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BVB News: Marco Reus weiter verletzt, Julian Brandt in der Pflicht

Planung ohne Reus: Brandt in der Pflicht - Kader groß genug?

Lars Pricken

31.07.2020 | 21:43 Uhr

Julian Brandt muss in Erscheinung treten und die Rolle von Marco Reus übernehmen.
Image: Julian Brandt muss in Erscheinung treten und die Rolle von Marco Reus übernehmen. © Getty

Marco Reus fehlt weiterhin "auf unbestimmte Zeit", so dass der BVB vorerst zur Planung ohne seinen Kapitän gezwungen ist. Das nimmt Julian Brandt in die Pflicht, der endlich Konstanz zeigen und zum Spielmacher reifen muss. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob der Kader für die straffe Saison ausreicht.

"Bei Marco ist leider noch nicht die erhoffte Besserung eingetreten. Die an der Muskelverletzung beteiligte Sehne ist noch immer entzündet, sodass er weiter konservativ behandelt werden muss und noch nicht mit der Mannschaft trainieren kann", offenbarte Sportdirektor Michael Zorc auf der ersten Pressekonferenz vor dem Trainingsauftakt am Montag.

Wann mit Besserung zu rechnen ist, wisse der Kaderplaner nicht. "Es ist schwierig für uns eine zeitliche Einschätzung abzugeben", gestand Zorc, dem in Anbetracht der Vorgeschichte auch kaum etwas anderes übrig bleibt. Als Reus' Verletzung auftrat, lagen die ersten Ausfall-Prognosen bei etwa vier Wochen. Das war Anfang Februar. Seitdem hat der 31-Jährige keine Minute mehr auf dem Platz gestanden.

Zum Durchklicken: Die lange Krankenakte von Marco Reus

  1. Seit seinem Wechsel zum BVB 2012 verpasst Reus verletzungsbedingt 115 Spiele. Neben zahlreichen kleineren Blessuren waren auch einige größere Geschichten dabei. Wir fassen die traurige Verletzungshistorie des Nationalspielers zusammen.
    Image: Seit seinem Wechsel zum BVB 2012 verpasst Reus verletzungsbedingt über 100 Spiele. Neben zahlreichen kleineren Blessuren waren auch einige größere Geschichten dabei. Wir fassen die traurige Verletzungshistorie des Nationalspielers zusammen. © Imago
  2. Syndesmose-Teilriss: 09.06.2014 - 14.08.2014 - Reus verletzt sich beim letzten DFB-Testspiel vor der WM gegen Armenien (6:1) kurz vor der Halbzeit: "Ein Traum ist von einer zur anderen Sekunde geplatzt." Deutschland gewinnt den WM-Titel ohne Reus.
    Image: Syndesmose-Teilriss: 09.06.2014 - 14.08.2014 - Reus verletzt sich im letzten DFB-Testspiel vor der WM: "Ein Traum ist von einer zur anderen Sekunde geplatzt." Deutschland gewinnt die WM ohne Reus, der durch die Verletzung insgesamt 66 Tage ausfällt. © DPA pa
  3. Schambeinentzündung: 23.05.2016 – 15.11.2016 - Nach beinahe verletzungsfreier Saison 2015/16 der nächste Schock: Reus verpasst auch die EM in Frankreich. Löw: "Er hat massive Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen."
    Image: Schambeinentzündung: 23.05.2016 – 15.11.2016 - Nach beinahe verletzungsfreier Saison 2015/16 der nächste Schock: Reus verpasst auch die EM in Frankreich. Löw: "Er hat massive Probleme und kann im Moment nur geradeaus laufen." © DPA pa
  4. Bei einer Schambeinentzündung gibt es kaum medizinische Behandlungsmöglichkeiten, außer Ruhe. kann in der kommenden Saison erst am 12. Spieltag wieder auflaufen. Er verpasst 2016/17 26 von 51 Pflichtspielen.
    Image: Bei einer Schambeinentzündung gibt es kaum medizinische Behandlungsmöglichkeiten, außer Ruhe. Reus kann in der kommenden Saison erst am 12. Spieltag wieder auflaufen. Er verpasst 2016/17 26 von 51 Pflichtspielen. © Imago
  5. Kreuzbandriss: 29.05.2017 – 04.01.2018 - Reus verletzte sich beim Pokalfinale 2017 gegen Frankfurt in der achten Minute. Nach der OP verpasst er alle BVB-Gruppenspiele in der CL, alle Pokalspiele und steht nur in 11 Bundesligaspielen auf dem Platz.
    Image: Kreuzbandriss 29.05.2017 – 04.01.2018 - Reus verletzte sich im Pokalfinale 2017. Nach der OP verpasst er alle BVB-Gruppenspiele in der CL, alle Pokalspiele und steht nur in 11 Bundesligaspielen auf dem Platz. Er ist 220 Tage lang verletzt. © DPA pa
  6. Muskelverletzung (Adduktoren): 05.02.2020 - ? - Im Pokal gegen Bremen wird der BVB-Kapitän gegen Ende ausgewechselt. Damals hieß es: nach vier Wochen soll Training wieder möglich sein. Ob er überhaupt nochmal in dieser Saison spielt, ist unsicher.
    Image: Muskelverletzung (Adduktoren): 05.02.2020 - ? - Im Pokal gegen Bremen wird der BVB-Kapitän gegen Ende ausgewechselt. Damals hieß es: nach vier Wochen soll Training wieder möglich sein. Doch er verpasste letztlich die komplette restliche Saison.  © DPA pa

