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DFB-Pokal: BVB scheitert an Bremen - Abhängigkeit von Erling Haaland wird deutlich

"BVB braucht Haaland!" Pokal-Aus gegen Werder deckt Schwächen auf

Udo Hutflötz

05.02.2020 | 18:29 Uhr

3:15
DFB-Pokal, Achtelfinale: In der Liga die Mannschaft der Stunde, im Pokal aus allen Träumen gerissen: Borussia Dortmund hat sich bei Werder Bremen einen völlig unerwarteten Ausrutscher geleistet.

2:3 im Pokal-Achtelfinale: Borussia Dortmund scheitert wie bereits in der vergangenen Saison erneut an Werder Bremen. Bei der Pleite im hohen Norden wird besonders eines deutlich: die Abhängigkeit des BVB von Angreifer Erling Haaland.

Es läuft die 67. Spielminute im Bremer Weserstadion. Dortmund liegt bei Werder mit 0:2 zurück und droht wie bereits in der vergangenen Saison gegen den Nordklub auszuscheiden. Es folgt der Auftritt von Erling Haaland, der eine Hereingabe von Julian Brandt aus kurzer Distanz über die Linie drückt und so für den BVB verkürzt. Am Ende eines turbulenten Abends bleibt das Tor aber ohne Wert. Die Borussia scheitert an Bremen (2:3) und verabschiedet sich aus der diesjährigen Pokal-Saison.

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Dennoch lieferte die Niederlage aufschlussreiche Erkenntnisse, die der BVB in den nächsten Wochen berücksichtigen wird und muss. Dass die Abwehr ohne Stammkeeper Roman Bürki, Routinier Lukasz Piszczek und Dauerläufer Raphael Guerreiro einige Schwächen offenbarte und der zweite defensive Anzug somit nicht sitzt, war nur eine davon. Das Offensichtlichste zeigte sich an vorderster Front: Der BVB ist bereits nach wenigen Wochen abhängig von Neuzugang Erling Haaland, der in Bremen erst zur Halbzeit für Thorgan Hazard eingewechselt wurde.

Haaland beeinflusst Statik des BVB-Spiels

Dies wird bei einem Zahlenvergleich der beiden Hälften besonders deutlich. Während der BVB in Halbzeit eins lediglich sechs Torschüsse abgab, erhöhte sich dieser Wert in den zweiten 45 Minuten auf 14.

Auch die Statik des Dortmunder Spiels veränderte sich merklich. In Halbzeit eins agierte mit Marco Reus kein klassischer Mittelstürmer in der vordersten Reihe. Deshalb versuchte der BVB es hauptsächlich mit flachen Zuspielen und nur mit wenigen Flanken aus dem Spiel heraus (7). Mit dem großgewachsenen und wuchtigen Haaland agierten die Schwarz-Gelben deutlich flexibler und bereicherten ihr Kombinationsspiel mit zahlreichen Hereingaben von außen (17) - wie auch beim Anschlusstreffer zum 1:2.

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Auch die Zweikampfquote konnte nach dem Seitenwechsel deutlich erhöht werden - von 51,1 Prozent auf 68,9 Prozent. Zudem wurden im zweiten Durchgang auch deutlich mehr Zweikämpfe geführt (31) - im Vergleich zu 23 in der ersten Halbzeit.

Haaland deutlich aktiver als Hazard

Dazu trug vor allem auch Angreifer Haaland bei. Der Norweger absolvierte in seinen 45 Minuten Einsatzzeit insgesamt acht Zweikämpfe und gewann starke 60 Prozent davon. Thorgan Hazard hingegen, der für Haaland in der Kabine blieb, brachte es in der ersten Hälfte auf gerade einmal 12,5 Prozent gewonnener Zweikämpfe.

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Doch nicht nur im kämpferischen Bereich trug Haaland zu einer besseren zweiten Halbzeit bei. Auch bei den Offensivaktionen war der 19-Jährige mit einem Tor, drei Torschüssen und zwei Torschussvorlagen deutlich aktiver als Hazard, der in den gleichen Statistikbereichen jeweils eine Nullnummer aufwies. Zudem war Haaland ballsicherer als der Belgier: 100 Prozent Passquote im Vergleich zu 91,7 Prozent und nur zwei Ballverluste im Vergleich zu neun.

