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BVB: Roman Bürki im Interview über Can, Haaland, Favre & Freiburg

Bürki über Kabinen-Ärger, Can, Haaland & den Titel-Krimi

Sky Sport

28.02.2020 | 13:03 Uhr

4:39
Borussia Dortmund: Torhüter Roman Bürki spricht im exklusiven Interview mit Sky Sport über den Turnaround in der Mannschaft, Emre Can, Erling Haaland, Trainer Lucien Favre und den Titelkampf in der Bundesliga (Videolänge: 4:39 Min.).

Borussia Dortmund hat zu neuer Stärke gefunden. Keeper Roman Bürki spricht im exklusiven Interview mit Sky Sport über den Turnaround, den Titel-Krimi in der Bundesliga, die Neuzugänge Emre Can und Erling Haaland sowie das kommende Spiel gegen Freiburg.

Sky Sport: Herr Bürki, warum stand der BVB in den letzten Spielen defensiv so stabil?

Roman Bürki: "Ich glaube dass wir, vor allem nach dem Spiel gegen Leverkusen, alle realisiert haben, dass wir nicht immer Spiele gewinnen können, wenn wir zwei, drei Gegentore kriegen. Wir sind nicht immer im Stande, fünf Tore in einem Spiel zu schießen, sondern zwei müssen auch mal reichen, um ein Spiel zu gewinnen.

Und ich glaube, seitdem sind wir eher in die Spiele reingegangen mit dem Motto: 'Wenn wir kein Gegentor kriegen, verlieren wir das Spiel auf jeden Fall nicht'. Und mit unserer Qualität, die wir in der Offensive haben, sind wir immer für ein Tor gut und gefährlich."

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Sky Sport: Wie ist das gelungen?

Bürki: "Direkt nach dem Spiel in Leverkusen wurde es auch mal ein bisschen lauter in der Kabine. Man hat das natürlich auch angesprochen. Vor allem aus defensiver Sicht, also die Defensivleute, die Torhüter natürlich miteinbezogen. Das fällt dann schon auf, wenn man vorne halt nur dafür spielt oder nur hofft: 'Hoffentlich kriege ich noch eine Chance, um ein Tor zu machen' und sich nicht darauf konzentriert, zu verteidigen.

Und, wie wir jetzt auch in den letzten Spielen gesehen haben: Es geht nur, wenn wir alle mitmachen. Ein Riesenkompliment auch an Jadon (Sancho, Anm. d. Red.) und an Thorgan (Hazard, Anm. d. Red.) und an alle Offensivspieler, dass sie immer wieder zusammen zurückgekommen sind, den eigenen Sechzehner verteidigt und dann von hinten raus die Konter gestartet haben."

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Sky Sport: Den Trainer freut das wahrscheinlich.

Bürki: "Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, es ist auch wichtig für ihn, dass er gesehen hat, dass die Spieler das auch können. Man hat jetzt nur so einen Zeitpunkt gebraucht wie gerade in Leverkusen, wo wir aufgezeigt gekriegt haben, dass es so nicht funktioniert."

Sky Sport: Ist es manchmal so ein Klick-Moment?

Bürki: "Ich finde, Sie haben mich gefragt warum, und ich kann mir das im Moment jetzt nur so erklären, dass es so schnell dann auch geklappt hat. Wie gesagt, es wurde ein bisschen lauter nach dem Spiel in der Kabine. Wir waren sauer, weil wir wieder vier Tore gekriegt haben und das Spiel natürlich nicht gewonnen haben. Wir haben aber auch drei geschossen und trotzdem haben wir in dieser Zeit viele Gegentore kassiert gehabt. Und deshalb war es, glaube ich, offensichtlich, dass das der richtige Moment war, um mal was zu sagen, um es anzusprechen."

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Sky Sport: Dabei ist bestimmt auch Emre Can ein wichtiger Faktor. Wie nehmen sie ihn wahr?

Bürki: "Emre ist ein super Spieler, der viel Erfahrung auch mit sich bringt. Ich bin nicht so ein Fan, das alles von einem Spieler abhängig zu machen. Aber ich bin auf jeden Fall auch der Meinung, dass er uns Stabilität und die nötige Aggressivität dann auch auf dem Platz in Zweikämpfen gebracht hat."

