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FC Bayern News: FCB-Fanclubs über Flick und Salihamidzic

Fanclubs zu Flick vs. Brazzo: Eines FC Bayern nicht würdig

Sky Sport

17.04.2021 | 19:09 Uhr

Der Konflikt zwischen Hansi Flick und Hasan Salihamidzic kommt bei den Bayern-Fans nicht gut an.
Image: Der Konflikt zwischen Hansi Flick und Hasan Salihamidzic kommt bei den Bayern-Fans nicht gut an. © Imago

Der offen ausgetragene Konflikt zwischen Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic hat in den vergangenen Wochen das sportliche Geschehen überschattet. Was sagen die Fans dazu? Könnte es im Titelkampf noch einmal eng werden? Skysport.de hat mit Vertretern zweier Fanclubs gesprochen.

Michael Babl ist Vorstandsmitglied beim FC Bayern München Fanclub Nabburg/Oberpfalz, mit fast 6000 Mitgliedern einer der größten FCB-Fanclubs weltweit. Markus Mayer ist 1. Vorstand beim etwa 2200 Mitglieder zählenden FC Bayern Fanclub "de rodn Waginga" aus Waging am See.

Skysport.de: Wie beurteilen Sie die Situation um Hansi Flick und Hasan Salihamidzic und wie schwer fällt es Ihnen, das Ganze quasi "hilflos" mit anzusehen? Sind Sie genervt oder gar wütend?

Michael Babl: Ich bin nicht wütend, aber von dem Thema genervt. Ich finde es nicht nachvollziehbar, warum die Sache in der Öffentlichkeit ausgetragen wird. So etwas war man von früher gewohnt, gab es aber zuletzt nicht mehr. Und es nervt, dass von den Verantwortlichen keine klaren Aussagen kommen.

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skysport.de: Wie ist Ihre Meinung, dass einer der erfolgreichsten Trainer der Vereinsgeschichte nach nur 18 Monaten über einen Abschied nachdenkt. Wie konnte es aus Fan-Sicht so weit kommen?

Markus Mayer: Mich wundert das auch sehr stark. Am Anfang dachte ich, dass das Thema von den Medien hochgepusht wird. Und jeder weiß aus der eigenen Arbeit, dass es mal Konflikte oder Unstimmigkeiten gibt. Aber das es bei Flick und Salihamidzic so schlimm wird und nicht mehr nachlässt, hat mich sehr überrascht und erschrocken. Vor allem, weil man das vom FC Bayern gar nicht gewohnt ist.

Skysport.de: Didi Hamann hat gesagt, die Situation erinnert ihn an die Zeiten des FC Hollywood. Ist die heutige Situation vergleichbar?

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Babl: Ich glaube nicht, dass es in die extremen Zeiten zurückgehen wird, aber in den vergangenen Jahren war man quasi "verwöhnt", dass es so etwas nicht gab. Es gab immer ganz klare Linien, die nicht überschritten wurden. So eine Außendarstellung wie jetzt ist - auch wenn man die Erfolge der vergangenen Jahre bedenkt, des Klubs nicht würdig.

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FC Bayern: Wie geht es weiter mit Trainer Hansi Flick? Vor dem Bundesliga-Match gegen den VfL Wolfsburg spricht Flick über seine Zukunft und über sein Treffen mit Oliver Kahn (Videolänge: 1:08 Min.).

Skysport.de: Dass die Protagonisten einen Zwist über die Öffentlichkeit austragen, kannte man in dieser Dimension noch nicht. Warum ist das so gelaufen?

Babl: Das ist vielleicht auch der Situation geschuldet, dass bestimmte Wechsel in Führungspositionen anstehen. Viele wollen, dass Oliver Kahn ein Statement abgibt. Ich denke, das ist aber aktuell ganz schwierig, weil Karl-Heinz Rummenigge noch der Chef ist. Und Rummenigge sagt nicht viel, weil er weiß, dass er in ein paar Monaten raus ist aus der Nummer. Was Kahn auch sagen würde, er könnte nur verlieren und würde mit etwas Negativem starten.

Skysport.de: Nach dem "Sextuple" der vergangenen Saison ist der FC Bayern nun aus der Champions League ausgeschieden, auch im DFB-Pokal nicht mehr dabei. Wie bewerten Sie die Saison aus sportlicher Sicht?

Mayer: Trotzdem gut. Nach so einem erfolgreichen Jahr wie dem letzten ist der Hunger immer noch da. Aber man kann nicht davon ausgehen, dass es wieder genauso laufen wird. Wenn wir die Meisterschaft holen, wird es auch ein super Jahr.

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Ex-Bayern-Trainer Niko Kovac stärkt Hansi Flick den Rücken und erzählt, dass er als Bayern Coach kaum Mitspracherecht bei der Kaderplanung hatte. Das war aber nicht bei allen Trainern so, verrät Sky Reporter Marc Behrenbeck (Videolänge: 2:03 Min.).

skysport.de: Befürchten Sie nun einen Einbruch in der Meisterschaft?

