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Formel 1: Mercedes W11 - der neue Silberpfeil in der Technik-Analyse

Mercedes W11 - der neue Silberpfeil in der Technik-Analyse

Sky Sport

26.02.2020 | 00:35 Uhr

Valtteri Bottas darf die ersten Runden im neuen Mercedes-AMG F1 W11 drehen (Quelle: Mercedes Benz).
Image: Valtteri Bottas darf die ersten Runden im neuen Mercedes-AMG F1 W11 drehen (Quelle: Mercedes Benz).

Nach Ferrari und Red Bull hat nun auch Mercedes seinen Boliden für die F1-Saison 2020 enthüllt. Nach der Präsentation des W11 ging es für die beiden Piloten Valtteri Bottas und Lewis Hamilton auch direkt auf die Strecke in Silverstone. Sky Sport mit der technischen Analyse.

Der erste Eindruck: der W11 ist eine Weiterentwicklung des Autos, das die Saison 2019 dominierte, aber vor allem der Bereich an den Seitenkästen ist ein Meisterwerk der Technik. Noch nie in der Geschichte der modernen Formel 1 hat man bisher so schmale, kleinteilige Flügelchen an den Seiten gesehen.

So sieht der neue Mercedes-AMG F1 W11 von der Seite aus (Quelle: Mercedes Benz)
Image: So sieht der neue Mercedes-AMG F1 W11 von der Seite aus (Quelle: Mercedes Benz)

Der Technische Direktor des deutsch-englischen Teams, James Allison, erläutert das Konzept wie folgt: "Der W11 wird einen sehr ähnlichen Widerstandswert wie der W10 erzeugen. Unsere Bemühungen haben sich auf die Erhöhung der aerodynamischen Effizienz konzentriert, so dass wir ein Auto haben, das eine viel größere aerodynamische Last erzeugt. Dieses Jahr werden wir konventioneller sein. Wir werden weitere Neuigkeiten bis zum Auftakt in Melbourne einbauen, die in der zweiten Testwoche eintreffen werden."

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Mercedes hat in den vergangenen Jahren dominiert - dennoch weiß Mercedes-Chef Toto Wolff, dass es zur kommenden Saison wieder bei Null anfängt (Videolänge: 22 Sek.).

Die Front

Zumindest für den Moment gibt es keine großen Neuigkeiten. Das aerodynamische Konzept der Nase (1) hat sich nicht geändert. Sie bleibt weiter so wie im vergangenen Jahr und damit auch die einzige Nase, die ohne einen dicken Stummel an der Spitze auskommt. Weiterhin wird die Luft an den Seiten vorbeigeführt und von leicht modifizierten Cape-Flügeln weitergeleitet (2).

Der neue Mercedes W11 unter der Lupe (Quelle:Mercedes).
Image: Der neue Mercedes W11 unter der Lupe (Quelle: Mercedes Benz).

In der Nähe des Schlitzes des S-Duct-Systems sind die beiden kleinen "Hörner" (4) geblieben, die in der vergangenen Saison eingeführt wurden. Sie sollen die Luft kontrolliert in den mittleren Bereich des Autos leiten. Der Frontflügel ähnelt dem, der Ende der letzten Saison verwendet wurde, könnte aber während der Tests in Barcelona schon wieder ausgetauscht werden. An den Endplatten wurden zwei kleine Strömungsumlenker angebracht (3). Spannend ist dagegen die Aufhängung: Die oberen Querlenker setzen relativ weit oben am Chassis an.

Damit geht Mercedes einen anderen Weg als Red Bull und Ferrari. Wie auch im vergangenen Jahr setzt der Pushrod erneut weit entfernt von den unteren Querlenkern am Radträger an (5). Dieses Konzept soll vor allem das Untersteuern eindämmen und so die Kurvenstabilität des Fahrzeugs verbessern.

Die Aerodynamik

So sieht der neue Mercedes-AMG F1 W11 von vorne bzw. von oben aus (Quelle: Mercedes Benz)
Image: So sieht der neue Mercedes-AMG F1 W11 von vorne bzw. von oben aus (Quelle: Mercedes Benz)

Sie ist gegenüber der Saison 2019 nahezu unverändert geblieben. Sie ist sehr umfangreich und in drei verschiedene Zonen unterteilt. Allerdings gibt es eine radikale Veränderung bei den Seitenkästen. Die Lufteinlässe links und rechts sind nur noch Schlitze - zuvor waren sie deutlich bauchiger. Neuerungen gibt's auch bei der Motorhaube. Da geht Mercedes mit dem W11 einen ähnlichen Weg, den Ferrari bereits 2017 eingeführt hat. Die Verkleidung ist im oberen Bereich etwas schmaler geworden, dafür im unteren Bereich ein wenig breiter. Das liegt vor allem an den neuen, kleinen Kühlern. Die liegen nun deutlich tiefer und sorgen für einen wohl effizienteren Schwerpunkt.

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Wobei schon auffällig ist, dass die beiden Kühler sehr klein erscheinen - nach den Problemen mit der Hitzeanfälligkeit im vergangenen Jahr ist das auf den ersten Blick verwunderlich. Es sickerte allerdings schon durch, dass vor allem die Mercedes-Motorenabteilung bereits vor Monaten an einer besseren Hitzeverträglichkeit gearbeitet hat. Der Einbau der kleineren Kühler scheint das zu bestätigen.

Hinterachse und Hinterradaufhängung

Auf den ersten Blick scheint die Hinterradaufhängung am W11 etwas schmaler zu sein als beim Vorgängermodel. Da wurde oft kritisiert, dass das Design aerodynamisch nicht wirklich ausgefeilt gewesen war. Der Plan ist eine Art Rutsche zu schaffen, um den Luftstrom nach unten zu leiten (unter Ausnutzung des Coanda-Effekts), der auf den oberen Teil des Diffusors strömt.

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Die Hinterradaufhängung ist nach Aussage der Ingenieure eine der am meisten modifizierten Komponenten am Heck des W11, aber für eine eingehendere Analyse müssen wir auf bessere Fotos warten. Erkennbar ist zumindest, dass am Heckflügel erneut Doppelhalterungen verwendet werden.

Bildquelle: Mercedes Benz

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