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Formel 1: Testfahrten in Barcelona - "DAS" ist das Thema

Erkenntnisse aus den F1-Tests in Barcelona: "DAS" ist das Thema

Olivier Zwartyes

28.02.2020 | 11:53 Uhr

Das neue Lenksystem von Mercedes sorgt für Diskussionen in der Formel 1.
Image: Das neue Lenksystem ''DAS'' von Mercedes sorgt für Diskussionen in der Formel 1. © DPA pa

Die Zeit ohne Motorensound ist endlich vorbei! Zwar dauert es noch etwas, bis die Startampel in Melbourne erstmals erlischt, aber die Teams haben die ersten Testtage in Barcelona bereits hinter sich.

Der Dominator der vergangenen sechs Jahre scheint die Hausaufgaben im Winter wieder am besten gemacht zu haben - Mercedes. Die Silberpfeile sind schnell, verblüffen aber vor allem mit dem Lenkrad-System "DAS" (Dual Axis Steering).

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Weltmeister Lewis Hamilton und sein Teamkollege Valtteri Bottas können ihr Lenkrad nicht nur nach rechts und links drehen, sondern es auch zu sich heranziehen und wieder zurückdrücken. Das erinnert an die frühere Steuerung von Flugzeugen.

Mehr Einfluss auf Reifentemperatur

Was bewirkt das? Die Mercedes-Piloten können während der Fahrt die sogenannte Vorspur verändern - das heißt den Winkel, in dem die Vorderräder zueinander stehen. Das ermöglicht den Fahrern, mehr Einfluss auf die Reifentemperaturen zu nehmen.

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Sky Formel-1-Kommentator Sascha Ross erklärt, was es mit dem neuen Lenksystem von Mercedes auf sich hat. (Video-Länge: 03:13 Minuten)

Auf langen Geraden verlieren die Reifen rund 20 Grad, was das Grip-Niveau verschlechtert. Durch die veränderte Spur bleibt die Reifentemperatur konstanter. Das sorgt nicht nur für mehr Grip im Kurveneingang, sondern auch für einen geringeren Reifenverschleiß. Wie groß der Vorteil für die Silbernen genau ist, lässt sich noch nicht genau sagen, aber die Rundenzeiten sind beeindruckend.

Ist DAS legal?

In den Artikeln 10.2.2 und 10.2.3 steht klar, dass jedes Gerät verboten ist, dass die Konfiguration der Aufhängung verändern kann. DAS betrifft aber nicht die Aufhängung, sondern die Lenkung. Hier haben die Schwaben wohl eine Grauzone als Schlupfloch entdeckt - genial. Die FIA soll das System für diese Saison erlaubt haben, trotzdem haben die anderen Teams die Möglichkeit, in Melbourne Protest einzulegen.

Warum sich DAS nicht einfach kopieren lässt? Diese Zwei-Achsen-Lenkung ist sehr komplex. Selbst wenn Teams wie Ferrari und Red Bull mit hohem finanziellen Aufwand versuchen DAS nachzubauen, würden sie wohl ca. sechs Monate dafür benötigen.

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Mercedes deutlich vor Ferrari

Und so beendet Valtteri Bottas mit einer Bestzeit von 1:15.732 den ersten von zwei Testblöcken vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton. Der erste Nicht-Mercedes ist der Franzose Esteban Ocon. Rückstand: 1,370 Sekunden. Red Bull liegt fast zwei Sekunden hinter Silber, sieht aber gerade bei den Longruns, sehr gut aus.

Die Scuderia Ferrari fehlen sogar knapp zweieinhalb Sekunden auf die silberne Spitze. Die Italiener scheinen nach Mercedes und Red Bull nur die dritte Geige zu spielen. Stand jetzt!