Sky Sport: Jemand, der dem gesamten Mannschaftsgefüge Stabilität verleiht?

Bürki: "Ich glaube, er ist schon jetzt auf einem guten Weg, so ein Anker bei uns im System zu werden. Ganz vorne haben wir die jungen Wilden, die so ein bisschen machen können, was sie wollen, müssen aber verteidigen. Und dahinter kommt dann immer mehr Verantwortung dazu und deshalb sehe ich ihn da auf einer sehr wichtigen Position mit Axel (Witsel, Anm. d. Red.) zusammen und mit der ganzen Verteidigung."

Sky Sport: Kommen wir zum zweiten Neuzugang Erling Haaland. Wie haben Sie ihn erlebt in den letzten Wochen?

Bürki: "Eigentlich ein sehr ruhiger Typ. Klar, mit den Toren kommt man dann auch ein bisschen besser, schneller an in der Mannschaft. Er wagt sich dann auch mal was zu sagen, das ist auch gut so. Er macht ganz normal seine Arbeit, er arbeitet hart, er kommt an freien Tagen hierhin, das ist sehr vorbildlich für so einen jungen Spieler."

Sky Sport: Haben Sie so etwas in dieser Art schon mal erlebt?

Bürki: "Ich habe das schon mal erlebt, mein Bruder ist genauso, würde ich sagen. Als er so jung war wie er, ist er auch jeden Tag ins Trainingszentrum, weil er eben nichts besseres zu tun hatte. Und ich glaube bei Erling, ich habe ihn auch mal gefragt: 'Was machst du an freien Tagen?' Dann meinte er: Er habe nichts besseres zu tun, also geht er ins Trainingszentrum und lässt sich pflegen oder trainiert. Ja, von dem her kenne ich das schon. Aber es ist sehr gut."

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Sky Sport: Thema: Mentale Stärke. Gerade für Torhüter, gerade für Sie? Was spielt Mentalität für eine Rolle?

Bürki: "Ja, ich glaube immer, dass es einem hilft, wenn man Erfahrung gemacht hat. Zum Beispiel Fehler oder im Spiel. Man denkt natürlich dann auch ein bisschen: 'Oh ne, jetzt denken die wieder, der kann damit nicht umgehen, der ist nicht gut genug für diesen Klub'. Du machst dir ja irgendwelche Gedanken, du wirfst dir selber Sachen vor, obwohl du es gar nicht musst. Und einfach damit, das zu ignorieren und das in positive Energie umzuwandeln, würde ich sagen.

Dass man so ein bisschen manchmal mit der Einstellung in ein Spiel geht, wenn man sich nicht so gut fühlt oder wenn man sich zu viele Gedanken macht: 'Was ist, wenn ich da wieder einen Fehler mache? Dann kommen die Leute wieder und sagen: 'Der ist nicht gut genug'.' Dass man einfach so ein bisschen mit dem Gefühl ins Spiel geht, dass es einem so ein bisschen egal ist. So: 'Ich schiebe das jetzt zur Seite, das ist nur Fußball. Das ist nur ein Spiel.' Dass man das einfach dann auch mal so sieht und dass man das dann auch wirklich annimmt und dann so ins Spiel geht.

Sowieso, die meisten Spieler, oder viele junge Spieler, die sind so gut, weil sie eben sehr wenig überlegen, viel weniger nachdenken als einer, der es vielleicht schwieriger hatte und auch durch schwierige Zeiten gegangen ist - im Fußball, sage ich jetzt. Der junge Spieler, dem einfach alles gelingt, weil der denkt einfach nicht darüber nach: 'Was könnte sein, wenn's jetzt misslingt?' Sondern, der macht's einfach. Und wenn's klappt, dann klappt's meistens eben auch."

Sky Sport: Wie sind Sie mit der Kritik an sich in den letzten Jahren umgegangen? War es ein Lernprozess?

