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FC Bayern Transfer News: Pro & Contra zur Havertz-Entscheidung

Bayern hakt Havertz vorerst ab: Sinnvolle Entscheidung mit Risiken

Sky Sport

06.07.2020 | 14:56 Uhr

Wie geht es weiter mit Kai Havertz?
Image: Wie geht es weiter mit Kai Havertz? © Imago

Karl-Heinz Rummenigge hat bekannt gegeben, dass sich der FC Bayern in diesem Sommer nicht um Kai Havertz bemühen wird. Eine Entscheidung, die sinnvoll ist, aber auch Risiken birgt.

Kai Havertz von Bayer Leverkusen ist einer der spannendsten Spieler Europas und jeder Topklub hat sich mit dem 21-Jährigen beschäftigt oder tut das auch aktuell noch. Kein Wunder, denn in der Saison 2018/19 erzielte er in der Bundesliga im Alter von 19 Jahren bereits 17 Treffer und legte vier Tore auf.

In der gerade abgelaufenen Spielzeit zeigte er vor allem in der Rückrunde seine Klasse und kam insgesamt noch auf zwölf Tore und sechs Vorlagen. Havertz ist der erste Spieler in der Bundesliga-Geschichte, dem vor seinem 21. Geburtstag 35 Tore gelangen.

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Antonio Rüdiger vom FC Chelsea spricht über seinen Nationalmannschafts-Kollegen Kai Havertz, der unter anderem auch mit dem FC Chelsea in Verbindung gebracht wird (Video-Länge: 35 Sekunden).

Klare Absage von Rummenigge

Wie lange haben die Rheinländer den Youngster noch in ihren Reihen? Nach Sky Informationen möchte Havertz die Werkself im Sommer gerne verlassen, um den nächsten Schritt zu gehen. Mit dem FC Bayern ist ein potenzieller Abnehmer abgesprungen - zumindest für diesen Sommer.

"Ich sage es ganz klar: das wird für uns finanziell in diesem Jahr nicht möglich sein", erklärte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge im Interview mit Sport1.

Für die Bayern ist diese Entscheidung ein zweischneidiges Schwert. Sky Sport wägt die Vor- und Nachteile der Entscheidung gegen eine Havertz-Verpflichtung in diesem Sommer ab.

Argument Pro Bayern-Entscheidung: Kein Platz für Havertz

Am liebsten spielt Havertz auf der Spielmacher-Position hinter einer oder zwei Spitzen. Doch genau dort, hat Thomas Müller mit 21 Assists gerade erst einen neuen Vorlagen-Rekord in der Bundesliga aufgestellt. Und Bayern-Fans werden sich gut daran erinnern, wie das Team agierte, als Müller in der vergangenen Hinrunde mehrere Spiele in Folge nur auf der Bank saß. Dahinter harmonierten Kimmich, Goretzka oder eben Thiago hervorragend auf der Doppel-Sechs. Hinzu kommt, dass Havertz diese Position in Leverkusen ohnehin so gut wie nie bekleidet hat.

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Natürlich werden die Münchner auch in der kommenden Spielzeit viele Partien bestreiten und alle Spieler werden ihre Einsatzminuten bekommen, aber das Frust-Potenzial in der Offensive des Münchner Starensembles wäre mit Sane UND Havertz enorm.

Pro: Handlungsbedarf anderswo größer

Hinzu kommt, dass die Münchner auf anderen Positionen einfach mehr Bedarf haben. Seit Jahren halten die Bayern Ausschau nach einem potenziellen Nachfolger für Javi Martinez, der den Meister möglicherweise diesen Sommer verlässt. Aktuell steht neben dem Spanier mit Kimmich nur ein Hochkaräter im Mittelfeld unter Vertrag, der primär defensiv denkt.

Auch in der Innenverteidigung, wo Jerome Boateng trotz starker Saison weiter ein Verkaufskandidat ist, drückt der Schuh mehr als in der Offensive. Das Interesse an Leipzigs Dayot Upamecano kommt nicht von ungefähr. Allerdings bleibt Upamecano nach Sky Infos bei RB. Und auf der Position des rechten Verteidigers sucht Sportvorstand Hasan Salihamidzic ohnehin noch nach einer Verstärkung und beschäftigt sich nach Sky Informationen mit Sergino Dest von Ajax Amsterdam.

Pro: Bayern geht kein finanzielles Risiko ein

Klar ist: Leverkusen fordert nach Sky Informationen immer noch einen dreistelligen Millionenbetrag, aber eine derartige Summe dürfte in Zeiten von Corona schwer zu generieren sein. Denkbar ist daher eine Basis-Ablöse von 70 Millionen Euro plus Zusatzzahlungen von 30 Millionen.

