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DFB-Team: Ex-Sportdirektor Robin Dutt über den DFB, Oliver Bierhoff & Hansi Flick

Dutt rechnet mit DFB ab: ''Habe jetzt fast zehn Jahre geschwiegen ...''

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Der ehemalige DFB-Sportdirektor Robin Dutt über Japan, den DFB und Oliver Bierhoff.

Ex-DFB-Sportdirektor Robin Dutt spricht im exklusiven Sky Interview unter anderem über das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Katar und den Bundestrainer Hansi Flick. Zudem rechnet der 57-Jährige mit dem DFB ab.

Robin Dutt exklusiv bei Sky…

… über das Ausscheiden der Nationalmannschaft:

"Als ich 2012 Sportdirektor war, habe ich die Situation bereits analysiert und eine Prognose aufgestellt. Diese wurde in einer sehr langen Pressekonferenz auch der Öffentlichkeit präsentiert. Das war zu einem Zeitpunkt, als wir noch sehr, sehr stark waren. Ich habe damals schon auf zwei Dinge vorausgeschaut. Zum einen, dass die Nationen von der Leistungsdichte enger zusammenrücken. Das bedeutet, dass man nicht mehr automatisch Halbfinal-Plätze erreicht. Und zum anderen haben wir damals schon auf eine Problematik in der Defensive hingewiesen. Zu diesem Zeitpunkt waren es vor allem die Außenverteidiger und die Ausbildung klassischer Stürmer. Das ist jetzt zehn Jahre her. Ich weiß, dass in der Zwischenzeit Dinge auf den Weg gebracht wurden, aber es ist auch klar, dass es dann vier bis fünf Jahre dauert, bis du die Früchte erntest. Jetzt hat sich leider bestätigt, dass du immer wieder ausscheidest."

Fußball WM 2022

  • Datum: 21. November – 18. Dezember
  • Ort: Katar
  • Eröffnungsspiel: Katar - Ecuador (Gruppe A) am 21. November
  • Finale: 18. Dezember
  • Spielplan: 64 Spiele in 8 WM-Gruppen und der K.-o.-Phase
  • Spielmodus: Rundenturnier (8 Gruppen à 4 Teams), K.-o.-System (ab Achtelfinale)
  • Teilnehmer: 32 Länder, Deutschland spielt in der Gruppe E
  • Ticketpreise: 60 - 1.417,- Euro

… darüber, ob das Problem beim Nationaltrainer Hansi Flick liegt:

"Die Vorgehensweise war damals schon klar - es geht nur Hand in Hand. DFB und die Klubs gemeinsam, denn wir können nicht zwei Konzepte fahren, wie Talente in den Nachwuchsleistungszentren ausgebildet werden. Die Trainer der U-Mannschaften müssen Hand in Hand mit den Trainern der U-Mannschaften in den Nachwuchsleistungszentren arbeiten. (…) Ich kann nur eines sagen - wir haben schon bei der letzten WM versucht, etwas zu konstruieren und den Trainer dann als das Problem hinzustellen. Mit Jogi Löw haben wir dadurch einen hervorragenden Trainer in der Kritik versucht zu beschädigen und jetzt versuchen wir das Gleiche mit einem Hansi Flick, der so viele Titel mit dem FC Bayern München in kürzester Zeit gewonnen hat und ein hervorragender Trainer ist. Wir versuchen, dieses Pflaster mit einem neuen Trainer auszuwechseln - ich hoffe sehr, dass wir das nicht machen, denn die Wunde darunter eitert und blutet weiter. Der Trainer ist ganz sicher nicht das Problem, denn dann suchen wir auch in 16 Jahren noch nach einem Weltmeistertitel."

… darüber, dass er viel zu lang über die Baustellen des DFB geschwiegen habe:

"Oliver Bierhoff war damals komplett meiner Meinung. Er war zu dieser Zeit eigentlich nur für die Nationalmannschaft zuständig und er hat damals schon mit dem Bau der Akademie für die Struktur beim DFB gekämpft. Das war ein riesen Kampf, den DFB davon zu überzeugen, dass wir uns auch von der Infrastruktur neu aufstellen müssen. Ich habe nun fast zehn Jahre geschwiegen und habe alles ertragen, was man mir vorgeworfen hat, warum ich nach nur einem Jahr den DFB wieder verlassen habe. Aber es waren sicherlich nicht Leute wie Olli schuld, die voll mitgezogen haben, sondern viel eher dieser Apparat DFB, der viel zu langsam gemahlen wird, dass ich meine Zeit als Jünger schließlich verschwendet gesehen habe. Oliver war immer ein Kämpfer - er wollte die Akademie und ich wollte ihn dazu aufbauen."