Brandt trägt den Reus-Ausfall auf seinen Schultern

Große Korrekturen an der Mannschaft sollen dennoch nicht vorgenommen werden. Das Fehlen des Kapitäns erwies sich im Frühjahr als Sprungbrett für den zuvor oft auf Linksaußen oder auf der Doppel-Sechs eingesetzten Julian Brandt, der fortan im Offensiv-Zentrum gesetzt war und die Lücke schließen sollte. Das gelang dem Nationalspieler mal mehr - mal weniger.

Konstanz war das große Problem, das sich durch seine erste Saison in Schwarz und Gelb zog. An einem Wochenende brillierte der 24-Jährige beispielsweise im Revierderby gegen Schalke (zwei direkte und zwei indirekte Torbeteiligungen), um dann an den zwei folgenden Spieltagen gegen Wolfsburg zu verblassen und gegen den FC Bayern sogar zur Halbzeitpause ausgewechselt zu werden (Sky Note 5).

In seinem zweiten Jahr bei der Borussia darf der Kreativkopf nicht mehr untertauchen. Andernfalls würde der ohnehin bittere Ausfall von Reus noch deutlicher ins Gewicht fallen. Brandt ist nicht nur kurzfristiger Ersatz für den Spielmacher, sondern auch in Richtung Zukunft als potenzieller Nachfolger und Strippenzieher im BVB-Spiel angedacht.

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Borussia Dortmund muss weiterhin auf Kapitän Marco Reus verzichten. Sportdirektor Michael Zorc spricht auf einer Medienrunde über den aktuellen Stand der Verletzung (Videolänge: 1:06 Min.).

Kein Youngster mehr: Brandt geht in seine achte Profi-Saison

Das überaus große Talent kann dem Ex-Leverkusener nicht abgesprochen werden. Doch in seinem mittlerweile achten (!) Bundesliga-Jahr dürfen Leichtsinnsfehler nicht mehr zur Tagesordnung gehören. Von unüberlegten Dribblings und Passfehlern in der eigenen Hälfte, die im schlimmsten Fall zu einem Gegentor führen, ganz zu Schweigen.

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Wie wichtig es ist, dass der variable Offensivmann in die Reus-Rolle hinein wächst, zeigt ein Blick in den Kader der Westfalen. Es gibt derzeit keinen anderen Dortmunder, der das Gesamtpaket aus Tempo, Übersicht, Pass-Präzision, Uneigennützigkeit und Variabilität im Positionsspiel mitbringt. Das wirft eine ganz andere Frage auf: Ist die Mannschaft des BVB für eine so vollgepackte Saison gewappnet?

BVB-Kader in der Defensive gut bestückt

Für Zorc ist die Antwort eindeutig: "Wir glauben, dass wir eine gute Größe haben und dass die Spiele zu händeln sind." Auch auf die Frage, ob drei gelernte Innenverteidiger im Kader für eine ganze Saison mit Dreierkette ausreichen, antwortete der Sportdirektor trocken: "Ja." Immerhin habe man neben Mats Hummels, Dan-Axel Zagadou und Manuel Akanji mit Emre Can und Lukasz Piszczek noch zwei weitere Profis im Team, die dort agieren könnten.

