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Champions League: Achtelfinal-Auslosung - Interview mit Kai Dittmarn

Dittmann zur Auslosung: Diese "Desperados" wünsche ich Bayern

Sky Sport

14.12.2020 | 13:25 Uhr

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Am Montag wird das Achtelfinale der Champions League ausgelost (ab 11:30 Uhr live im Free-TV auf Sky Sport News und hier auf skysport.de und in der Sky Sport App). Kai Dittmann hat unzählige Spiele in der Königsklasse für Sky kommentiert. Im Interview blickt er auf die möglichen Gegner der deutschen Teams und sagt, wer am besten zu welcher Mannschaft passt.

Sky Sport: Der FC Bayern könnte im Achtelfinale auf Lazio Rom, Atalanta Bergamo, den FC Porto, den FC Sevilla und den FC Barcelona treffen. Welcher Gegner wäre der Best Case und welcher der Worst Case?

Kai Dittmann: Für die Bayern gibt es tatsächlich keinen Worst Case. Jedenfalls nicht, was den Gegner angeht. Barcelona wäre eine super Nummer, es wäre die Neuauflage des Viertelfinals der vergangenen Saison, das Bayern 8:2 gewonnen hatte. Barca hätte etwas gutzumachen, aber ich halte sie im Moment nicht für so stark, dass sie wirklich gegen die Bayern etwas ausrichten können. Schon gar nicht in zwei Spielen. Und das gilt für alle anderen möglichen Gegner auch.

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Sky Sport: Barca hat im Viertelfinale der vergangenen Saison gegen Bayern ein Desaster erlebt. In der spanischen Liga sind sie weit abgeschlagen, in der Champions League haben sie letzte Woche 0:3 gegen Juve mit Cristiano Ronaldo verloren. Wie ist Barca einzuschätzen?

Dittmann: Ich hätte gedacht, dass nach dem Debakel der vergangenen Saison der Umbruch bei ihnen irgendwie schneller und besser über die Bühne geht. Zwischendurch hatte ich mal den Eindruck, sie sind wieder etwas konstanter. Aber du kannst dich nicht im Duell Messi gegen Ronaldo so vorführen lassen wie am letzten Spieltag der Gruppenphase. Sie haben viele richtig gute Spieler und großes Potenzial, aber ich würde sie nicht zu den Mannschaften zählen, die ich Stand jetzt im Halbfinale erwarten würde. Es ist nicht das Barcelona von vor drei oder vier Jahren, das immer automatisch um den Titel mitgespielt hat.

Sky Sport: Welches wäre dein Lieblingsgegner für die Bayern?

Dittmann: Das interessante Los wäre Bergamo, da hätte ich mal Lust drauf. Atalanta ist eine mutige "Desperado-Mannschaft", die ganz, ganz schwer auszurechnen ist und nicht durch Zufall in der vergangenen Saison das Viertelfinale erreicht hat.

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Sky Sport: Und welches wäre das leichteste Los?

Dittmann: Wenn man vom "vermeintlich leichtesten Los" redet, heißt es ja nicht, dass ein Team einfach so durchgewunken wird. Aber ich glaube, dass es der FC Porto ist. Sie sind zwar immer echt bemüht, haben auch eine super Nachwuchsarbeit, aber seit ihrem Titelgewinn 2004 fehlt ihnen die Wucht, um mit den ganz Großen mithalten zu können.

"Das größte Problem für Dortmund ist häufig Dortmund selbst"

Sky Sport: Die möglichen Gegner für Borussia Dortmund sind ja die gleichen wie bei Bayern bis auf Atletico Madrid. Die waren im Hinspiel in München chancenlos und sie haben nur mit Mühe und Not die Gruppenphase überstanden. In der spanischen Liga läuft es deutlich besser. Haben sie vielleicht in dieser Saison andere Prioritäten gesetzt, oder kann Atletico in der K.o.-Runde der Champions League wieder ein ganz unangenehmer Gegner werden?