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Der ehemalige DFB-Sportdirektor Robin Dutt über den DFB und Oliver Bierhoff.

… darüber, dass sich beim DFB schnellstmöglich etwas verändern muss:

"Das ist das erste Mal, dass ich mich dazu äußere. Ich denke, jetzt ist vielleicht auch der Zeitpunkt, bei dem ich mit meiner Meinung einen ganz kleinen Anfang beitragen kann, dass es inhaltlich schneller gehen muss. Damals ging gar nichts voran. Ich habe zu diesem Zeitpunkt für mich entschieden, dass ich noch nicht bereit dafür bin, mich am Schreibtisch zu verstecken - vor allem, wenn sich nichts bewegt. Ich habe die Kritik, mich so schnell wieder zurückzuziehen, über mich ergehen lassen. Ich habe jetzt zehn Jahre lang nichts gesagt, aber mit der Möglichkeit, jetzt etwas Öl ins Feuer zu gießen, kann ich möglicherweise dazu beitragen, dass es dieses Mal schneller geht. Und, dass es vor allem nicht um den Trainer und den Sport geht, denn die sind gewillt, schnell etwas anzutreiben. Der DFB als gesamter Apparat muss sich bewegen. Mit Joti Chatzialexiou ist ein Mann dabei, der schon damals mitgekämpft hat und ihn muss man jetzt mit aller Macht unterstützen."

… über die Personen, die den DFB in seiner weiteren Entfaltung sowie seinem Ausbau bremsen:

"Ich nenne keine Namen, aber das sind Personen, die nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden - das ist ein Riesenapparat. Ich bin inzwischen auch zu weit weg - ich weiß nicht, wie die Verantwortung jetzt weitergegeben wurde, aber damals liefen die Mühlen zu langsam. Ich weiß nur, dass Joti - damals noch in anderer Position - aber auch Oliver Bierhoff, Funktionäre waren, die schon vor vielen Jahren in die Zukunft geblickt haben. Die über den Tellerrand geschaut haben, auch außerhalb von Deutschland. Die Visionen hatten. Aber ja, es dauert beim DFB, denn auch die Klubs haben ein viel höheres Tempo in ihren Nachwuchszentren - sie investieren viel mehr als die Hauptverantwortlichen. Wir wollten das Tempo vorgeben - Olli hat es durchgezogen, Respekt dafür. Ich jedoch wollte nicht zehn Jahre meines Lebens dafür verschwenden, um auf sportpolitischer Ebenen nur die Grundlagen zu schaffen. Dazu war ich vermutlich auch der falsche Mann."

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Der ehemalige DFB-Sportdirektor Robin Dutt über die Versäumnisse bei der deutschen Nationalmannschaft.

… über die Ausbildungsstrukturen des Fußballs in Deutschland:

"Was die Außendarstellung betrifft, steht es mir nicht zu, etwas zu kommentieren. Die inhaltliche Arbeit kann ich ein Stück weit bewerten. Dass nach so einem Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft nicht jeder gleich wieder Energie und Emotionen versprüht, das ist klar. Wir haben positiv behaftete Spieler, dazu würde ich eigentlich auch noch Nico Schlotterbeck zählen, der auch in diese Rolle hineinwachsen kann, trotz eines Fehlers, den er gemacht hat. Niclas Füllkrug ist doch das beste Beispiel dafür. Ich habe ihn in Bremen erlebt, er hat sich unglaublich gut entwickelt. Aber er ist auch schon 29 Jahre alt, bei der nächsten WM 33. Wenn das jetzt unsere Lösung ist, dann sagt das alles über die Ausbildung der klassischen Strukturen in Deutschland aus. Wir müssen froh sein, dass wir Niclas jetzt haben und dass er uns in dieser Phase hilft, aber das sagt eigentlich alles über den deutschen Fußball."

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