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Sky Experte Dennis Aogo über Meisterrennen, Abstiegskampf & den HSV

Aogo: "BVB keine ganze Saison auf konstant hohem Niveau"

Sky Sport

18.09.2020 | 18:17 Uhr

Dennis Aogo spricht vor dem Bundesligastart im Interview mit Sky.
Image: Dennis Aogo spricht vor dem Bundesligastart im Interview mit Sky. © Imago

Dennis Aogo wird die neue Bundesligasaison 2020/21 als Sky Experte begleiten. Vor dem Start am Freitag hat skysport.de mit dem langjährigen Bundesliga-Profi und ehemaligen Nationalspieler über seine Wünsche für die neue Saison, das Titelrennen, seine Abstiegskandidaten, aber auch seinen Herzensklub, den HSV, gesprochen.

skysport.de: Herr Aogo, am Freitag geht es wieder los. Als neuer Sky Experte erleben Sie die Bundesliga nach Ihrem Karriereende erstmals aus einem anderen Blickwinkel. Auf was freuen Sie sich am meisten?

Dennis Aogo: Weiterhin nah dran zu sein! Ich bin ja jetzt auf der anderen Seite und bin sehr gespannt, was da für neue Erfahrungen und Eindrücke auf mich zukommen. Ich habe es ja auch schon das ein oder andere Mal machen dürfen. Ich freue mich und hoffe, dass ich dem Zuschauer gut vermitteln kann, wie es sich anfühlt, auf dem Platz zu sein und eine Einschätzung aus Sicht von jemandem zu geben, der vor kurzem noch selbst auf dem Platz stand.

skysport.de: Was wünschen Sie sich von der neuen Saison?

Aogo: Ich hoffe mal, dass wir ein etwas spannenderes Meisterschaftsrennen bekommen, obgleich ich da auch ein paar Zweifel habe. Der größte Wunsch wäre aber, dass wir nach und nach wieder zur Normalität zurückkehren. Dass die Zuschauer wieder zurückkommen und dass wir die Emotionalität des Sports wieder erleben dürfen. Darauf würde ich mich am meisten freuen.

Bundesliga-Spielplan 2020/21

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skysport.de: Den Auftakt machen am Freitag der FC Bayern München und der FC Schalke 04. Was erwarten Sie von diesem Spiel? Die Vorzeichen könnten ja unterschiedlicher kaum sein …

Aogo: Schalke hat natürlich ein Monster-Anfangsprogramm mit Bayern München, Werder Bremen und dann in Leipzig. Da bin ich sehr gespannt. Die Vorbereitung lief nicht gut, da steht David Wagner auch schon ein bisschen unter Druck, gerade nach der schlechten Rückrunde in der letzten Saison. Von daher deutet alles darauf hin, dass der FC Bayern Favorit ist. Aber ich habe auch als Spieler schon immer gesagt: Wenn man den FC Bayern haben will, dann eigentlich immer am Anfang der Saison, wenn sie noch nicht richtig ihren Rhythmus gefunden haben - gerade nach so einer Saison, wo sie alles gewonnen haben. Vielleicht sind sie noch nicht richtig angekommen. Das kann eine Chance sein für Schalke, die da nichts zu verlieren haben, um doch für eine Überraschung zu sorgen. Aber natürlich stehen die Vorzeichen ganz klar auf der Seite des FC Bayern.

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Gerade zum Winter hin wird der FC Bayern auch ein kleines Loch haben. [...] Da hoffe ich, dass die Mannschaften, die auch um die Meisterschaft mitspielen, da sind.
Dennis Aogo über den Titelkampf

skysport.de: Was für eine Saison erwarten Sie vom FC Bayern nach dem Triple?

Aogo: Wenn jemand mit so einer Saison umgehen kann, dann ist es der FC Bayern. Sie haben einen unfassbar ausgeglichenen Kader. Sie haben einige Spieler in der Mannschaft, die das Ganze schon einmal erlebt haben, aber auch einige Spieler, die noch relativ jung sind und trotzdem schon viel erreicht haben. Gerade die Spieler, die dieser Erfahrung schon haben, werden ein großer Gewinn für den FC Bayern in dieser Saison sein. Ich gehe aber auch davon aus, dass es eine Schwächephase oder einen Leistungsabfall geben wird. Es sind sehr viele Spiele mit wenig Pause. Gerade zum Winter hin wird der FC Bayern auch ein kleines Loch haben - auch körperlich, weil die Belastung extrem hoch ist. Da hoffe ich, dass die Mannschaften, die auch um die Meisterschaft mitspielen, dann da sind, sodass wir bis zum Ende ein spannendes Meisterschaftsrennen sehen werden.

skysport.de: Welche Teams sind es denn, die den FC Bayern in dieser Saison ärgern könnten? Wird es am Ende wieder auf einen Zweikampf zwischen den Bayern und Dortmund hinauslaufen?