"Ganze Mannschaft hat nach so einem Spieler gelechzt"

"Es wurde mit ihm (Haaland, Anm. d. Red.) besser, weil wir ohne ihn keine Tiefe im Spiel hatten. In der zweiten Halbzeit waren wir zielstrebiger, haben uns sechs, sieben Chancen herausgespielt", stellt Mats Hummels den Stellenwert des Norwegers heraus.

"Die ganze Mannschaft hat nach so einem Spieler gelechzt und es hat wunderbar funktioniert mit ihm. In der ersten Hälfte - ohne den Norweger - konnte der BVB gar nicht diesen Druck nach vorne entwickeln, den die Mannschaft mit Haaland vorne drin hat", bestätigt Sky Reporter Jesco von Eichmann die Eindrücke von Hummels.

3:03
Sky Reporter Jesco von Eichmann analysiert die Pokal-Pleite von Borussia Dortmund und spricht über Favres Rotation, Erling Haaland und Favres 'erste Elf' (Videolänge: 3:03 Min.).

Und weiter: "Es ist schon beeindruckend, was für eine Präsenz der Youngster zeigt, was er für eine Motivation hat, wie er die Mannschaft mitreißt und die Jungs im Gegenpressing anschiebt. Es wird klar: Dortmund braucht Haaland!"

BVB lässt zu viele Möglichkeiten liegen

Letztlich reichte es am Ende trotz Haaland nicht für ein Weiterkommen. Dies lag vor allem an der schwachen Chancenverwertung. "Wir haben zu wenige Chancen genutzt. Werder dagegen hat eine Chance in der zweiten Halbzeit gereicht", analysiert Hummels.

Auch BVB-Coach Favre schlug in seiner Nachbetrachtung in die gleiche Kerbe. "Am Ende hatten wir drei, vier große Torchancen und hätten unser Ziel noch erreichen können."

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DFB-Pokal: Trainer Lucien Favre von Borussia Dortmund spricht nach dem Pokal-Aus in Bremen am Sky Mikro (Videolänge: 1:49 Min.).

Reus lässt Top-Chancen liegen

Stellvertretend für die verpassten Chancen stand einmal mehr Kapitän Marco Reus. Der Angreifer hatte in der 87. Minute die wohl beste BVB-Chance zum 3:3, scheiterte nach einer starken Vorarbeit von Giovanni Reyna aber mit einem schwachen Abschluss freistehend an Bremen-Keeper Jiri Pavlenka.

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Damit setzte sich das Problem des deutschen Nationalspielers auch in Bremen fort. Denn in dieser Saison vergab Reus bereits 16 von 26 Großchancen - negativer Höchstwert beim BVB. Auch in der vergangenen Saison war der 30-Jährige für diesen verantwortlich, als er 19 von 34 Großchancen nicht im Tor unterbrachte.

Nächste Aufgabe: Topspiel gegen Leverkusen

Nach den zuletzt teilweise berauschenden Wochen hat die Niederlage bei Werder also einige individuelle sowie mannschaftstaktische Schwächen beim BVB aufgedeckt, die im Kampf um die Meisterschaft sowie in der Champions League abgestellt werden müssen.

1:31
Kurz vor Schluss des DFB-Pokal-Achtelfinals zwischen Werder und dem BVB geraten Niklas Moisander und Giovanni Reyna aneinander. Sky Reporter Sven Töllner klärt die strittige Szene auf. (Videolänge: 1:31 Min.)

Ein Aspekt kristallisierte sich dabei besonders heraus: die Borussia braucht für erfolgreichen und guten Fußball Haaland auf dem Platz - und nicht auf der Bank. Dies wurde beim Pokal-Aus in Bremen einmal mehr deutlich. Am Samstag im Topspiel gegen Bayer Leverkusen (ab 17:30 Uhr LIVE und EXKLUSIV auf Sky Sport Bundesliga 1) dürfte Coach Favre diesen Punkt sicherlich berücksichtigen und Haaland wieder von Beginn an bringen ...

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