Für Karl-Heinz Rummenigge ist das zu viel: "Ganz Fußball-Europa und auch der FC Bayern stehen aktuell vor großen finanziellen Herausforderungen, so lange nicht wieder vor Zuschauern gespielt werden kann. Sie kennen ja die Größenordnung, die Rudi Völler bei Bayer Leverkusen im Hinterkopf hat."

Die Bayern handeln aus ökonomischer Sicht sinnvoll und vermeiden somit bei unklarer Planungslage, den Verein in finanziell turbulente Fahrwasser zu bringen.

Pro: Bessere Verhandlungsposition im nächsten Sommer

Havertz' Vertrag in Leverkusen läuft noch bis 2022. Ist der Spieler im Sommer 2021 immer noch bei der Werkself, hätten die Bayern eine wesentlich bessere Verhandlungsposition und müssten mit Sicherheit auch nicht so viel Geld auf den Tisch legen, wie es Bayer aktuell fordert. Schließlich wäre der deutsche Nationalspieler dann im darauffolgenden Sommer ablösefrei zu haben. Das kann und will man sich in Leverkusen nicht leisten. Somit müsste er im kommenden Sommer verkauft werden - zu einem sicherlich niedrigeren Preis.

Argument Contra Bayern-Entscheidung: Havertz' Qualitäten

Es war schon immer das Bestreben des FC Bayern, die besten deutschen Spieler in ihren Reihen zu haben und den Großteil der Nationalmannschaft zu stellen. Aktuell haben die Münchner mit Manuel Neuer, Niklas Süle, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry und Sane sechs Nationalspieler in ihren Reihen - Deutschlands derzeit größtes Talent würde diese namhafte Liste um einen Star erweitern.

Contra: Konkurrenz im nächsten Sommer noch größer

Der Wechselwunsch von Havertz ist durch das Leverkusener Verpassen der Champions League in den letzten Tagen definitiv nicht geringer geworden und Teams wie Real Madrid oder Manchester United können Havertz auch einige Argumente für einen Wechsel nach Spanien oder England bieten. In Madrid würde er auf Toni Kroos treffen, was eine Integration bei den Königlichen leichter machen würde. An Optionen mangelt es dem Kreativmann also nicht.

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Chelsea-Trainer Frank Lampard hat lobenden Worten über Leverkusens Kai Havertz - und informiert über den aktuellen Transferstand (Videolänge: 12 Sek.).

Und es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass es doch einen Spitzenklub gibt, der bereit ist, die von Leverkusen aufgerufene Ablösesumme zu bezahlen und Havertz somit schon in diesem Sommer zu holen. Bei diesem Szenario würden die Münchner in die Röhre gucken.

Contra: Havertz für Thiago?

Sky Experte Lothar Matthäus machte sich unlängst in seinem Sky Podcast "Herz der Mannschaft" dafür stark, dass der Rekordmeister den Leverkusener verpflichten sollte, wenn Thiago dem Verein den Rücken kehrt: "Kai Havertz im zentralen Mittelfeld für Thiago? Das sieht nicht schlecht aus", glaubt der Rekordnationalspieler.

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"Wenn Thiago geht, wird der FC Bayern ganz sicher jemanden finden, der auf den Positionen, die Thiago spielen kann, auch ein gleichwertiger oder vielleicht sogar besserer Ersatz ist. Wenn man mit Havertz in den nächsten Jahren plant, ist es ok, wenn Thiago gehen will." Ohne Havertz müssen die Bayern einen möglichen Thiago-Abgang andersweitig kompensieren.

Contra: Vielseitig einsetzbar

Neben dem von Matthäus ins Gespräch gebrachten offensiven Part auf der Doppelsechs kann Havertz auf der Zehn und beiden Flügeln agieren. In Leverkusen setzte ihn Peter Bosz im Saisonendspurt oftmals sogar erfolgreich im Sturmzentrum ein. Der Nationalspieler könnte somit sogar Robert Lewandowski die ein oder andere Verschnaufpause gönnen.

Es wird deutlich: Wenn ein solcher Unterschiedsspieler zu haben ist, muss der FC Bayern immer versuchen, einen Transfer zu realisieren. Sprich: Die Münchner müssten Havertz sofort holen, wenn sie von dessen Qualitäten überzeugt sind und darauf hoffen, dass Havertz' Qualität am Ende die sicherlich vorhandenen Risiken übertrumpft. Sonst könnte einer der spannendsten Spieler Europas demnächst woanders für Furore sorgen ...

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