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FC Bayern News: Vertragsverhandlungen mit Nebengeräuschen bei Alaba, Boateng, Neuer

Bayerns Vertragsgespräche: Warum immer so laut?

Sky Sport

21.11.2020 | 16:05 Uhr

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In letzter Zeit sind auffällig oft Zahlen aus Vertragsverhandlungen öffentlich diskutiert. Sky Reporter Torben Hoffmann über das Vorgehen bei Neuer, Alaba & Boateng (Videolänge: 3:38 Min.).

Ist David Alabas Berater ein "geldgieriger Piranha", wie es der ehemalige Bayern-Boss Uli Hoeneß behauptete? Warum gingen Vertragsverhandlungen beim FC Bayern zuletzt so geräuschvoll über die Bühne? Warum gelangen immer wieder Interna nach außen? Was läuft in der Kommunikation schief? Ist das noch die feine (bayerische) Art? Sky Sport geht der Sache auf den Grund.

Der Aufschrei bei Fans und in den sozialen Medien war groß: David Alaba ist also auch nur so ein Millionär, der den Hals nicht vollkriegen kann. So oder so ähnlich lautete der Tenor, nachdem der FC Bayern sein letztes Angebot zur Vertragsverlängerung mit dem Österreicher zurückgezogen hatte.

Alaba hatte bei vielen sein Image weg - und der FC Bayern wurde für seine harte Linie gefeiert.

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In diesem Video geben Fans ihre Meinung zu David Alaba vom FC Bayern ab. (Videolänge: 1:02 Minuten)

"Vertragsgespräche gehen nur Spieler und Verein etwas an"

Auch bei Manuel Neuer hatten sich die Verhandlungen in die Länge gezogen, bevor er im Mai endlich seinem neuen Vertrag zustimmte. Der Unterschrift war ein langer Poker mit einigen unschönen Begleiterscheinungen, die im Vorwurf des Geheimnisverrats gipfelten. "Ständig" seien Details aus den Verhandlungen an die Öffentlichkeit gelangt. "Das kenne ich so nicht beim FC Bayern", hatte Neuer in einem Interview mit der Bild am Sonntag festgestellt.

Neuer springt Alaba zur Seite

Nun hat Neuer er Bayern-Kapitän seinen Ärger von damals in der Sport Bild noch einmal erklärt und ist seinem Teamkollegen Alaba zur Seite gesprungen. Auf die Frage, was er davon halte, dass Spieler heutzutage schnell als Abzocker hingestellt würden, antwortete er: "Das ist immer schnell gesagt und mir zu einfach. Vertragsgespräche dürften normal in der Öffentlichkeit kein Thema sein, das geht nur Spieler und Verein etwas an, das Ganze sollte nicht via Medien diskutiert werden. Das hat mich auch in meinem Fall damals gestört."

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Auch bei Müller lief nicht alles ganz geschmeidig

Nicht nur bei Neuer und Alaba, auch bei Thomas Müller liefen die Verhandlungen seinerzeit nicht ganz so geschmeidig ab, wie sich der Ur-Bayer und sein Berater Ludwig Kögl das wohl vorgestellt hatten.

Aktuell ist es neben Alaba auch Jerome Boateng, dessen Kontrakt sich dem Ende zuneigt. Mit dem Unterschied, dass der Weltmeister von 2014 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen neuen Vertrag mehr bekommen wird.

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Bayerns Thomas Müller analysiert den 6:2-Erfolg gegen Salzburg und spricht über die Zukunft von David Alaba (Videolänge: 3:07 Min).

Hoeneß empfiehlt Wechsel - Boateng kämpft sich zurück

Der ehemalige FCB-Präsident hatte im Mai 2019 in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk erklärt, er würde Boateng "als Freund empfehlen, sich einen neuen Verein zu suchen."

Doch nach dem Trainerwechsel von Niko Kovac auf Hansi Flick blühte Boateng auf, gewann schließlich mit den Bayern in diesem Jahr das Triple. Boateng liebäugelte mit einer Vertragsverlängerung - auch wegen seines sehr guten Verhältnisses zu Trainer Hansi Flick, mit dem er schon beim WM-Triumph erfolgreich zusammengearbeitet hatte.

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Doch dann machten die Bayern plötzlich die Tür zu. Ohne Boateng vorher davon zu informieren, was beim 32-Jährigen entsprechend für Verwunderung sorgte.

Bayern machen Tür zu - Weltmeister weiß von nichts

"Auf mich ist keiner zugekommen, mit mir hat keiner gesprochen, ich wusste nichts davon, ich war überrascht", sagte er in der vergangenen Woche der Süddeutschen Zeitung.

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Wie geht es weiter mit Jerome Boateng beim FC Bayern? Sky Transfer-Experte Marc Behrenbeck gibt bei ''Transfer Update - die Show'' ein Update (Videolänge: 45 Sek.).