Bürki: "Ja. Und ich muss sagen: Ich bin, in dem Moment, in dem ich damals war, hätte ich mir gerne gewünscht, dass es nicht wahr ist, so wie es ist. Aber jetzt im Nachhinein, finde ich, ich habe sehr viel dazu gelernt, nicht nur fußballerisch, sondern auch menschlich, wie mit schwierigen Situationen umzugehen ist.

Natürlich: In solchen Situationen lernst du dann auch die wahren Freunde oder den Klub kennen. Und der Klub hat direkt mit mir verlängert, als es sehr schwierig war. Dem bin ich sehr dankbar. Dann kriegt man dann auch nochmal eine gewisse Sicherheit, dass man weiß: 'Okay, ich bin beim richtigen Verein, die Spieler stehen hinter mir und ich darf Fehler machen.' Jeder darf Fehler machen in unserem Team, solange er einfach immer wieder alles gibt. Wie gesagt, es war eine schwierige Zeit, aber ich bin froh, dass ich durch diese Zeit gegangen bin."

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Sky Sport: Kommen wir zum Trainer Lucien Favre. Wie haben Sie ihn in dieser Saison erlebt, wie hat er sich verändert?

Bürki: "Ich finde, dass er ein bisschen emotionaler geworden ist, was die ganzen Trainingseinheiten und Teamansprachen auch angeht. Also, ich glaube, das ist auch sehr gut angekommen. Ich weiß jetzt nicht, ob das auch wirklich so ist, aber auf mich wirkt das so, als hätte er sich noch ein bisschen mehr geöffnet und ist ein bisschen mehr aus sich rausgekommen. Das kommt gut an bei der Mannschaft auf jeden Fall.

Wie wir sehen haben wir, hat er mit seinem Trainerteam auch das richtige System spielen lassen. Wir fühlen uns wohl, die Spieler fühlen sich wohl. Im Moment funktioniert es und wir hoffen, dass es noch lange so weitergeht."

Sky Sport: Fühlt die Mannschaft sich wohler mit einer Dreier-Kette?

Bürki: "Ich finde schon. Also, ich finde auch, dass wir gar nicht soviel auf die Gegner schauen sollten wie die spielen, sondern dass wir in diesem System spielen sollen, weil wir uns dabei wohl fühlen und unseren Fußball spielen können. Und so hat es eigentlich auch gut geklappt. Ich meine, gegen PSG haben wir ein gutes Spiel gemacht, die zweite Halbzeit in Bremen war auch gut, gegen Frankfurt auch ein souveränes Spiel. Wir müssen eben auch an unsere Stärken glauben und an das, was wir im Moment spielen."

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Sky Sport: Haben Sie eine Schweizer Connection zum Trainer?

Bürki: "Also ich spreche auch französisch, vom dem her ist es auch ein bisschen einfacher zu kommunizieren manchmal. Aber sonst, ich glaube, er hat zu allen Spielern ein lockeres und sehr respektvolles Verhältnis."

Sky Sport: Einfache Frage: Wer wird Deutscher Meister?

Bürki: "Boah, was für eine Frage. Also ich hoffe natürlich, dass wir es werden. Wir werden alles dafür tun, solange wie möglich im Titelkampf dabei zu sein. Im Moment sieht es gut aus. Wir haben - wirklich - uns durch eine schwierige Phase auch wieder rangekämpft. Und, ja, wie man gesehen hat, der Erste spielt gegen den Letzten und es gibt ein knappes Ergebnis. Klar, Bayern hat gewonnen. Aber es ist einfach sehr schwer dieses Jahr sozusagen einen Favoriten zu sagen, weil es sehr ausgeglichen ist und jeder eigentlich jedem das Leben schwer machen kann. Wir versuchen konstant zu sein, unsere Spiele zu gewinnen und am Schluss ganz oben zu stehen."

Sky Sport: Gibt es denn für Sie einen Favoriten?

Bürki: "Nein, wir sind schon....ich finde für mich, weil ich sehe unsere Mannschaft, unsere Qualität. Für mich können wir es auf jeden Fall schaffen."

Sky Sport: Was würde der Titel für Sie persönlich bedeuten?

