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Das Enigma Salihamidzic beim FC Bayern

Sportdirektor mit Licht und Schatten

Robert Gherda

17.07.2019 | 22:31 Uhr

Hasan Salihamidzic ist seit Juli 2017 Sportdirektor des FC Bayern.
Image: Hasan Salihamidzic ist seit Juli 2017 Sportdirektor des FC Bayern. © DPA pa

​​​​​​​Die Transferbemühungen des FC Bayern stocken. Über viele Namen wird beim deutschen Rekordmeister spekuliert, doch Vollzug melden können die Münchner nicht. Welche Rolle spielt dabei Sportdirektor Hasan Salihamidzic?

Es ist nicht einfach, sich bei Bayern München zu behaupten. Das wusste bereits Otto Rehhagel, der einst den legendären Satz "Wer einen Vertrag beim FC Bayern unterschreibt, muss wissen, was er getan hat" von sich gab. Doch nicht nur Trainer haben es in München schwer, wie Niko Kovac erst in der vergangenen Saison miterleben musste, sondern auch Spieler, die sich täglich mit hochkarätiger Konkurrenz messen müssen.

Der Satz gilt aber natürlich auch für Manager wie Hasan Salihamidzic. Als die Bayern den Ex-Spieler im Juli 2017 vorstellten, wurde "Brazzo" größtenteils belächelt und teilweise sogar als "Praktikant" verunglimpft.

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Hoeneß und Rummenigge loben Salihamidzic

In der Führungsriege der Münchner gab und gibt es mit Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge schließlich bereits zwei Alphatiere. Viele Außenstehende bezweifelten, ob das Wort eines Salihamidzic bei diesen Schwergewichten Gewicht haben kann.

Diese Vorurteile wurden verstärkt, als der Kicker meldete, dass der Bosnier einen Spieler nicht kannte, mit dem sich die Bayern beschäftigten und diesen erst via Youtube "scouten" musste. Die Rede war von Thomas Lemar, der wenig später für 70 Millionen Euro von der AS Monaco zu Atletico Madrid wechselte.

Doch Hoeneß und Rummenigge wurden nicht müde, den Fleiß, die Belastbarkeit und das Engagement Salihamidzics zu loben. Und der Sportdirektor belohnte das Vertrauen mit beachtlichen Transfers.

Zunächst setzten sich die Münchner gegen zahlreiche hochkarätige Mitbewerber im Kampf um das kanadische Top-Talent Alphonso Davies durch. Der pfeilschnelle Flügelstürmer ist seit Januar beim FC Bayern und zeigte in der Rückrunde vielversprechende Ansätze.

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Transfers sorgen für Aufsehen

Der Großangriff sollte diesen Sommer folgen und wieder lieferte Salihamidzic: Zunächst überzeugte er Weltmeister Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart frühzeitig von einem Engagement an der Isar und wenig später pulverisierte er den Bundesliga-Transferrekord mit dem Einkauf von Lucas Hernandez von Atletico Madrid für 80 Millionen Euro.

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Ein Transfer, mit dem die Bayern auch international für Aufsehen sorgten. Zudem schärfte Salihamidzic mit einigen Interviews auch in der Öffentlichkeit sein Profil.

Hoeneß sah sich im 42-Jährigen bestätigt, wie er im Mai im Gespräch mit dem ZDF erklärte: "Ich persönlich bin sehr zufrieden. Ich glaube wir alle haben mit Hasan einen Volltreffer gelandet", lobte der Präsident und hob noch einmal hervor, wie gut Salihamidzic den Umbruch moderiert.

Hudson-Odoi darf nicht nach München

Teil dieses Umbruchs sollte auch Callum Hudson-Odoi sein. Mit Chelseas Top-Talent war sich Salihamidzic laut Sky Infos ebenfalls einig, aber die Blues schoben dem öffentlichen Werben einen Riegel vor und ließen den Youngster nicht gehen.

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Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic äußert sich zu den Transfergerüchten um Callum Hudson-Odoi. (Video: 00:12)

Chelseas damaliger Trainer Maurizio Sarri schimpfte auf einer Pressekonferenz im Januar in Richtung München: "Ich finde, es ist nicht professionell, so über einen Spieler zu sprechen, der bei Chelsea unter Vertrag steht. Sie haben unseren Klub nicht respektiert."

Der junge Engländer war eine Art Wendepunkt bei den Transferbemühungen des FC Bayern. Zwar wurde der Hernandez-Deal danach noch perfekt gemacht, aber weitere Erfolgserlebnisse blieben aus.

Mit dem FC Schalke sah sich im Juni beispielsweise ein zweiter Verein genötigt, einzuschreiten, als wochenlang über ein kolportiertes Interesse der Münchner an Torhüter Alexander Nübel berichtet wurde.

FC Bayern zu spät dran?

Mit Rodrigo wechselt zudem ein weiterer Wunschspieler lieber zu Manchester City. Der defensive Mittelfeldspieler war aber keinesfalls das einzige Transferziel des FC Bayern. Im Gegenteil: Mit Leroy Sane wurde endlich der erklärte Wunschspieler für die Planstelle auf den offensiven Flügeln gefunden. Der Nationalspieler lässt ein Bekenntnis zum FC Bayern aber weiter vermissen - und genau das könnte für Salihamidzic und den Rekordmeister zum Problem werden.

"Gefühlt hält Sane den FC Bayern hin", erklärt Sky Reporter Marc Behrenbeck: "Andere Transfers hängen auch am Sane-Deal. Sie bekommen ein schlechtes Gefühl. 'Bin ich nur zweite, dritte, vierte Wahl?" Zudem seien die Münchner allgemein "spät dran. Vor allem bei großen Deals, die normalerweise viel früher klar gemacht werden, weil es ein langes Werben ist."

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Manchester City oder der FC Bayern? Sky Reporter Marc Behrenbeck spricht über den aktuellen Stand bei Leroy Sane (Videolänge: 3:22 Min.).

Wer kommt noch?

Zwischenzeitlich rückte auch Barcelona Ousmane Dembele in den Fokus der Münchner, aber eine Person aus dessen Berater-Team wählt klare Worte gegenüber Sky: "Die Chancen sind gleich null, dass Ousmane nächste Saison bei den Bayern spielen wird. Er ist und bleibt beim FC Barcelona." Die Suche geht also weiter und Salihamidzic, der nicht mit den Bayern in die USA geflogen ist, ist nun auf jeden Fall gefordert, wenn er sich beim FC Bayern behaupten will.

Der erste Schritt könnte die Verpflichtung des spanischen U21-Nationalspielers Marc Roca von Espanyol Barcelona sein. Laut der Marca sollen sich die Münchner mit dem Spieler einig sein. Kostenpunkt: 40 Millionen Euro.

Es wäre ein Erfolg für "Brazzo", denn seine Kritiker, die er zwischenzeitlich mit einigen beachtlichen Transfers verstummen lassen konnte, wurden zuletzt wieder lauter. Aber das es für ihn nicht einfach werden würde, wusste der Bosnier sicher schon vor Dienstantritt. Schließlich kennt auch Salihamidzic wohl den bekannten Spruch von Otto Rehhagel...

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