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BVB News: Lucien Favre eröffnet Debatte um Bürki und Hitz

Derbysieg bringt keine Ruhe: Favre schafft sich neue Probleme

Lars Pricken

26.10.2020 | 22:45 Uhr

Ein souveräner Derbysieg gegen den FC Schalke hat die schwarz-gelbe Welt nach der 1:3-Pleite gegen Lazio Rom wieder in Ordnung gebracht. Zumindest ein wenig, denn beim BVB hängt der Haussegen auch wegen kurioser Entscheidungen von Trainer Lucien Favre wieder einmal etwas schief.

Die Stimmung war ausgelassen, als Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie überpünktlich nach 90 Minuten abpfiff. Ein zu keiner Zeit ernsthaft gefährdeter Derbysieg hatte die schwache Leistung in der Champions League wieder gut gemacht. Zwar stand mit den sich kaum wehrenden Schalkern ein dankbarer Aufbaugegner auf dem Platz, doch der gerade im zweiten Durchgang zelebrierte Spielwitz deutet eine klare Tendenz bei den Dortmundern an.

Ganz ohne Nebengeräusche lief das Revierderby allerdings nicht ab. Vor der Partie sorgte Trainer Favre mit seiner Aufstellung einmal mehr für Aufsehen. Angefangen bei der Torhüterposition. Nach zuletzt vier Spielen ohne Einsatz startete Roman Bürki wieder für seinen Schweizer Landsmann Marwin Hitz.

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Zorc sieht Bürki als "Nummer eins" - Favre widerspricht

Dass Bürki wieder von Beginn an ran durfte, erschien nach den Aussagen von Sportdirektor Michael Zorc logisch. "Wir haben es ja mehrfach erklärt, dass Roman erst krankheits- und dann verletzungsbedingt gefehlt hat. Marwin hat es gut gemacht, aber jetzt steht Roman wieder im Tor. Er ist unsere Nummer eins. Roman war die letzten Jahre unsere Nummer eins und es gibt aus meiner Sicht nicht viele Gründe, daran etwas zu ändern", stellte der Kaderplaner am Sky Mikrofon deutlich klar.

Doch es gibt ein großes "Aber", wie auch Zorc gesteht: "Am Ende stellt immer der Trainer die Mannschaft auf." Der wiederum ließ ganz andere Töne von sich. Von einer klaren Nummer eins nahm der Coach Abstand. "Bürki war verletzt und dann war er krank. Heute hat er gespielt. Aber wir werden sehen. Alle haben Konkurrenz. Sie haben welche und ich auch", erklärte Favre im Sky Interview mit Ecki Häuser und widersprach Zorc damit unterschwellig.

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Champions League, 1. Spieltag: Der ehemalige Dortmunder Ciro Immobile, ein Eigentor von BVB-Keeper Marwin Hitz (23.) und Jean-Daniel Akpa-Akpro (76.) sorgten im fast leeren Olympiastadion für die Niederlage der Gäste. Erling Haaland traf für den BVB

Matthäus kritisiert Favres "Zickzack-Kurs"

Ein Fehler, wie Sky Experte Lothar Matthäus findet: "Das besagt, dass Favre einen Zickzack-Kurs fährt. Bürki hat sich in der letzten Saison nichts zu Schulden kommen lassen. Er ist zudem ein Führungsspieler, der auch mal die richtigen Worte findet. Deswegen habe ich diesen Torwartwechsel nicht verstanden."

Auch die Erklärung, dass Bürki die letzten vier Spiele wegen seines Gesundheitszustandes passen musste, leuchtet nicht ganz ein. Immerhin trainiert der Keeper seit fast zwei Wochen wieder regulär mit der Mannschaft und saß sowohl gegen Freiburg als auch Lazio wieder auf der Ersatzbank. Das Torhüter-Wirrwar und die widersprüchlichen Aussagen von Trainer und Führungsebene verbessern weder die Stimmung noch Favres Rückhalt im Klub.

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Kein Stammspieler: Ist Reus der richtige Kapitän für den BVB?