Aogo: Das Problem ist, tatsächlich sehe ich eigentlich nicht wirklich jemanden. Klar, Borussia Dortmund versucht jedes Jahr, den Bayern ein Stück weit näherzukommen. Das sehe ich aber in dieser Saison nicht. Sie haben einen sehr jungen, taltentieren Kader. Aber dass sie eine ganze Saison auf konstant hohem Niveau spielen, wie es die Bayern seit Jahren machen, das sehe ich beim BVB noch nicht wirklich. Für mich sind sie aber trotzdem die einzige Mannschaft, die den Bayern zumindest phasenweise Paroli bieten kann.

skysport.de: Was ist mit Teams wie Leipzig, Leverkusen oder Gladbach?

Aogo: Leipzig hat mit Timo Werner einen sehr wichtigen Spieler verloren. Trotzdem halte ich sehr viel von Nagelsmann, der ein unglaublicher Stratege ist. Ich sehe Leipzig schon unter den Top drei oder vier. Ob Bayer Leverkusen nach den Abgängen von Kevin Volland und Kai Havertz oben mit dabei sein wird, wird sich zeigen. Ich traue ihnen aber das internationale Geschäft zu. Bei Borussia Mönchengladbach sehe ich das ähnlich. Das wären die Teams, die ich unter den Top fünf sehe.

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skysport.de: Ihr Ex-Verein Stuttgart spielt in dieser Saison wieder erstklassig. Was trauen Sie dem VfB nach dem Aufstieg zu?

Aogo: Ich würde mir wünschen, dass der VfB eine gute Rolle spielt, sehe es aber ein bisschen kritisch. Sie fahren ja die Strategie, mit sehr vielen jungen, talentierten Spielern in die Saison zu gehen. Mir fehlen da die wichtigen Eckpfeiler, die den Vorbildcharakter für die jungen Spieler haben und anderen in schwierigen Phasen mitziehen können. Zusätzlich hat sich jetzt auch noch Nicolas Gonzalez verletzt, der zwar etwas wild ist von seiner Spielweise, aber immer für Überraschungen sorgt und torgefährlich ist. Ich glaube der VfB hat eine schwierige Saison vor sich.

skysport.de: Wie sieht es mit dem zweiten Aufsteiger aus? Bielefeld war in der vergangenen Zweitligasaison die dominante Mannschaft. Kann die Arminia auch Bundesliga?

Aogo: Ich glaube, dass sie merken werden, dass die Bundesliga nochmal etwas Anderes ist. Ich habe in der letzten Saison relativ viele Spiele von ihnen gesehen. Sie haben als Mannschaft sehr gefestigt gewirkt. Aber wie schwer es ist, hat man auch beim SC Paderborn gesehen, die davor auch eine extrem starke Zweitligasaison gespielt haben und sehr dynamisch waren von ihrer Spielanlage. Die Arminia kommt eher über den Teamspirit. Ich glaube aber, dass die Bundesliga zu stark ist für diesen Kader. Deswegen ist für mich Bielefeld, so leid es mir tut, Abstiegskandidat Nummer eins.

Bielefeld ist für mich Abstiegskandidat Nummer eins.
Dennis Aogo

skysport.de: Was ist mit den Teams, die in der vergangenen Saison schwer am straucheln waren, Werder Bremen zum Beispiel? Für welche Teams wird es in der kommenden Spielzeit schwer?

