag Jakobsen im künstlichen Koma, das Schlimmste war zu befürchten.

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"Hatte Angst, nicht zu überleben"

"In dieser dunklen Phase hatte ich Angst, nicht zu überleben", sagte er. Mit viel Glück und Willenskraft überlebte Jakobsen. Und mehr noch: Ein Dreivierteljahr später fuhr er wieder Rennen und feierte nun seinen ersten Tour-Erfolg: "Die Tour de France ist das Größte, ich wollte immer eines Tages hierher. Heute hat sich ein Kreis geschlossen."

Das Verhältnis zu Groenewegen ist weiterhin kühl, es drohte zwischenzeitlich eine juristische Auseinandersetzung. Groenewegen war nach dem Crash monatelang gesperrt worden, erhielt keinen neuen Vertrag bei Jumbo-Visma, jetzt gelang ihm der erste Tour-Erfolg nach der Zwangspause. "Es ist sehr wichtig für mich, dass mein neues Team mir vertraut", sagte der BikeExchange-Jayco-Profi.

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Nach dem Ruhetag geht es in Nordfrankreich weiter

Nach dem Ruhetag am Montag geht die Tour am Dienstag auf französischem Terrain weiter (alle Infos zur TV-Übertragung und Etappenplan der 109. Tour de France). Groenewegen und Jakobsen werden auf der leicht welligen 4. Etappe über 171,5 km von Dünkichen nach Calais wieder alles aus sich herausholen müssen, um die hügelfeste Sprinter wie Peter Sagan oder Wout van Aert wieder hinter sich lassen zu können.

Der Belgier nahm das Gelbe Trikot des Gesamtführenden mit nach Nordfrankreich. In einer komfortablen Ausgangsposition ist Titelverteidiger Tadej Pogacar, der sich zwar bei einem Massensturz am Samstag leicht an der Hand verletzte, gegenüber seinen ärgsten Herausforderern Primoz Roglic und Jonas Vingegaard einige Sekunden Vorsprung hat. Die deutschen Etappenjäger Lennard Kämna, Nils Politt und Maximilian Schachmann werden ihre Chancen noch bekommen.

SID und dpa

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