Mayer: Nein, glaube ich nicht. Einfach, weil der Hunger immer noch da ist. Sie wollen die Saison noch retten und den Titel, der noch möglich ist, einfahren. Wenn uns das Verletzungspech nicht mehr so beutelt, sollte das auch funktionieren. Da habe ich eher weniger Angst. Außer wir bekommen durch Coronafälle noch einige Ausfälle, da weiß man einfach nicht, wie es laufen wird. Dieses Jahr ist wie eine Wunderkiste.

Babl: Ich habe schon vor dem Sieg in Leipzig gesagt, dass es noch eng wird im Meisterschaftskampf, weil der Kader in der Breite bei Weitem nicht die Qualität hat wie letztes Jahr. Ich glaube, dass die Mannschaft sich bewusst ist, jetzt noch einmal gefordert zu sein. Das Team, der Trainer und sein Staff wollen zeigen, dass es im Team und um die Mannschaft herum stimmt.

Skysport.de: Hansi Flick wirkte nach dem Spiel sehr emotional, er schüttete quasi sein Herz aus. Für viele war es seine Abschiedsrede. Für Sie auch?

Babl: Ich habe sie nicht als Abschiedsrede aufgefasst. Flicks Rede war sehr emotional, weil er in den vergangenen Wochen viel Druck verspürt und immer wieder die gleichen Fragen gestellt bekommen hat. Ich denke, er wollte sein Herz ein bisschen öffnen und zeigen, dass er enttäuscht darüber ist, nicht mehr Mitspracherecht zu haben. Er wollte meiner Meinung nach sagen: "Hey Leute, es ist nicht ganz fair, wie ihr mit der Situation umgeht, die ich dann unter dem Strich zu verantworten habe.

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Skysport.de: Hat es Sie überrascht, dass Flick selbst erstmals über den Bundestrainer-Job geredet hat?

Mayer: Nein, das hat mich nicht überrascht. Er war ja schon einmal beim DFB beschäftigt und vielleicht hat er schon damals damit geliebäugelt, den Posten irgendwann zu übernehmen. Die Querelen zwischen Flick und Salihamidzic halten ja schon länger an und dann macht man sich Gedanken: Was wäre, wenn? Und dann werden die Gedanken vielleicht konkreter.

Skysport.de: Würden Sie sich wünschen, dass möglichst schnell, also noch vor Saisonende, eine endgültige Entscheidung über Flicks Zukunft verkündet wird?

Babl: Eine schwierige Frage. Ich sehe das aus einem etwas anderen Blickwinkel, weil ich seit mehr als 20 Jahren als Trainer im Amateurfußball tätig bin. Mir wäre wichtig, dass es vor Saisonende noch eine klare Aussage gibt. Jeder Tag, an dem wir diese Debatte vom Tisch haben, ist ein Tag, an dem die Mannschaft, der Trainer und der Verein ruhiger arbeiten können, gerade im Endspurt um die Meisterschaft. Für mich als Fan ist es weniger wichtig.

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Nach dem CL-Aus gegen Paris Saint-Germain äußert sich Bayern-Trainer Hansi Flick im emotionalen Interview mit Sky (Videolänge: 10:49 Min.).

Skysport,de: In unserer Umfrage haben auf die Frage, ob Flick oder Salihamidzic wichtiger für den Verein sind, 96 Prozent pro Flick gewählt. Wer ist für Sie wichtiger?

Mayer: Ich denke, Flick ist wichtiger, weil er eine Galionsfigur ist mit dem, was er erreicht hat. Zudem steht Salihamidzic mit seiner Transferpolitik in der Kritik. Auch seine Interviews werden manchmal belächelt, weil er sich nicht richtig artikulieren kann. Aber am Ende wird der Vorstand entscheiden, wer wichtiger für den Verein ist.

Babl: Ich bin absolut in der Tendenz, dass Hansi Flick wichtiger ist. Aber bei großen Mannschaften haben die Trainer immer eine begrenzte und kürzere Halbwertzeit als Sportdirektoren oder Sportvorstände. Ob Hasan Salihamidzic die richtige Wahl ist, darüber kann man diskutieren. Die Verpflichtungen der Zugänge vor dieser Saison haben ihm kein gutes Zeugnis ausgestellt.

Skysport.de: Wie beurteilen Sie die Arbeit und das Auftreten von Salihamidzic?

Babl: Als Spieler hatte er immer eine lockere und offene Art den Fans gegenüber, aber in seiner aktuellen Position ist er in ernsteren Situationen gefordert. Ich schätze ihn als Menschen immer noch sehr, bin mir aber nicht sicher, ob er als Person diesen Posten zu 100 Prozent ausfüllt oder ausfüllen kann. Was die Außendarstellung angeht, hat er sich in einigen Interviews unglücklich ausgedrückt. Ich weiß nicht, ob man ihm Unrecht tut, aber ich glaube, dass er in der Welt der Fußball-Manager nicht das nötige Standing hat.

