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Formel-1-Kolumne: Bottas – Sieger und Verlierer zugleich

Back on Track - die Formel 1 Kolumne von Sandra Baumgartner

von Sandra Baumgartner

05.10.2018 | 14:11 Uhr

Sandra Baumgartner berichtet in ihrer Kolumne über die aktuelle Formel-1-Saison (Bildquelle: Jerry Andre).
Image: Sandra Baumgartner berichtet in ihrer Kolumne über die aktuelle Formel-1-Saison (Bildquelle: Jerry Andre). © Sky

Formel 1 Reporterin Sandra Baumgartner spricht in ihrer Kolumne "Back on Track" über die aktuellen Themen in der Königsklasse des Motorsports auf skysport.de. Dieses Mal geht es um die schwierige Rolle von Valtteri Bottas in dieser Saison.

Normalerweise springt Lewis Hamilton aus dem Auto, wirft sich übermütig in den Kreis seines Teams, wenn er gewonnen hat. Doch in Sotchi schlich er fast peinlich berührt im Parc Ferme umher und versuchte auch das Interview zu umgehen.

Der Grund: er wusste ganz genau, dieser Sieg hätte Bottas gehört. Das Team hat ihn geopfert im Sinne der WM. Ja, geopfert klingt hart und ja, ich mag keine Teamorder.

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In der Formel 1 schwinden für Sebastian Vettel die Chancen auf den WM-Titel. Beim Großen Preis von Russland schaffte es der Deutsche nur auf Rang drei. Lewis Hamilton gewann und machte damit einen großen Schritt in Richtung Titelverteidigung.

Nicht im Sinne des Sports

Wenn es so läuft wie im Rennen bei Force India oder auch letztes Jahr in Budapest bei Mercedes, ist es fair. Aber jemandem den wohlverdienten Sieg zu nehmen, kann - bei allem Verständnis für das Team - nicht im Sinne des Sports sein. Aber ich will jetzt nicht wieder über Sinn oder Unsinn der Teamorder schreiben.

Ich wüsste gerne, was Bottas heute im Auto oder auf dem Podium wirklich gedacht hat. Ich wüsste gern, wie Toto Wolff diese Entscheidung erklärt, so dass keine Missstimmung entsteht. Bottas ist nicht der Typ, der öffentlich rebelliert, er weiss, wie der Rennsport läuft. Er wirkt immer kontrolliert, vernünftig, ja verständnisvoll, aber er ist ebenso ein Racer und Racer wollen gewinnen.

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Es geht nur um Hamilton und die Fahrer-WM

Für das Team hätte er diese Entscheidung akzeptiert. Doch nachdem ihm der erneute Platztausch kurz vor Schluss verweigert wurde, wurde klar: Es geht nur um Hamilton und die Fahrer-WM. Ich finde, das hat er nicht verdient. Die Chancen für Hamilton stehen in der WM blendend.

Denn aus eigener Kraft kann Vettel nicht mehr gewinnen. Selbst wenn er jedes Rennen gewinnt, ist er auf Fehler von Mercedes und Hamilton angewiesen. Die sieben Punkte hat das Team Hamilton durch die Stallorder geschenkt. Ich hoffe für Bottas, dass es am Ende diese Punkte sind, die den Unterschied machen, sonst wäre sein Opfer umsonst gewesen.

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Faire Geste von Hamilton

Dass Hamilton seinen Teamkollegen bei der Siegerehrung mit auf Platz 1 geholt hat, ist eine schöne, faire Geste unter Teamkollegen. Sie macht aber nicht wett, was Bottas im Rennen aufgeben muss und zeigt, dass diese Entscheidung sogar dem Egozentriker Hamilton unangenehm war. Wie steckt ein Fahrer so etwas weg? Für Bottas hoffe ich, in dem er erkennt, dass er der Sieger von Sotchi ist.

Über mich:

Autonärrin, Motorsportliebhaberin, Petrolhead
Motorsport ist, seit ich denken kann, mein absolute Leidenschaft. Seit 7 Jahren berichte ich als Journalistin für Sky über die Formel 1. Manchmal mit so viel Power, dass mir mein Kollege Noah Pudelko den redaktionsintern Spitznamen „Die Düse" verpasst hat.

Twitter: Sky_Sandrab

Instagram: f1sandrabaumgartner

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