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Bundesliga: Hamanns Top 3 - Die Kolumne des Sky Experten

Hamann: "Kann mir anderen Meister als Bayern vorstellen"

15.05.2020 | 17:26 Uhr

Dietmar Hamann analysiert für skysport.de das Geschehen in der Bundesliga.
Image: Dietmar Hamann analysiert für skysport.de das Geschehen in der Bundesliga. © DPA pa

In seiner Kolumne blickt Sky Experte Dietmar Hamann auf das Comeback der Bundesliga am Samstag. Der ehemalige Bayern-Profi, der mit den Münchnern zweimal Deutscher Meister wurde, glaubt nicht an einen Durchmarsch der Münchner, sondern traut auch einem anderen Klub den Titel zu. Im Abstiegskampf glaubt er, dass Werder sich rettet.

Ich freue mich, das ab Samstag der Ball wieder rollt! Ob es ein Jadon Sancho, Timo Werner, Marcus Thuram oder ein Robert Lewandowski ist - ich freue mich auf alle. Auch auf Marco Reus, wenn er bald wieder zurückkehrt. Wichtig für die Teams und die Trainer wird sein, dass ihre Leistungsträger die ungewohnte Situation ohne Fans in den Stadien annehmen.

In einer Mannschaft sind alle Spieler wichtig, aber einige sind dann doch ein bisschen wichtiger als die anderen. Spieler wie Lewandowski, Reus, Hummels, Havertz, Aranguiz oder Werner sind auch Vorreiter für die anderen. Aber wir tappen noch alle im Dunkeln, was die neue Situation angeht, jeder geht anders damit um.

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TOP 1: Es wird mehr Überraschungen geben

Ich glaube, dass die neue Situation eine Mannschaft näher zusammenbringt, was ein Vorteil für kleinere Klubs sein kann. Wenn vor der Corona-Pause angepfiffen wurde, hatten die Bayern in 99 von 100 Fällen ihre beste Leistung abgerufen, auch weil sie immer auf den Punkt vorbereitet waren. Du fährst zum Stadion, siehst die Fans, die Spannung wird aufgebaut, du gehst raus, wärmst dich auf, gehst durch den Tunnel und bist da. Aber die Spannung, die normalerweise von außen durch die Fans erzeugt wird, fällt jetzt komplett weg. Du musst den Druck intern erzeugen, und das ist ein sehr schwieriges Unterfangen.

Die Bayern gastieren zum ersten Mal bei Union Berlin. Ein Spiel an einer ausverkauften Alten Försterei wäre auch für die Münchner etwas Besonderes und hätte sie zusätzlich angespornt zu zeigen, wer Herr im Haus ist. Die Fans spielen gerade bei den kleineren Vereinen eine große Rolle, aber jetzt könnte ihr Plus sein, dass die neue Situation die Spieler noch mehr zusammenschweißt und es für die Bayern ohne die Fans schwieriger wird, die innere Spannung zu erzeugen und auf den Punkt da zu sein.

Deswegen glaube ich, dass wir "verrücktere" Ergebnisse sehen werden, wie sie auch zuletzt Fredi Bobic prognostiziert hat. Die Favoritenstellung der Bayern, Dortmunder und Leipziger wird nicht so groß sein, wie es sonst der Fall wäre. Die Spiele werden einen anderen Charakter haben, es wird die eine oder andere Überraschung mehr geben.

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Vor dem Bundesliga-Neustart nach der Corona-Pause appelliert Sky Experte Lothar Matthäus an die Disziplin der Spieler (Videolänge: 59 Sek.).

TOP 2: Keine Meisterschafts-Garantie für Bayern

Die mentale Seite ist in diesen Tagen enorm wichtig, viele Spiele entscheiden sich im Kopf. Die Trainer müssen heute besondere psychologische Fähigkeiten haben. Das sogenannte "Man Management" ist ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. Dass Hansi Flick diese Fähigkeiten besitzt, hat er bei der Nationalmannschaft unter Beweis gestellt und auch beim FC Bayern hat er es toll gemacht. Aber ich glaube nicht, dass das ausschlaggebend für den Ausgang der restlichen Spiele sein wird. Die Trainer und Vereine haben sich zum Teil mit speziellen Maßnahmen auf die neue Situation vorbereitet. Ob sie funktioniert haben, wird man erst am Samstag oder in einigen Wochen sehen.

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Im Titelkampf werden die direkten Vergleiche, zum Beispiel Dortmund gegen Bayern, wie immer das Zünglein an der Waage sein (Hier geht es zur Tabelle). Die Leipziger haben schon zweimal gegen die Münchner gespielt, sie sind fünf Punkte hinter den Bayern, aber man muss sie auf der Rechnung haben. Wenn die Bundesliga die Saison "normal" mit Fans zu Ende gespielt hätte, dann hätte ich mir schwer einen anderen Meister vorstellen als den FC Bayern München. Jetzt kann ich es.

Normalerweise sind die Bayern oft umso schwerer zu schlagen, je länger die Saison läuft. Jetzt ist die Situation eine andere. Die Leipziger werden ein Wörtchen mitreden, aber auch die Dortmunder darf man nicht abschreiben.

Top 3: Was für Werder und gegen Düsseldorf spricht

Ich gehe davon aus, dass 34 oder 35 Punkte für den direkten Klassenerhalt reichen werden. Köln, Union, Hertha und Frankfurt werden die nötigen Zähler holen, ab dem FC Augsburg auf Platz 14 (27 Punkte) geht der Abstiegskampf los. Es hängt natürlich davon ab, was die Bremer (18) in ihrem Nachholspiel gegen Frankfurt machen.

Ich tippe, dass Paderborn und Düsseldorf absteigen. Paderborn hat 16 Punkte aus 25 Spielen und müsste aus den letzten neun Partien mindestens 14 Punkte holen, um noch die Relegation zu erreichen. Fortuna (22) hätte eigentlich schon 26 oder 27 Punkte haben müssen, hat aber viel liegengelassen. Es wird sehr schwer, diese verlorenen Zähler wettzumachen.

In die Relegation muss entweder Augsburg oder Werder. Die Bremer waren bisher das schwächste Heimteam der Liga - trotz ihrer tollen Anhänger. Die Fans können aber in einer schwierigen Situation im Abstiegskampf den Druck auf die Spieler zusätzlich erhöhen, daher muss es für Werder kein Nachteil sein, vor leeren Rängen zu spielen.

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