Dittmann: Ja, ich habe das Gefühl, dass Simeone jetzt wieder wirklich zu Simeone wird. Atletico hat sich schwer getan, das Achtelfinale zu erreichen, aber sie sind halt dabei. Und jetzt kommt die Spezialdisziplin von Simeone: Für zwei Spiele kann er seine Mannschaft immer heiß machen. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie im Frühjahr Liverpool, den damaligen Titelverteidiger, ausgeschaltet haben. Simeone scheint auch den Spagat hinzubekommen, in der Liga präsent und konstant zu sein und in der Champions League in dem Augenblick da zu sein, wenn man da sein muss.

Sky Sport: Atletico hat mit Morata wieder einmal den Spieler, der die meisten Tore erzielt hat, abgegeben. Wir schon früher Griezmann, Diego Costa, Falcao oder Torres, Wie schafft es Simeon, dass es trotzdem auch im Angriff Jahr für Jahr funktioniert?

Dittmann: Seit Simeone in Madrid Trainer ist, wusstest du immer, womit du es gegen Atletico zu tun bekommst. Du musst immer gleich doppelte Schienbeinschoner anziehen, weil es gegen sie einfach wehtut. Als sie dann Joao Felix geholt haben, habe ich mich wirklich gewundert. Was will ein hochbegabter, kleiner, leichtfüßiger Portugiese in dieser, ich sag mal "Mannschaft der Möbelpacker und Klavierträger"? Er hat zuerst ewig lange nicht gespielt, aber jetzt setzt Simeone auf ihn - und plötzlich kriegen sie eine ganz andere Qualität im Sturm. Jetzt brauchst du als gegnerischer Trainer eine zweite Ebene, wenn du das Spiel gegen Atletico vorbereitest.

Sky Sport: Der FC Sevilla hat mit Ivan Raktic und Luuk de Jong zwei ehemalige Bundesligastars im Kader. Wie wichtig sind die beiden und wie ist die Mannschaft einzuschätzen?

Dittmann: De Jong war in Gladbach ein großes Missverständnis. Er hat überall super funktioniert, nur nicht dort. Warum das so war, weiß ich nicht. Sevilla ist eine Mannschaft, die wirkt ein bisschen, das soll nicht despektierlich klingen, wie aus der Not heraus zusammengeklaubt. Aber sie bekommen diese Spieler dann auch so hin, dass sie bei ihnen funktionieren. Bei Sevilla steckt in der Vereins-DNA, dass sie internationale Spiele, egal auf welcher Ebene, immer ernst nehmen. Die sind nicht umsonst Rekord-Titelträger in der Europa League. Sie haben wirklich eine Qualität, wenn es darum geht K.o.-Spiele zu gewinnen.

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Sky Sport: Welcher Gegner wäre für Dortmund der schwierigste?

Dittmann: Das größte Problem für Borussia Dortmund ist für mich häufig Borussia Dortmund selbst. Aber wer könnte zum BVB passen? Eine Mannschaft, die nicht so brutal nach vorne spielt und mutig ist. Atalanta ist so eine Mannschaft. Das klingt erst mal etwas merkwürdig. Wir dürfen aber nie vergessen, dass Bergamo ganz unglücklich im letzten Viertelfinale gegen Paris ausgeschieden ist. Wer weiß, was sonst mit denen passiert wäre? Bei Atalanta stecken viel Mut und Offensive drin. Die halte ich für Dortmund tatsächlich am schwierigsten.

Sky Sport: Und am leichtesten?

Dittmann: Vielleicht ist es tatsächlich Atletico. Bei denen weißt du, was auf dich zukommt. Trotz Joao Felix ist es eine Mannschaft, die sich Dortmund einigermaßen gut hinstellen kann. Ansonsten bleibe ich bei Porto.

"Für Leipzig und Gladbach wird quasi schon das Halbfinale ausgelost"

Sky Sport: Kommen wir zu Leipzig. RB hat mit Liverpool, ManCity und Liverpool drei englische Mannschaften als mögliche Gegner, dazu Real Madrid und Juventus Turin. Bei Gladbach wäre es Paris statt Real. Geht es noch schlimmer?