Bürki: "Der Höhepunkt meiner Karriere auf jeden Fall."

Sky Sport: Ist der BVB nach den letzten Spielen wieder in der Spur?

Bürki: "Ja, man merkt es auch wieder im Training. Man ist nicht zufrieden, wenn nur 90 Prozent der Pässe bei einer Passübung ankommen. Sondern wir wollen wirklich, dass alles klappt. Da kommt von der Mannschaft auch wirklich schon mal eine Stimme und sagt: 'Kommt Jungs, konzentriert euch.' Ich glaube, wir sind fokussiert und auch sehr zielstrebig im Moment."

Sky Sport: Und wie ist der Stand bei Ihrem eigenen Vertrag?

Bürki: "Ich weiß, dass Gespräche laufen. Ich bin mit meinem Berater im Austausch natürlich, mit Herrn Zorc natürlich auch, den ich fast jeden Tag hier sehe und wir sind auf einem guten Weg, dass es für beide Seiten dann auch passt."

0:18
Borussia Dortmund: Roman Bürki über mögliche Vertragsverlängerung

Sky Sport: Ist Dortmund Ihre Heimat geworden?

Bürki: "Im Moment schon und ich fühle mich sehr wohl."

Sky Sport: Am Samstag geht's gegen Ihren Ex-Klub Freiburg. Haben Sie noch alte Verbindungen, Freunde?

Bürki: "Also Kontakte neben dem Fußball nicht groß. Von den Spielern kenne ich noch sehr viele, die noch dort spielen, viele vom Stuff, Torwarttrainer, Trainer uws. Physios. Ich freue mich immer, diese Leute wieder zu sehen, weil ich habe da meine ersten Erfahrungen in der Bundesliga sammeln dürfen. Und das hat schon etwas bei mir bewegt und das ist etwas, das für mich immer bleibt. Die Leute, wie sie mich behandelt haben und wie sie mich aufgenommen haben, das ist immer sehr schön, zurück zu denken."

Sky Sport: Wird das ein schwieriges Spiel?

Bürki: "Ja, Freiburg ist immer sehr schwierig zu spielen. Sie hatten jetzt eine Niederlage, trotzdem ist Freiburg eigentlich immer sehr unberechenbar, weil der Trainer auch immer sehr kluge Entscheidungen trifft und die Mannschaft sehr gut einstellt auf den Gegner. Von dem her müssen wir alles geben und uns auch voll fokussieren auf dieses Spiel."

Sky Sport: Thema Rassismus. Wie nehmen Sie das derzeit wahr? Was sind Ihre Gedanken?

Bürki: "Also ich bin der Meinung, dass es keine andere Wahl gibt, als den Platz zu verlassen, sobald man sowas hört. Weil wenn man weiterspielt, dann wird es ein stückweit zur Seite geschoben und wir sprechen ja immer davon, dass es aufhören muss und dass es natürlich ein No-go ist. Und deshalb gibt es für mich nur eine nachvollziehbare Entscheidung: Und zwar direkt das Spiel zu beenden oder zu unterbrechen, bis diese Person draußen ist oder diese Personen, die rassistische Beleidigungen gemacht haben!"

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Borussia Dortmund: Roman Bürki fordert Spielabbruch bei rassistischen Beleidigungen

Sky Sport: Wäre ein Spielabbruch als die logische Konsequenz?

Bürki: "Für mich schon, weil für mich ist es ein No-Go, das gehört nicht hierhin, das gehört nirgends auf der Welt hin und von dem her müssen wir auch schauen, dass wir rigoros durchgreifen, egal was da jetzt für TV-Kanäle da sind, um das Spiel zu sehen. Es ist wichtig, dass man gegen Rassismus vorgeht."

Bundesliga-Spielplan 2019/20 zum Durchklicken

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Sky zeigt das Match Borussia Dortmund vs. SC Freiburg am Samstag, 29. Februar, ab 14:00 Uhr live in der Original Sky Konferenz und ab 15:15 Uhr im Einzelspiel auf Sky Sport Bundesliga 3 HD, Sky Go und mit Sky Ticket.

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