Zum Inhalte wechseln

Heidfeld-Kolumne: "Deutsches Publikum ein bisschen verwöhnt"

Heidfeld-Kolumne: "Deutsches Publikum ein bisschen verwöhnt"

Nick Heidfeld beleuchtet in seiner Kolumne bei Sky die wichtigsten Themen rund um den Formel-1-Zirkus.
Image: Nick Heidfeld beleuchtet in seiner Kolumne bei Sky die wichtigsten Themen rund um den Formel-1-Zirkus.  © Sky

Sky Experte Nick Heidfeld beleuchtet in seiner Kolumne die wichtigsten Themen rund um den Formel-1-Zirkus. Diesmal geht es um den Rennkalender ohne GP von Deutschland 2020, das Aus von Nico Hülkenberg bei Renault und das kommende Rennen in Spa.

Als Deutscher ist man natürlich nicht ganz objektiv, aber die Formel 1 in Deutschland hat eine riesen Tradition. Wir hatten früher mit Hockenheim und dem Nürburgring zwei Rennen - sogar im selben Jahr. Wir haben viele deutsche Fahrer und einen sehr erfolgreichen deutschen Hersteller mit Mercedes. Da passt es natürlich nicht, wenn man dann kein Rennen in Deutschland hat.

2020 kein Formel-1-Rennen in Deutschland

2020 kein Formel-1-Rennen in Deutschland

https://sport.sky.de/formel1/artikel/2020-kein-formel-1-rennen-in-deutschland/11796651/34270

Wie es in Zukunft für den GP von Deutschland weitergeht, ist schwierig einzuschätzen. Ich glaube aber, dass die Chancen relativ groß sind, dass die Formel 1 nach Deutschland zurückkehren wird. Das hängt wahrscheinlich auch davon ab, was die deutschen Hersteller in Zukunft machen.

Das Interesse in Deutschland ist immer noch groß, jedoch nicht so progressiv, wie in manch anderen Ländern. Das deutsche Publikum ist einfach ein bisschen verwöhnt und gesättigt. Wenn man in andere Länder schaut, wo gerade ein Fromel-1-Star hochkommt und erfolgreich wird. Da ist das Interesse viel größer als in Deutschland, wo wir mit Michael Schumacher, Nico Rosberg und Sebastian Vettel drei Weltmeister in den letzten zwei Jahrzehnten hatten. Das ist eine besondere und positive Situation, die nach außen aber leider nicht so wahrgenommen wird.

Bin optimistisch, dass es für Hülkenberg weitergeht

Eine weitere schlechte Nachricht aus deutscher Sicht ist das Aus von Nico Hülkenberg bei Renault ab 2020. Ich denke, der Hauptgrund ist, dass man Esteban Ocon eigentlich schon letztes Jahr haben wollte. Er ist einfach der Wunschfahrer.

Natürlich spielen die Leistungen auch eine Rolle. Wenn Hülkenberg seinen Teamkollege Daniel Ricciardo dominiert hätte, hätten die Überlegungen gewiss anders ausgesehen. Jedoch gehört Ricciardo zu den stärksten Fahrern im Feld und hat sowohl gegen die ehemaligen Teamkollegen Vettel und Verstappen eine starke Figur gemacht. Renault-Teamchef Cyril Abiteboul hatte ja durchblicken lassen, dass man nicht ganz glücklich war, dass Hülkenberg in Hockenheim mit Aussicht auf einen Podiumsplatz einen Fehler gemacht hat. Das ist natürlich auch ein gutes Argument, um nach außen zu sagen: "Das passt nicht." Ich glaube aber nicht, dass die Entscheidung am Ende von dem einen Rennen abhing.

Insgesamt hat Hülkenberg einen guten Job gemacht und es gab lobende Worte vom Renault-Team, was genau wie Ocon auch, französisch ist. Ich bin dementsprechend sehr optimistisch, dass es für Hülkenberg in der Formel 1 weitergeht. Das offensichtlichste Interesse scheint von Haas da zu sein - das hat Haas-Teamchef Günther Steiner ja bereits offiziell bestätigt.

