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Marc Surer: Jäger oder Gejagter? Spielt keine Rolle

Grand Prix von Singapur

16.09.2017 | 10:36 Uhr

Sky Experte Marc Surer glaubt an ein Comeback von Nico Rosberg, Ferrari traut er nicht mehr viel zu.
Image: Sky Experte Marc Surer glaubt, dass der Grand Prix von Monza die WM entscheiden könnte.

Sky Experte Marc Surer sieht beim Grand Prix von Singapur den Ferrari-Boliden leicht im Vorteil. Außerdem verrät er, warum die beiden WM-Kontrahenten Lewis Hamilton und Sebastian Vettel auf Angriff fahren müssen.

Sky Sport: Mercedes-Sportchef Toto Wolff glaubt, dass der anspruchsvolle Marina Bay Street Circuit Ferrari und Red Bull entgegenkommen sollte. Was macht die Mercedes-Konkurrenten möglicherweise so stark auf dem fünf Kilometer langen Stadtkurs?

Marc Surer: Es geht hier grundsätzlich um den Radstand. Mercedes hat das längste Auto im Feld und einen deutlich längeren Radstand als Ferrari und Red Bull. Der macht das Auto ein bisschen unhandlich in den 90-Grad-Kurven, die es in Singapur überall gibt. Dazu kommt noch, dass die negativen Erfahrungen aus Monaco, wo die Mercedes im Verhältnis schlecht ausgesehen haben, noch immer in den Knochen hängen.

Favoritenrolle noch nicht klar verteilt

Sky Sport: Sebastian Vettel hat sich mit 14 Punkten Vorsprung in die Sommerpause verabschiedet - nun hat der Heppenheimer drei Zähler Rückstand: Der viermalige Weltmeister ist erstmals in dieser Saison der Jäger, Hamilton der Gejagte. Was ändert sich jetzt psychologisch für beide Fahrer?

Surer: Ich glaube nicht, dass es psychologisch eine große Rolle spielt, weil es um zu wenige Punkte geht. Die Rolle eines Favoriten wird erst dann interessant, wenn er mal einen Sieg Vorsprung hat, das heißt, über 25 Punkte. Dann kann man anfangen zu verwalten. Im Moment muss jeder Fahrer auf Angriff fahren, jeder muss unbedingt so viele Punkte wie möglich mitnehmen. Keiner darf ausfallen, weil es in der Gesamtwertung so eng ist - das wäre fatal.

Kontinentale Einteilung des F1-Kalenders möglich

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Die Formel 1 könnte bald schon die nächste Revolution erleben.

Sky Sport: Die letzten beiden Rennen gewann der Brite von der Pole aus. Heißt das, wenn Vettel wieder gewinnen will, muss er in Singapur unbedingt die Pole holen?

Surer: Auf einem Stadtkurs ist die Pole natürlich viel wichtiger, weil man so schlecht überholen kann. In Monza oder Spa hätte man auch aus einer anderen Startreihe gewinnen können, da es genug Überholmöglichkeiten gibt. Aber in Singapur ist es extrem wichtig auf der Pole zu stehen - es ist die Basis für den Sieg.

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Sky Sport: In den bisherigen neun GP-Austragungen von Singapur entschied oft die gewählte Boxenstopp-Strategie über Erfolg und Niederlage. In allen Austragungen musste Bernd Mayländer mit seinem Safety Car ausrücken: Welches Team hat Deiner Meinung nach den cleversten, besten Eindruck in puncto Strategie in dieser Saison hinterlassen?

Surer: Beim Thema Strategie muss man flexibel bleiben. Man muss auf das Safety Car warten. Es verliert derjenige, der bei voller Fahrt zu früh reinkommt. Ich erinnere mich, dass vor Jahren (2008, Anm. d. Red.) Flavio Briatore das Safety Car provozierte: Nelson Piquet junior hatte das Auto absichtlich in die Leitplanke gesetzt, wovon sein am Ende siegreicher Renault-Teamkollege Fernando Alonso profitierte. Auf einem Stadtkurs ist das Safety Car der Schlüssel zum Sieg. Wenn man aber zwei Eisen im Feuer hat wie Red Bull, dann kann man beide Fahrer auf unterschiedliche Strategien setzen, das wurde ja schon oft gemacht. Und das halte ich für die beste Möglichkeit. Aber ich könnte jetzt nicht sagen, ob Mercedes oder Ferrari bisher besser gehandelt haben. Beide Rennställe sind bisher mit ähnlichen Strategien gefahren. Da wäre noch etwas Spielraum für den goldenen Boxenstopp.

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Hamilton übernimmt WM-Führung

Mercedes mit leichtem Vorteil im Endspurt

Sky Sport: Am vergangenen Wochenende gab F1-Marketingchef Sean Bratches Überlegungen bekannt, dass die Formel-1-Rennen zukünftig vielleicht in Blöcken nach kontinentalen Gesichtspunkten im Kalender platziert werden. Wo sehen Sie Vor- und Nachteile dieser Revolution?

Surer: In der Moto-GP ist das ja schon lange gang und gäbe. Ich denke, dass es in der Formel 1 bisher nicht gemacht wurde, weil einige Herren, die das Sagen hatten, am Transport der Autos verdient haben. Deswegen gab es kein großes Interesse daran, dass man die Rennen untereinander verbindet, was durchaus Sinn machen würde. Ich vermute einfach, dass kommerzielle Interessen dahinter standen.

Sky Sport: Zum Abschluss: Wie werden die letzten sieben Rennen verlaufen und wer wird am Ende ganz oben auf dem Podest stehen?

Surer: Ich sehe die Mercedes insgesamt mit leichtem Vorteil. In Singapur und Malaysia könnten die Ferrari ganz oben stehen, weil die Strecken sehr heiß sind und dort die Reifen eine wichtige Rolle spielen. Dann käme Suzuka: Ein Mercedes-Terrain, genauso in Austin mit den langen Geraden und schnellen Kurven. Auch in Mexiko sehe ich die Silberpfeile vor Ferrari, die aber dann wieder in Brasilien gute Siegchancen haben. In Abu Dhabi sehe ich für Mercedes einen minimalen Vorteil.

Das Interview mit Marc Surer führte Peter Bielefeldt

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