Dittmann: Für Leipzig und Mönchengladbach wird am Montag quasi schon das Halbfinale ausgelost. Die Gegner sind Top-Engländer und dazu Juve mit Cristiano Ronaldo oder PSG mit Mbappe und Neymar. Auf wen hätte ich Lust? Nicht unbedingt auf Manchester City, denn dann hast du zwei Trainer, die bis zum Anpfiff taktieren, bis der Arzt kommt. Dafür möchte ich zu gerne Fußball sehen. Was ich ganz cool fände, wäre Liverpool. Unabhängig von Klopp gegen Nagelsmann. Von der offensiven Ausrichtung her wäre es ein absoluter Traum, wenn Leipzig und Liverpool gegeneinander spielen würden. Chelsea ist die Mannschaft, von der ich sagen würde, dass sie vielleicht am besten zu Leipzig passt. Außerdem wäre die Rückkehr von Timo Werner nach Leipzig natürlich sehr interessant.

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Sky Sport: Die meisten Sky User wünschen sich Real Madrid als Gegner für Leipzig. Wie ist Real einzuschätzen?

Dittmann: Ich finde, sie sind ganz weit von dem Niveau entfernt, was sie einmal ausgezeichnet hat. Aber was sie tatsächlich noch draufhaben: Du weißt immer, dass da eine Mannschaft ist, die auf den Punkt da ist, wenn es wirklich darauf ankommt. Gerade in der Champions League. Auch wenn sie in der letzten Saison gegen ManCity ausgeschieden sind. Real ist von den Mannschaften im Topf nicht am besten in Form, aber wir reden über eine Mannschaft, die über unglaublich viel Erfahrung in K.o.-Phasen verfügt. Und bis zum Februar ist es auch noch eine Weile.

Sky Sport: Leipzig und Gladbach könnten auch Juventus zugelost bekommen. Cristiano Ronaldo steht immer im Mittelpunkt, was macht noch Juves Stärke aus?

Dittmann: Cristiano Ronaldo ist ja nur das Synonym für das Konzept von Juventus Turin. Das war nie anders, aber sie hatten noch nie einen so guten Stürmer. Juve kommt immer über eine unglaublich kompakte Verteidigung. Ihre Defensive ist herausragend gut und sie sind fast immer weit gekommen. Aber für den ganz großen Wurf braucht es eben einen Cristiano Ronaldo.

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Sky Sport: Die Mehrheit der User wünscht sich Chelsea als Gegner für Gladbach. Gehst du da mit?

Dittmann: Ja, Chelsea wäre ein Wunschgegner für Gladbach, weil der Ausgang für mich offener ist als bei den anderen Gegnern. Chelsea hatte im Sommer einen relativ großen Umbruch und hat mit Werner und Havertz zwei hochtalentierte deutsche Spieler im Kader. Aber Lampard ist mit seiner Mannschaft immer noch in der Findungsphase. Gladbach hat mit Plea, Thuram, Embolo und Stindl eine sehr gute Offensive, bei Chelsea ist die Defensive womöglich nicht der beste Mannschaftsteil. Ich denke, darum würde Chelsea gut passen.

Sky Sport: Es wäre interessant, wenn Gladbach auf Liverpool treffen würde. Die beiden Freunde Marco Rose und Jürgen Klopp, beide mit Mainzer Vergangenheit.

Dittmann: Jürgen Klopp hat einen riesengroßen Anteil daran, dass sich alle freuen, wenn du auf Liverpool triffst. Da kommt viel Sympathie, das ist ehrlicher, herzerfrischender Offensivfußball. Keine Taktiererei, kein Gemauere, keine unschönen Szenen. Liverpool ist eine Mannschaft, die man sich als neutraler Beobachter immer gerne anguckt. Allerdings glaube ich, dass Gladbach gegen Liverpool die geringsten Chancen hätte.

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Die Gladbacher Spieler schauen auf dem Handy die Schlussphase von Inter Mailand gegen Schachtar Donezk.

Sky Sport: Und was wäre, wenn Gladbach auf ManCity und Pep Guardiola träfe?

Dittmann: Sollten die Gladbacher Manchester City kriegen, dann stelle ich mir vor, was bei Rose und seinem Trainerteam in der Kabine los ist. Dann zerbrechen die sich den Kopf, was Guardiola jetzt wieder vorhat. Das wäre bis zum Anstoß wie Schach zwischen den Trainern.

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