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2. Bundesliga News: Sky Reporter Sven Töllner vor dem Nordduell HSV vs. H96

Nordduell HSV gegen Hannover 96: Kleine gegen große Krise

Sven Töllner

05.12.2020 | 12:54 Uhr

Weder Hannover 96 noch der Hamburger SV können sich am Samstagmittag eine Niederlage im Nordduell leisten.
Image: Weder Hannover 96 noch der Hamburger SV können sich am Samstagmittag eine Niederlage im Nordduell leisten. © Getty

Der Aufstieg in die 1. Liga war eigentlich das fest eingeplante Saisonziel, doch nach jeweils vier Spielen ohne Sieg bahnt sich beim Hamburger SV und Hannover 96 langsam aber sicher eine Krise an. Sky Reporter Sven Töllner blickt vor dem Nordduell am Samstag auf die aktuelle Lage der Zweitligisten.

Das Momentum ist brutal - an der Elbe genauso wie am Maschsee. Resultate schlecht, Umfeld zappelig, Medien muffelig. Die beiden exponierten Nordvertreter im Unterhaus haben sich an den vergangenen vier Spieltagen sehr konsequent in äußerst hartnäckige Krisen hineinmanövriert. Verlässliche Auswege aus der misslichen Lage haben bislang weder Daniel Thioune noch Kenan Kocak identifiziert. Das direkte Aufeinandertreffen im Volkspark (ab 12:30 Uhr live auf Sky Sport Bundesliga 3) könnte für beide Trainer wegweisenden Charakter haben.

HSV-Bosse: "Wir sind schließlich noch Dritter"

In Hamburg haben sie es derzeit noch ein bisschen leichter, die pessimistischen Prognosen zu entkräften. "Wir sind schließlich noch Dritter", betonen die Verantwortlichen nach dem demoralisierenden Last-Minute-Knockout in Heidenheim. So wie sie nach der hochverdienten Heimniederlage gegen Bochum zu Recht, aber schon ein wenig schnippisch darauf hingewiesen hatten, dass alles ja wohl nicht ganz so schlimm sein könne, so lange der HSV die Tabelle anführe.

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HSV-Sportvorstand Jonas Boldt über die Berichterstattung über den Hamburger SV. (Videolänge: 45 Sekunden)

Allgemeines Unverständnis darüber, dass sich die Schatten der Vergangenheit nicht nur in der Berichterstattung breitmachten, sondern auch bei vielen Fans ein ausgesprochen unerwünschtes Deja-vu heraufbeschworen. Neuer Trainer, neue Mannschaft - was soll das denn mit den Abstürzen der beiden Vorjahre zu tun haben? Personell tatsächlich nicht sehr viel. Verhaltensmuster und Auswirkungen weisen hingegen sehr wohl Parallelen auf.

Fest eingeplanter Aufstieg erstmal abgeschrieben

Der späte Ausgleich in Kiel nach einer zu passiven Haltung in der zweiten Halbzeit. Die auffällige Hilflosigkeit gegen hochanlaufende Bochumer und das fahrige und zum Teil disziplinlose Abwehrverhalten in Heidenheim nach 25 stabilen Minuten und einer 2:0-Auswärtsführung. Kann alles mal passieren. In den beiden abgelaufenen Spielzeiten waren diese Dinge allerdings Begleiterscheinungen des Abwärtstrends, der in beiden Fällen dafür gesorgt hat, dass der fest eingeplante Aufstieg in die 1. Liga abgeschrieben werden musste. Denkbar also, dass der Blick in die Vergangenheit dabei helfen könnte, die aktuelle Misere mit der notwendigen Tiefenschärfe zu analysieren.

Der Raketenstart mit fünf Siegen hat jedenfalls Erwartungen geschürt, den Verantwortlichen allerdings ausdrücklich nicht das Gehirn vernebelt. Sportvorstand Jonas Boldt und Daniel Thioune haben gesehen und betont, dass nicht alle Siege überzeugend waren. Auf den bedrohlichen Trend, der jetzt eingerissen ist, hätten sie trotzdem gern verzichtet.