Mehr dazu

Formel 1 zurück auf Sky: Das ist neu nach der Sommerpause!

Formel 1 zurück auf Sky: Das ist neu nach der Sommerpause!

Nach der Sommerpause steigt in Belgien am Sonntag das 13. Formel-1-Rennen der Saison. Sky gibt auch bei der Übertragung Vollgas - Fans dürfen sich ab sofort über längere Sendezeiten und mehr F1-Pressekonferenzen im TV freuen.

Etwas Besseres kann Mercedes nicht passieren

Eine weitere Personalentscheidung ist bei Mercedes gefallen. Valtteri Bottas wird auch in der kommenden Saison zusammen mit Lewis Hamilton das Fahrer-Duo der Silberpfeile bilden. Etwas Besseres kann man sich bei Mercedes nicht wünschen. Du hast den Star-Fahrer, der höchstwahrscheinlich mal wieder die WM gewinnt. Und dann hast du einen zweiten Fahrer, der auch einen sehr guten Job macht und die Punkte nach Hause bringt. Also wieso sollte man so eine tolle Fahrerpaarung wechseln?

Vor allem teamintern funktioniert es bei Mercedes zwischen den beiden Fahrern. Die kommen sich nicht in die Quere. Bei Ocon, der bei Mercedes im Gespräch war, wäre das fraglich gewesen. Der hat in der Vergangenheit schon gezeigt, dass es da teamintern nicht immer so mit Samthandschuhen zugeht. Das wäre ein gewisses Risiko gewesen.

Wechsel bei Red Bull nicht überraschend

Trotz der noch vor ein paar Wochen getätigten anders lautenden Aussagen von Helmut Marko, kam für mich der Wechsel bei Red Bull von Pierre Gasly zu Alexander Albon ebenso wenig überraschend. Zweimal innerhalb von ein paar Rennen noch von seinem Teamkollegen überrundet zu werden, das sollte einfach nicht passieren. Ich finde es richtig, dass man seinem Fahrer Rückendeckung gibt. Jetzt hat Gasly bei Toro Rosso die Chance nochmal zu zeigen, was er kann.

Für Max Verstappen ist es spannend, einen neuen Teamkollegen zu bekommen, an dem er sich dann messen kann und muss. Aber er hat momentan extrem viel Selbstvertrauen, er ist sehr erfolgreich, macht wenig Fehler, ist als Fahrer extrem gewachsen und hat bei Red Bull viel Rückendeckung. Das wird ihn also nicht groß verunsichern.

Alle Sky Formel 1 Kolumnen

Alle Sky Formel 1 Kolumnen

Hier geht es zu den Sky Formel 1 Kolumnen von Ralf Schumacher, Nick Heidefeld, Sascha Roos und Sandra Baumgartner.

Natürlich würde ich mir als Zuschauer wünschen, dass er im Kampf um die WM vielleicht noch ein Wörtchen mitreden kann. Aber ich denke nicht, dass irgendjemand Hamilton über die Saison gesehen noch fordern kann. Dafür ist er zu fehlerfrei und zu abgebrüht. Aber das ein oder andere Rennen wird Verstappen hoffentlich noch gewinnen.

Sieg in Spa wäre für Vettel wichtig

Aus deutscher Sicht hoffe ich aber vor allem, dass Ferrari beim kommenden Rennen in Spa besser abschneiden wird. Zumal die Strecke dem Auto zumindest theoretisch entgegenkommen sollte: ein bisschen mehr Highspeed, nicht so viele langsame Kurven. Außerdem kommt vielleicht nochmal eine neue Motorausbaustufe.

Auch wenn man bei Ferrari nicht mehr unbedingt an den Titel glaubt, wäre es natürlich nicht schlecht, mal wieder einen Sieg zu holen - gerade mit Blick auf das anschließende Heimrennen in Monza. Auch für Sebastian Vettel persönlich wäre ein Erfolg in Belgien wichtig. Ein ganzes Jahr ohne Sieg wäre schon ein Tiefschlag.

Mehr zu den Autoren und Autorinnen auf skysport.de

Weiterempfehlen:

Mehr Geschichten