Doch die selbst aufgemachte Debatte um den Platz zwischen den Pfosten ist nicht das einzige Problem. Trotz langer Verletzungshistorie ist eigentlich auch Kapitän Marco Reus wieder voll dabei. Doch der BVB in Form des Übungsleiters sieht in Einsätzen des Kapitäns noch immer ein Risiko. Dass die Einsätze des Spielführers so sporadisch ausfallen, ist auch Sky Experte Dietmar Hamann ein Dorn im Auge.

"Was fehlt den Dortmundern? Mentalität, Führung. Du kannst doch keinen Kapitän haben, der nur die Hälfte der Spiele macht", meint Hamann, der auch in der Kapitänsfrage ein selbst geschaffenes Problem sieht: "Ich kann doch nicht jemandem die Kapitänsbinde geben oder lassen, nur damit er zufrieden ist. Sie werden früher oder später ein Problem mit ihm bekommen, wenn er mal länger nicht in der Startaufstellung steht. Es ist ja nicht die Wohlfahrt."

Stattdessen müsse man im Sinne der Mannschaft handeln und einen konstanten Führungsspieler in die Verantwortung nehmen, der auch dem ewigen Vorwurf des Mentalitätsproblems entgegen wirken kann. "Du hast mit Hummels einen brillanten Leader, der in der Vergangenheit gezeigt hat, dass er Mannschaften führen kann, dass er Führungsqualitäten hat, dass er das Wort ergreifen kann, dass er Leute mitreißen kann", lobt Sky Experte Hamann.

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Sky Experte Dietmar Hamann bei Sky90 – Die Unibet Fußballdebatte über Kapitän Reus. (Videolänge: 2:59 Sekunden)

Teamleader Hummels hält sich in Trainerfrage bedeckt

Das Auftreten des Abwehrchefs gibt Hamann definitiv recht. Im wichtigen Derby führte Hummels die Mannschaft an, zeigte physische Präsenz, gewann all seine Zweikämpfe und köpfte zudem den 3:0-Endstand. Eine sportlich wie mentale Top-Leistung, die mit der Sky Note 1 ausgezeichnet wurde.

Auch nach der Partie stand der eigentliche Co-Kapitän Rede und Antwort und äußerte sich unter anderem zum Trainer. "Ich halte ihn für einen sehr guten Trainer und wir arbeiten sehr gerne mit ihm zusammen. Aber ich glaube, es ist nie gut, als Spieler in diese Dinge rein zu quatschen. Dafür gibt es Leute, die da verantwortlich sind", so Hummels, angesprochen auf den im Sommer auslaufenden Vertrag Favres.

Doch auch wenn sich der Abwehrmann nicht mit der stets über Favre wabernden Kritik beschäftigt, dürfte manch anderer Spieler nicht gänzlich zufrieden mit einigen Entscheidungen des 62-Jährigen sein. Sei es eine plötzlich auf der Bank sitzende Nummer eins oder ein zu einer enorm starken Phase im Supercup ausgewechselter Erling Haaland, der eigentlich immer durchspielen will.

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BVB-Abwehrchef Mats Hummels spricht am Sky Mikro über die schwankenden Leistungen seiner Mannschaft in dieser Saison (Videolänge: 1:02 Min).

Favre schürt Stimmen gegen sich - nur Siege können helfen

Der Trainer schürt mit solchen Entscheidungen die Stimmen gegen sich und liefert trotz teils guten Leistungen des Teams nicht nur Argumente für sich, in Bezug auf eine Verlängerung zum Saisonende. Das Einzige, was Favre hilft: liefern.

Dem Vorwurf, man könne mit ihm keine Titel gewinnen, muss er mit Titel-Gewinnen entgegenwirken. Oder zumindest mit Siegen in den großen, wichtigen Spielen. Davon stehen nach Rom und Schalke Weitere an. Zwei Pflichtsiege in der Champions League gegen Zenit und Brügge, zwischendurch das Bundesliga-Duell mit Arminia Bielefeld - dann wird es ganz ernst.

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Am 7. Spieltag kommt der FC Bayern nach Dortmund. Bis dahin müssen alle Unklarheiten beseitigt und der BVB in Top-Form sein. Andernfalls dürften es trotz des Derbysieges ungemütliche Wochen für die Mannschaft und vor allem Favre werden.

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