Auf der rechten Defensivseite hat der BVB den abgewanderten Achraf Hakimi (Inter Mailand) durch Thomas Meunier ersetzt. Zudem machte der 20-jährige Mateu Morey in seinen Einsätzen vor Saisonende eine gute Figur. Demgegenüber stehen Raphael Guerreiro, der auch weiter vorne sowie im Zentrum agieren kann, Nico Schulz und Marcel Schmelzer auf der linken Defensivseite.

Sprich: Quantitativ ist der BVB hinten bestens aufgestellt. Den Ansprüchen eines Erste-Elf-Spielers werden allerdings nicht alle Reservisten gerecht. Allrounder Marius Wolf, der ursprünglich als Rechtsverteidiger angedacht war, soll nach einem Leih-Jahr bei der Hertha endgültig an den Mann gebracht werden.

Zum Transfer Update: Alle Wechsel, alle Gerüchte

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Starkes Zentrum - Offensive hängt an Sancho-Poker

Und im Zentrum? Da haben die Dortmunder vor allem in Richtung Defensive eine große Auswahl. Axel Witsel, Can, Thomas Delaney, Mahmoud Dahoud und Neuzugang Jude Bellingham streiten sich um die maximal zwei Positionen im Zentrum, von der eine des Öfteren an den variablen Brandt vergeben werden könnte.

Im Angriff steht und fällt vieles mit der Personalie Jadon Sancho. Nach Sky Informationen gibt es derzeit noch kein offizielles Angebot. Aber: Ein Wechsel zu Manchester United ist noch immer die wahrscheinlichste Option. Alle Seiten arbeiten an einer Lösung bezüglich der Ablösesumme.

Der BVB fordert noch immer rund 120 Millionen Euro, was den Red Devils nach jetzigem Stand zu viel als fixer Preis ist. Die Erarbeitung eines Modells mit Bonuszahlungen - wie bei Ousmane Dembele - kann jedoch dauern. Doch bevor der Deal nicht über den Tisch ist, werden die Dortmunder sich auch nicht um Ersatz bemühen.

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Borussia Dortmund: Wie geht es weiter mit Flügelspieler Jadon Sancho? Sportdirektor Michael Zorc äußert sich zum aktuellen Stand (Videolänge: 34 Sek.).

Geht Sancho, braucht der BVB zwingend einen Nachfolger

Aus diesem Grund wollen die Westfalen schnellstmöglich Klarheit. Bei einem Sancho-Abgang muss noch etwas passieren, denn den absoluten Top-Scorer (je 17 Tore und Vorlagen in der Bundesliga) ohne Nachfolger abzugeben, wäre fatal. Ansonsten steht mit Thorgan Hazard lediglich ein echter Außenspieler im Kader. Allerdings können auf den zwei flexiblen Offensivposten des BVB auch Brandt, der junge Giovanni Reyna und Guerreiro spielen.

Auch der Verpflichtung eines alleinigen Sancho-Ersatzes wohnt ein gewisses Risiko inne. Schlägt der Neuzugang nicht ein, bleibt die Problematik gleich. Grundsätzlich sind die Optionen für Trainer Lucien Favre dort also vorerst begrenzt. Noch knapper wird es im Sturm. Dort steht mit Erling Haaland erneut nur eine richtige "Nummer neun" unter Vertrag.

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Wieder kein zweiter Stürmer - kalkuliertes Risiko der Chefetage

Trotz der Wintereinsicht von Hans-Joachim Watzke, dass der Umstand, nur einen Stürmer im Team zu haben, ein Fehler sei, wollen die Dortmunder erneut dieses Risiko eingehen. "Dadurch, dass wir umgestellt und andere Spieler in die Rolle des Neuners eingespielt haben, besteht da keine Notwendigkeit", erklärt Zorc.

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Borussia Dortmund: Sportdirektor Michael Zorc äußert sich auf der ersten Pressekonferenz der neuen Saison, ob sich der BVB noch mit einem zweiten Stürmer neben Erling Haaland verstärkt (Videolänge: 48 Sek.).

Wie belastungsfähig das Team tatsächlich ist, wird sich wohl erst im Laufe der Saison zeigen. Ohnehin stehen hinter der ein oder anderen Personalie noch Verletzungs- und Transfer-Fragezeichen, die es zu lösen gilt.

Am Ende bleibt zu hoffen, dass Brandt seiner neuen Aufgabe gerecht und der BVB unterm Strich vom großen Verletzungspech verschont bleibt, denn: Gerade in der Offensive könnte der Kader - bei den hohen Ansprüchen der Borussia - üppiger besetzt sein.

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