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Klare Erwartungen in Hannover

In Hannover ist das Ziel Aufstieg vor Saisonbeginn sehr viel deutlicher formuliert worden als in Hamburg. Martin Kind hatte seinen leitenden Angestellten Kenan Kocak und Gerhard Zuber viel Spielraum für die Neugestaltung des Kaders gelassen, 1,5 Millionen Euro für die Auflösung der Verträge unerwünschter Platzhirsche (Prib, Zieler, Bakalorz) bewilligt und mit dem großflächigen Umbruch klare Erwartungen verbunden.

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Die ersten Heimvorstellungen haben Hoffnungen geschürt, sämtliche Auswärtsauftritte Rätsel aufgegeben und die jüngsten vier Partien die Alarmsignale auf Rot geschaltet. Der schlimme Vortrag in Würzburg hatte eine Brandrede des Trainers zur Folge. Die Vokabel unwürdig als Emblem für die 96-Trikotträger schien gleichwohl ein wenig übertrieben. Kocaks Lobgesang nach dem 0:3 gegen Kiel sorgte dann in der entgegengesetzten Richtung für Verwunderung. Der Vier-Minuten-Blackout beim Defensivverhalten und die Gelb-Rote Karte nach Simon Falettes überraschend unprofessionellem Benehmen gehören schließlich sehr wohl zu dem ansonsten anständigen Auftritt der Niedersachsen dazu.

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Hannover 96 braucht Trendwende gegen HSV. (Videolänge: 1:00 Minuten)

Ausgewogenheit fehlt

Kocak muss also rhetorisch wieder in die Balance finden, seinem Kader fehlt nach einigen späten Verpflichtungen, diversen Verletzungen und unerwünschten, aber eben auch unvermeidbaren Länderspielabstellungen noch immer die fußballerische Ausgewogenheit.

Das Aufstiegsgebot des Präsidenten hatte der Coach im Interview stets zu relativieren versucht und um Zeit für die Harmonisierung der Abläufe gebeten. Ein Viertel der Saison ist absolviert, 96 steht zwei Punkte über dem Relegationsplatz, den vor diesem Wochenende noch der Erzrivale aus Braunschweig einnimmt. Der Synchronisierungsprozess ist also ganz offensichtlich noch nicht abgeschlossen. Und es scheint keineswegs übertrieben zu fordern: Es wird dringend Zeit, dass die Abläufe stimmiger werden und Erträge abwerfen.

Frust oder Befreiungsschlag?

Das direkte Aufeinandertreffen ist also für beide Kontrahenten eine günstige Gelegenheit, eine Menge Frust aus dem eigenen System herauszupusten. Befreiungsschläge, die die eigenen Nerven beruhigen und die Ungeduld im Umfeld herunterregeln könnten, sind hier und dort überaus erwünscht.

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Spannend wird dabei sein, mit welcher Strategie sich die beiden Trainer, die sich während der gemeinsamen Zeit bei der Fußballlehrer-Ausbildung schätzen gelernt haben, gegenseitig mattsetzen wollen. Der Attacke-Stil der Bochumer hat den HSV im letzten Heimspiel vor unlösbare Probleme gestellt. Hannover hingegen ist mit einer sehr offensiv ausgelegten Auswärts-Taktik bislang regelmäßig baden gegangen.

Denkt Kocak diesmal um? Oder ist sein bevorzugter Stil geradezu auf die Schwächen der Hamburger zugeschnitten und greift diesmal erstmals? Diese Fragen dürfte sich auch Thioune stellen. Die taktische Ebene der Partie ist also ähnlich spannend wie die atmosphärische. Beide brauchen einen Erfolg, um für ein wenig Ruhe zu sorgen. Dass eine Niederlage für sehr unangenehmen Stress bei einem geschätzten Kollegen und die Fortsetzung des quälenden Momentums führen wird, spielt für die Kumpels mindestens 90 Minuten lang keine Rolle.

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