Aogo: Ich traue Werder Bremen zu, dass sie eine ruhigere Saison haben oder zumindest nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Die Probleme im Kader werden nicht komplett weg sein, aber sie werden ihre Lehren daraus gezogen haben. Ansonsten gibt es da noch Mannschaften wie Union Berlin, die es letztes Jahr gut gemacht haben und mit Kruse einen sehr guten Transfer getätigt haben, der ihnen auf jeden Fall helfen wird. Aber auch da kann es sein, je nachdem wie sie in die Saison starten, dass sie mal unten reinrutschen. Ähnlich ist es beim SC Freiburg, wobei Christian Streich in den letzten Jahren immer wieder Spieler aus dem Hut gezaubert hat, die dann funktionieren. Auch der FC Augsburg ist vielleicht ein Wackelkandidat, wobei auch die gute Transfers gemacht haben.

skysport.de: Dann schauen wir noch kurz auf die 2. Bundesliga. Dort legt am Freitag ein weiterer Ex-Verein von Ihnen los. Der Hamburger SV empfängt Absteiger Fortuna Düsseldorf. Keine leichte Aufgabe zum Auftakt, zumal die Hamburger mit einer deutlichen Pokal-Pleite in die Saison gestartet sind. Wie sehen Sie die Situation der Hamburger? Kann es im dritten Anlauf mit der Rückkehr in die Bundesliga klappen?

Aogo: Ja ich hoffe es doch sehr für den Verein, mit dem ich emotional nach wie vor am meisten verbunden bin! Jedes Jahr hat man die neue Hoffnung und dann startet man so im Pokal… das ist fast nicht zu glauben. Schlimmer hätte man sich das nicht vorstellen können. Nichtsdestotrotz glaube ich, auch wenn ich mir den Kader angucken, dass sie in der Lage sind, oben mitzuspielen. Eine Saison ist unfassbar lang, das hat man auch im letzten Jahr gesehen. Der HSV hat eigentlich in der ersten Hälfte eine gute und konstante Rolle gespielt, hinten raus ist es dann wackliger geworden, was wahrscheinlich auch ein bisschen eine mentale Geschichte war. Ich traue dem HSV jedenfalls zu, oben mitzuspielen, ob es für den Aufstieg reicht, wird sich zeigen. Es kommen ja immer wieder Störfelder von außen dazu. Da wird man sehen, wie stabil die Spieler sind. Man muss beim HSV viel mit den Spielern arbeiten, weil alles so ein bisschen negativ behaftet ist in den letzten Jahren. Das muss man den Spielern nehmen, dass sie frei sein können und ihr Potential ausschöpfen können. Ich hoffe, dass der HSV da intensiv mit den Spielern arbeitet.

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skysport.de: Überschattet wurde die Pokal-Partie von den unschönen Szenen rund um Toni Leistner. Wie bewerten Sie die Aktion?

Aogo: Grundsätzlich bin ich ein großer Freud davon, darauf aufmerksam zu machen, dass wir einen immer größeren Extremismus wahrnehmen. Das war auch schon zu meiner Zeit so, dass die Hemmschwelle, wie sich der Fan gegenüber dem Spieler äußert, geringer geworden ist. Auch vor Corona ist mit der ganzen Hopp-Thematik ja viel passiert. Ich finde, dass man das nicht einfach so stehen lassen und sag kann: Der Spieler muss das einfach abkönnen.

Ob Rassismus, Faschismus oder was auch immer, jeder muss sich hinterfragen, ob sein Verhalten so in Ordnung ist. Man sollte bei aller Rivalität eine gewissen Respekt wahren.
Dennis Aogo über den Umgang zwischen Fans und Spielern

Nichtsdestotrotz darf so etwas natürlich nicht passieren. Klar kann man mit den Fans auch mal diskutieren, aber es darf nicht sein, dass er so die Kontrolle verliert, in den Fanblock springt und dem Fan an den Kragen geht. Das hätte ja noch viel schlimmer ausarten können, je nachdem wie der Fan dann reagiert. Soweit darf es nicht kommen. Man hat ja auch eine Verantwortung. Die Bilder wurden überall wieder gesendet. Das sehen auch kleinere Kinder. Aber der Appell geht auch ganz klar dahin: Ob Rassismus, Faschismus oder was auch immer, jeder muss sich hinterfragen, ob sein Verhalten so in Ordnung ist. Man sollte bei aller Rivalität eine gewissen Respekt wahren.

skysport.de: Abschließend: Was ist Ihr Tipp für das Auftaktspiel zwischen Bayern und Schalke am Freitag?

Aogo: Ich tippe auch einen 2:1-Sieg für den FC Bayern, wo sich der FC Schalke doch besser schlägt, als alle erwarten.

Das Interview führte Lucia Hauck.

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