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Bayern Münchens Trainer Hansi Flick über die Zusammenarbeit mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic. (Videolänge: 1:13 Minuten)

Skysport.de: Das Stadion ist für Fans ja nicht nur ein Ort, um Stimmung zu machen, sondern auch um Meinungen kundzutun. Eine hypothetische Frage: Wäre mit Fans im Stadion diese verzwickte Situation gar nicht erst entstanden?

Mayer: Ich denke nicht. Solche Situationen entstehen im Präsidium oder im Verein selbst, wenn keine Fans anwesend sind. Ich glaube nicht, dass das einen Einfluss gehabt hätte.

Skysport.de: Hätte es womöglich Pfiffen gegen den Einen und Applaus für den Anderen gegeben?

Babl: Ich glaube schon, dass die Fans in Sprechchören, mit Spruchbändern oder wie auch immer Hansi Flick unterstützt hätten. Ich glaube aber nicht, dass es Aktionen gegen Brazzo gegeben hätte. Dafür ist er auch zu beliebt bei den Fans.

Skysport.de: Auch Niko Kovac hat kritisiert, dass man als FCB-Trainer kein Mitspracherecht bei der Kaderplanung hat. Muss sich bei den Bayern etwas Grundlegendes ändern, damit Trainer in München auch wieder länger bleiben als nur 18 Monate?

Mayer: Eventuell. Aber als Fan ist es schwierig, über so etwas zu urteilen, weil man das Tagesgeschäft nicht kennt oder nicht weiß, was sich hinter den Kulissen oder am Trainingsplatz abspielt.

Babl: Man darf keinen Kader um einen Trainer herum zusammenstellen. Da bin ich ganz klar bei der Philosophie des FC Bayern. Aber ich finde, dass der Trainer bis zu einem gewissen Punkt mitsprechen wollte, um erfolgreich arbeiten zu können. Die Grundstruktur ist wichtig, aber der Trainer sollte schon den einen oder anderen Wunsch äußern dürfen. Das scheint momentan nicht der Fall zu sein. Der Eindruck ist, dass man Spieler holt und zum Trainer sagt: "Hier, arbeite damit!"

Skysport.de: Als Pep Guardiola gesagt hat "Thiago oder nix" hat man Thiago geholt und hätte nie gewagt, ihm so gegenüberzutreten wie zuletzt bei Flick.

Babl: Genau über dieses Thema habe ich vor dem Paris-Spiel mit einem guten Freund geredet (lacht). Wenn Guardiola gesagt hätte: "ich brauche jetzt Roland Wohlfarth oder Jürgen Wegmann", dann hätte niemand gesagt, die sind aber fast 60 Jahre alt, sondern man hätte geantwortet: "Dann rufen wir sie halt an." Vielleicht hat man sich nach Peps Zeit im Verein gefragt, ob das der richtige Weg war. Das, was bei Guardiola zu 100 Prozent erfüllt wurde, ist jetzt nicht möglich. Es gibt kein Dazwischen. Aus meiner Sicht ist das der falsche Weg, da sollte vielleicht mehr Kommunikation stattfinden.

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Skysport.de: Lothar Matthäus hat erzählt, dass es zwischen Bayern und Julian Nagelsmann schon Gespräche gegeben haben soll. Nagelsmann selbst hat das dementiert. Wäre er der passende Nachfolger? Oder hätten Sie einen anderen Trainer im Sinn?

Babl: In erster Linie würde ich mich freuen, wenn Hansi Flick bleibt. Falls er die Entscheidung fällt, nicht zu bleiben, würde ich Julian Nagelsmann als Trainer schätzen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es jetzt schon der richtige Zeitpunkt für ihn wäre. Sollte Flick gehen, hätte ich Bedenken, dass der Verein wieder einen Schnellschuss macht wie damals bei Carlo Ancelotti, auch wenn ich dessen Arbeit mochte.

Mayer: Ich mag die Arbeit von Julian Nagelsmann und finde ihn sehr sympathisch. Ich denke auch, dass er eine gute Philosophie hätte. Es wird sich erst rausstellen, ob so ein junger Trainer, der noch viel lernen muss, mit so einer Weltmannschaft klarkommt. Aber warum nicht? Ich würde es probieren. Aber mein Favorit wäre immer noch Jürgen Klopp, aber ob der zu haben ist, ist die andere Frage. Entscheidend ist für mich, dass es ein deutschsprachiger Trainer wird. Wir haben so viele Trainer gehabt, die der deutschen Sprache nicht so mächtig waren und die wie Ancelotti die Mentalität nicht gehabt haben. Letztlich waren es immer die deutschsprachigen Trainer, mit denen wir den meisten Erfolg hatten.

Die Fragen stellten Elisabeth Lastovka und Thorsten Mesch

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