ZUM DURCHKLICKEN: DAS SIND DIE BOLIDEN DER FORMEL-1-SAISON 2020

  1. -
    Image: WILLIAMS: Das Schlusslicht der letzten Saison hat große Änderungen vorgenommen, um zu den Konkurrenten aufzuschließen: Die Motorabdeckung, die Seitenkästen und der Heckflügel sind die gravierendsten Neuerungen am FW43 . © Getty
  2. -
    Image: HAAS: Der neue Dienstwagen von Kevin Magnussen und Romain Grosjean wurde an den Außenspiegeln modifiziert und umgestaltet, um die Aerodynamik zu verbessern. Die meisten Teams hatten diese Änderung schon vor der letzten Saison vorgenommen.  © Getty
  3. -
    Image: ALFA ROMEO: Die auffälligste Änderung am C39 ist die aggressiv gestaltete Airbox über dem Cockpit. Außerdem ist das Packaging in den Seitenkästen äußerst kompakt gehalten. © Getty
  4. -
    Image: RACING POINT: Das Team wird ab nächster Saison zu Aston Martin gehören. Im Vergleich zur Konkurrenz fällt vor allem die Airbox auf, die den Motor bestmöglich mit Luft versorgen soll. (Bild: Twitter)
  5. -
    Image: ALPHA TAURI: Unter neuem Namen geht das Farm-Team von Red Bull an den Start (vorher Toro Rosso). Der AT01 hat im Vergleich zum Vorgänger kastenförmige Seitenkästen, die auch deutlich kleiner sind als im Vorjahr. (Bild: Twitter)
  6. -
    Image: RENAULT: Die 2020er Saison soll eine Saison des Übergangs werden, um 2021 - wenn das Reglement überarbeitet wurde - voll anzugreifen. Das Team um Fahrer Daniel Ricciardo hat an der Front die Nase etwas geschmälert und zwei Flügel installiert. © Getty
  7. -
    Image: MCLAREN: Das Team hat vor allem an der Vorderradaufhängung Veränderungen vorgenommen - sie wurde sehr nach hinten gezogen, um einen bestmöglichen Luftstrom zu den schmaleren Seitenkästen zu gewährleisten. © Getty
  8. -
    Image: RED BULL: Aufgrund der wenigen Regeländerungen ist der RB16 mehr Weiterentwicklung als Innovation. Die Aerodynamik wurde mit schmaleren Seitenkästen und zwei Finnen, die den Luftstrom des Halo besser leiten sollen, verbessert. (Bild: Twitter)
  9. -
    Image: FERRARI: "Wir haben definitiv viel Abtrieb gewonnen, aber dafür ist der Luftwiderstand höher", sagt Teamchef Mattia Binotto zum SF1000. Sebastian Vettels neuer Dienstwagen soll vor allem in den Kurven besser als sein Vorgänger sein.  © Getty
  10. -
    Image: MERCEDES: W11 - so heißt der neue Wagen, der den siebten Mercedes-Titel in Folge garantieren soll. Das Werksteam dominierte letzte Saison, hatte beim Top-Speed allerdings das Nachsehen. Deshalb bekam der Bolide eine neue Power Unit.  © Getty

Denn wer jetzt Sorgen hat, dass man Mercedes zum siebten WM-Titel in Serie gratulieren darf, kann erstmal entspannt bleiben. Wir erinnern uns an das Vorjahr: Nach den Tests in Barcelona sah es so aus, als habe Ferrari das schnellste Paket und sei der Gejagte in Melbourne. Und dann kam alles anders! Sebastian Vettel und Charles Leclerc reisen als Topfavoriten nach Australien, aber schon im Qualifying zeigt sich, Mercedes eine halbe Sekunde schneller als die Roten.

Bottas und Hamilton holen einen Tag später den Doppelsieg und sogar Max Verstappen im Red Bull war schneller als Ferrari und wird Dritter.

Keine finalen Rückschlüsse

Heißt, die Testfahrten geben zwar einen ersten Eindruck, aber über die endgültige Performance lässt sich noch nicht alles sagen. Mit wie viel Sprit fahren die Teams, welches Engine-Mapping (Motoreinstellung) wird verwendet? Das weiß keiner genau. Zehn Kilogramm Sprit machen in Barcelona pro Runde einen Zeitunterschied von ca. 0,3 bis 04 Sekunden aus. Zwischen einem randvollen und einem ziemlich leeren Tank liegen selbst im konservativsten Rechenmodell mehr als zweieinhalb Sekunden. Der Rückstand von Ferrari auf Mercedes.

Der Rennkalender 2020

Der Rennkalender 2020

Zum 70. Jubiläum der Formel 1 wird es zum ersten Mal einen 22 Rennen umfassenden Kalender geben.

Mercedes mit Bestzeit und eindrucksvoller Konstanz scheint im Winter am besten gearbeitet zu haben, aber Red Bull und Ferrari darf man noch lange nicht abschreiben.

Racing Point macht von sich hören

Ansonsten fiel in Barcelona vor allem Racing Point auf. Nicht wegen der rosa-pinken Lackierung, sondern durch Fahrzeugdesign, dass dem Vorjahres-Mercedes zum Verwechseln ähnlich aussieht! Kein innovativer Weg, aber einer den es in der Vergangenheit immer wieder gegeben hat. Der Versuch, das beste Auto im Feld zu kopieren. Und der Plan für das Team von Milliardär Lawrence Stroll scheint aufzugehen. Racing Point das beste Mittelfeld-Team in Spanien.

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Aber das war erst Teil eins der 2020er Vorsaison-Tests! Vom 26.02.-28.02. finden sich die Teams erneut in der katalanischen Hauptstadt ein. Und schon in der kommenden Woche werden die Teams mit Updates anreisen und sich das Leistungs-Bild wieder verändern. Aber auch dann wird DAS wohl wieder das große Thema im Fahrerlager sein.

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