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Formel 1 Kolumne: Schumacher über Vettel, Ferrari & Mick Schumacher

Schumacher: Ferrari schafft nächste Saison wieder die Top drei

Ralf Schumacher

13.11.2020 | 18:03 Uhr

Ralf Schumacher beleuchtet in seiner Kolumne bei Sky die wichtigsten Themen rund um den Formel-1-Zirkus.
Image: Ralf Schumacher beleuchtet in seiner Kolumne bei Sky die wichtigsten Themen rund um den Formel-1-Zirkus. © Getty

Sky Experte Ralf Schumacher beleuchtet in seiner Kolumne die wichtigsten Themen rund um den Formel-1-Zirkus. Dieses Mal spricht er über Vettels Standing bei Ferrari, die Zukunft der Roten und Mick Schumacher, den es eventuell zu Haas zieht.

Ferrari liegt auf einem ernüchternden sechsten Platz in der Gesamtwertung! Unglaublich selten habe ich eine so große Kluft zwischen Potential und Wahrheit gesehen. Sie müssen sogar aufpassen, nicht auch noch vom formstarken Team Alpha Tauri überholt zu werden. Das ist die schonungslose Wahrheit über das wichtigste Team der Formel 1.

Am schlechten Abschneiden in der WM-Wertung hat leider auch Sebastian Vettel seinen Anteil. In den letzten vier Rennen hat Ferrari eine aufsteigende Tendenz gezeigt und 37 Punkte geholt. 36 dieser Punkte hat aber leider Charles Leclerc eingefahren. Sebastian genau EINEN. Leclerc holt sicher mehr aus diesem Auto, als eigentlich drin steckt. Vettel hingegen holt weniger, als eigentlich möglich wäre.

Weiterenwicklung bei Ferrari auf Leclerc ausgerichtet

Aber es gibt auch nachvollziehbare Gründe, warum sich Sebastian so schwer tut: Auf den letzten Strecken war Überholen im Rennen extrem schwierig. Vor allem mit dem schlechten Ferrari-Motor. Wenn du aus dem Windschatten fährst, prallst du gefühlt gegen eine Wand! Da sieht man die fehlende Power extrem. Darunter leidet besonders Sebastian.

Formel 1: Rennkalender 2020

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Die reine Performance im Rennen, wenn er alleine fährt, ist bei Sebastian sogar stark. Er kriegt es aber im Qualifying mit diesem Auto nicht umgesetzt, startet deswegen von weiter hinten und muss sich an vielen Konkurrenten vorbeikämpfen. Generell hat sich die Situation für Sebastian dadurch fundamental verschlechtert, da sich die Weiterentwicklung des Autos natürlich mehr an den Stärken von Charles orientiert. Ein absolut nachvollziehbares Vorgehen. Charles ist halt der Mann der Zukunft bei Ferrari.

Ferrari rutscht in Boxengasse nach hinten

Ein Blick auf kommende Saison: Wegen ihrem schlechten Abschneiden wird Ferrari in einem für sie ganz ungewohnten Bereich der Boxengasse stehen. Nicht mehr vorne. Das hat für die Strategie ganz klare Nachteile. Wenn man um Zehntelsekunden auf der Strecke kämpft, macht das viel aus!

Trübe Zeiten für die Ferrari-Fans. Doch für 2021 kann ich ihnen Hoffnung machen! Die Roten werden im kommenden Jahr sicher wieder konkurrenzfähiger unterwegs sein. Ferrari ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Formel 1. Die Fans wollen Ferrari vorne sehen. Innenpolitisch mit der FIA hat Ferrari große Möglichkeiten.

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Ich glaube, dass sie das Motoren-Thema in den Griff bekommen werden. Und das Auto ist ja im Moment sogar schon sehr gut. Es wird aufwärts gehen. Im nächsten Jahr können sie wieder unter den Top drei stehen. Da bin ich mir sicher.

Von einem starken Ferrari-Motor würde auch Mick Schumacher im kommenden Jahr profitieren. Alle Zeichen sprechen für eine Paarung Mick Schumacher und Nikita Mazepin bei HAAS. Ich denke, dass es ein gutes erstes Team für Mick wäre. Ferrari wird mit Haas in der Zukunft noch enger zusammenarbeiten. Mercedes hat es mit Racing Point vorgemacht. Auch Red Bull hat Alpha Tauri eine Menge Performance verschafft. So wird auch Ferrari das zukünftige Team von Mick schnell machen.

Ferrari wird Haas wegen Mick fördern

Wegen Mick wird Ferrari auch mehr Geld in Haas stecken und die Entwicklung forcieren. Aus Russland wird das Team ebenfalls finanziell unterstützt: Der Vater von Nikita Mazepin wird die Karriere seines Sohnes tatkräftig unterstützen: Mit viel Barem!

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Aber die spannende Frage wird sein: Können zwei Rookies das Beste aus diesem Paket herausholen? Ich denke, dass es eine sehr schwierige Aufgabe sein wird. Unmöglich erscheint sie aber nicht. Erfahrung ist nicht alles. Bestes Beispiel: Sebastian Vettel verzweifelt in Portimao daran, Temperatur ins Rad zu bekommen. So etwas passiert auch Weltmeistern.

Trotzdem: Die Formel 1 ist noch viel komplexer geworden, vergleicht man sie mit meiner Zeit. Von den Jungen wird viel verlangt. Für Mick und das Team wäre es sicher besser gewesen, ihm einen erfahrenen Fahrer an die Seite zu stellen! Dies ist aber aus finanziellen Gründen nicht machbar. Das Geld aus Russland ist eben auch wichtig.

Auf der anderen Seite muss man es aber auch so sehen: Ich finde es super von Ferrari und Haas, dass sie so auf die jungen Leute setzen und beide Cockpits jung besetzen. Das hat es lange nicht mehr so gegeben. Wünschen wir beiden viel Glück, wenn sie tatsächlich 2021 im Cockpit sitzen werden.

Ich freue mich schon sehr auf das kommende Wochenende: Istanbul ist einfach eine geile Strecke. Sie ist schön komplex: Wir werden viele Fehler und Ausrutscher sehen. Das verspricht Spektakel und Unterhaltung. Und ganz besonders vielversprechend: Überholen ist gut möglich auf dieser Strecke. Wunderbar!

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