"Ich war überrascht und hätte mir gewünscht, dass man sich vorher zusammensetzt", machte der Abwehrspieler im Interview mit SPOX und Goal noch einmal seinen Standpunkt klar. Mittlerweile hat sich der Abwehr-Routinier mit dem anstehenden Abschied abgefunden. "Jetzt beschäftige ich mich damit aber nicht mehr", meinte er.

Flick stärkt Boateng den Rücken

Auch Hansi Flick bleibt nichts anderes übrig, als die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Dass der Bayern-Trainer aber nicht begeistert davon ist, dass immer wieder Sachen nach außen getragen wird, merkt man ihm allerdings an.

"Mir ist wichtig, dass ich eine gute Kommunikation mit den Spielern und dem Verein habe. Das ist der Fall. Auf alles andere, was in der Öffentlichkeit steht und was die Headlines sind, habe ich keinen Einfluss", sagte Flick am Freitag auf Sky Nachfrage.

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Bayern-Trainer Hansi Flick über Schlagzeilen und Jerome Boateng. (Videolänge: 44 Sekunden)

"Einfluss habe ich darauf, wie ein Spieler solche Schlagzeilen aufnimmt und wie offen ich damit umgehe", ergänzte er: "Jerome weiß mit Sicherheit, wie ich das Ganze sehe und wie ich zu den Dingen stehe. Das ist mir wichtig, weil er ein Spieler von uns ist, der herausragende Leistungen gezeigt und zum zweiten Mal das Triple gewonnen hat."

Wunsch nach Wertschätzung und Respekt und Diskretion

Mehr Wertschätzung und Respekt für einen verdienten Spieler und eine bessere Kommunikation wünschen sich Boateng und sein Berater genauso wie Alaba und seine Entourage. Und Gespräche, von denen keine Details publik werden.

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Hasan Salihamidzic äußert sich klar zur Zukunft von David Alaba beim FC Bayern (Videolänge: 5:23 Minuten).

Der Wunsch nach mehr Diskretion ist verständlich. Welcher Mitarbeiter hätte es schließlich gerne, dass seine Wünsche oder Forderungen vom Chef in der Kantine ans schwarze Brett gepinnt werden?

So ist es natürlich im Fall des FC Bayern nicht, aber die in die Welt gesetzten Behauptungen hatten deutlich größeren Widerhall als der Widerspruch der Betroffenen.

Alaba wehrt sich gegen Behauptungen

"Alaba fordert angeblich Mega-Gehalt" lautete eine der Schlagzeilen im Oktober. "Wenn Ihr wüsstet, was Herr Zahavi alleine für die Unterschrift von David im zweistelligen Millionenbereich für sich verlangt", hatte Ex-Präsident Hoeneß bei Sport1 im September gepoltert und damit für ebenso großes mediales Echo gesorgt wie der FC Bayern mit der Zurücknahme des Vertragsangebots für Alaba.

"Wenn man so dargestellt wird, dass es nur ums Geld geht, habe ich natürlich Verständnis für die Fans", meinte der 28-Jährige im Sky Interview, "aber ich kann ihnen versichern, dass es nicht ums Geld geht und dass die Summen, die im Raum standen, nicht der Wahrheit entsprechen."

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(Videolänge: 8:39 Min.).

Wem soll man glauben? Wem darf man glauben? Schließlich lassen sich auch Alabas Beteuerungen nicht beweisen und Berater stecken den Medien ebenso Informationen durch, wie es auch die Klubs machen. "Das gehört doch zum Geschäft dazu", ist ein Satz, den man in diesem Zusammenhang immer häufiger hört. Aber macht das die Sache besser?

Davies' Verlängerung völlig ohne Störgeräusche

Zum Glück gibt es noch Verhandlungen, die völlig ohne Störgeräusche über die Bühne gehen - auch beim FC Bayern. Als Alphonso Davies im April seinen Vertrag in München um zwei Jahre bis 2025 verlängerte, gab es kein Gepokere, alle Seiten waren glücklich. Allerdings war es für Davies der erste große Vertrag.

Bleibt abzuwarten, ob alles genauso harmonisch abläuft, wenn Davies seinen Marktwert weiter steigern kann und dadurch auch seine Forderungen wachsen.

Verhandlungen mit Süle, Goretzka und Kimmich stehen an

Nach den Entscheidungen bei Alaba und Boateng stehen im kommenden Jahr bald die nächsten Verhandlungen an, wenn Leon Goretzka, Niklas Süle (beide bis 2022) und Joshua Kimmich (bis 2023) weiter an den FC Bayern gebunden werden sollen. Dann hoffentlich ohne große Nebengeräusche.

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