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Formel 1 in Australien

Kubica nach acht Jahren zurück in der Formel 1

Sport-Informations-Dienst (SID)

17.03.2019 | 11:03 Uhr

Robert Kubica kehrt nach acht Jahren in die Formel 1 zurück.
Image: Robert Kubica kehrt nach acht Jahren in die Formel 1 zurück. © DPA pa

Robert Kubica galt einst als potenzieller Weltmeister, dann verlor er fast seinen rechten Arm. Am Sonntag kehrt der Pole nach acht Jahren in die Formel 1 zurück.

Robert Kubica lächelt versonnen. Der Winter der Formel-1-Stars ist gerade Thema, und Sebastian Vettel hat dazu einen Witz gemacht. "Deine Pause war ja ein bisschen länger als unsere", sagte er in Richtung des Polen. Kubica nickt und senkt kurz den Kopf. "Das stimmt", sagt er: "Ich hatte etwas mehr Zeit."

Kubicas Winter dauerte rund acht Jahre. 3045 Tage wird sein letztes Rennen in der Königsklasse zurückliegen, wenn er am Sonntag (ab 5:15 Uhr live auf Sky) in die Startaufstellung des Großen Preises von Australien rollt. "Es hat sich ganz schön viel geändert, seit ich das letzte Mal dabei war", sagt der Williams-Pilot.

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Ferrari-Pilot Sebastian Vettel liegt nach dem ersten Trainingstag in Melbourne knapp eine Sekunde hinter dem Schnellsten, Lewis Hamilton (Video-Länge: 30 Sekunden).

Zahlreiche Knochenbrüche bei Kubica

Dass er überhaupt noch einmal eines dieser Autos im Wettbewerb bewegen kann, ist eine beinahe unglaubliche Geschichte. Denn im Februar 2011 lag Kubica mit schwersten Verletzungen im Santa-Corona-Krankenhaus von Pietra Ligure. In der Winterpause der Formel 1 war das, er hatte er als Gaststarter an einer Rallye in Italien teilgenommen. Für Kubica war es eine Spaßveranstaltung. Bis er in eine Leitplanke raste, die seinen Wagen durchbohrte.

Zahlreiche Knochen im Körper des Polen brachen, er verlor viel Blut, die Ärzte retteten in einer siebenstündigen Operation seine rechte Hand. Bis heute ist der Arm beinahe steif, auch die Kraft ist stark eingeschränkt. An Motorsport, geschweige denn an die Formel 1, war schon kurz nach dem Unfall nicht mehr zu denken. Eigentlich.

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Sky Reporterin und Formel-1-Expertin Sandra Baumgartner fasst die ersten Trainingseindrücke aus Melbourne zusammen und wagt einen Ausblick in Richtung Qualifying (Video-Länge: 2:29 Minuten).

Kubica machte immer weiter

Doch Kubica behielt seinen Fokus. Er war in der Königsklasse kein Mitläufer gewesen, galt damals als potenzieller Weltmeister, stand vor dem Sprung zu Ferrari. Diese großen Pläne waren an der Leitplanke in Ligurien zerplatzt. Doch ganz aufgeben wollte er seine Karriere nicht.

"Ich wusste, dass ich damit meine Probleme nicht lösen würde", sagt Kubica: "Du musst dich anpassen, weitermachen." Und das funktionierte von Monat zu Monat besser. "Ich musste lernen, und ich wollte lernen", sagte er zuletzt dem Guardian, "ich habe dabei erkannt, wie stark unser Gehirn sein kann. Wie unglaublich schnell es sich anpasst."

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Kubica fuhr bei der Rallye-WM

Also lernte Kubica, mit seinem Handicap den Alltag zu bewältigen. Und dann lernte er, wie er mit diesem Handicap ein Rennauto bedienen kann. Ab Ende 2013 nahm er in leicht umgebauten Autos an der Rallye-WM teil, es wirkte damals wie das Größte, was Kubica in seinem Rennfahrerleben noch würde erreichen können.

"Aber ich bin kein einfacher Charakter", sagt er heute grinsend, "und das hat mir in dieser Phase sehr geholfen." Denn er wollte mehr. Im Sommer und im Winter des Jahres 2017 durfte Kubica für Renault und Williams testen, ein Comeback zur Saison 2018 zerschlug sich noch.

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Comeback in Melbourne

Doch ein Jahr später sitzt er nun tatsächlich im sonnigen Fahrerlager von Melbourne. Kubica weiß natürlich, dass diese Geschichte eine besondere ist, allzu viele Worte will er darüber trotzdem nicht verlieren.

"Meine Emotionen ...", sagt er mit einem schiefen Lächeln, "ehrlich gesagt habe ich keine Zeit, darüber nachzudenken. Ich muss mich auf meine Arbeit konzentrieren." Auf seinen Job als Stammpilot in der Formel 1. Kubicas Winterpause ist beendet.

Sport-Informations-Dienst (SID)

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