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Hansi Müller: "Klinsmann würde dem VfB sicher sehr gut tun"

VfB-Legende im exklusiven Gespräch mit Sky Sport

Alexander Bonengel

20.07.2019 | 12:40 Uhr

VfB-Legende Hansi Müller (l.) kann sich Jürgen Klinsmann (r.) als neuen VfB-Präsidenten gut vorstellen.
Image: VfB-Legende Hansi Müller (l.) kann sich Jürgen Klinsmann (r.) als neuen VfB-Präsidenten gut vorstellen. © DPA pa

Der VfB Stuttgart kommt nicht zur Ruhe. Sky Reporter und VfB-Experte Alexander Bonengel hat exklusiv mit VfB-Legende Hansi Müller über die Unruhe und grundlegende Probleme im Verein gesprochen sowie über Jürgen Klinsmann.

Nach der schlechtesten Saison der Vereinsgeschichte, zig verbrannten Millionen und dem folgerichtigen Abstieg hat der Klub aus Cannstatt es kürzlich tatsächlich geschafft, nochmals einen draufzusetzen.

Bei der hitzigen Mitgliederversammlung am Sonntag mit einer wegweisenden Abstimmung über die Zukunft des umstrittenen Präsidenten funktionierte das dafür vorgesehene und eigens eingerichtete WLAN nicht. Der fünfmalige Deutsche Meister hat sich bundesweit zum Gespött gemacht. Nicht weniger unrühmlich der Abgang des Präsidenten per Facebook am Folgetag.

Müller: "Mache mir sehr große Sorgen um den VfB"

Für VfB-Legende Hansi Müller sind es unfassbare Zustände am Wasen, die jüngste Entwicklung inklusive WLAN-Panne dabei nur das Tüpfelchen auf dem "i". Müller sieht seinen Heimatverein im Gespräch mit Sky Sport schon seit Jahren auf einem schlechten Weg: "Ich mache mir sehr große Sorgen um den VfB. Man muss sehen, was seit 2011 alles passiert ist, wie viele Trainer, Manager und Präsidenten gekommen und gegangen sind, wie viele falsche Entscheidungen getroffen, wie viele Chancen leichtfertig vertan worden sind. Ich kann mir das alles nicht erklären. Aber so kann sich niemals Erfolg einstellen. Das kann einfach nicht gut gehen."

Kommentar zum Dietrich-Rücktritt

Kommentar zum Dietrich-Rücktritt

Nun ist es also passiert: Wolfgang Dietrich ist zurückgetreten. Der Mann, der noch vor der Mitgliederversammlung großspurig verkündet hatte, auch bei 74,9 Prozent Abwahlstimmen weitermachen zu wollen. Ein Kommentar.

Der 42-fache Nationalspieler und Europameister von 1980 war selbst als Funktionär beim VfB tätig: Von 1999 bis 2001 gehörte er dem Vorstand des VfB an, von 2011 bis 2015 war er Mitglied des Aufsichtsrats. In diesem oft wirtschaftlich geprägten Gremium war er einer der letzten Vertreter der Marke "Sportkompetenz".

Mehr richtige Entscheidungen durch Ex-Kicker

Und genau da sieht Müller ein großes strukturelles Problem des VfB: "Natürlich gibt es keine Garantie für Erfolg, wenn Ex-Kicker in der Vereinsführung sind. Aber wenn mehr Leute, die mal gegen den Ball getreten haben, die den Fußball in all seinen Facetten kennen, mitbestimmen, erhöht es einfach die Wahrscheinlichkeit, dass bei sportlichen Fragen richtige Entscheidungen getroffen werden."

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VfB Stuttgart: Das wären mögliche Kandidaten für den Posten des Präsidenten.

Für den 186-maligen Brustringträger trifft das auch auf das Amt des Präsidenten zu: "Wenn diskutiert wird, wer Präsident werden soll und ehemalige Fußballprofis genannt werden, höre ich ganz oft das Argument, es fehle die wirtschaftliche Kompetenz. Ich kann das nicht nachvollziehen. Auch auf diesen Ebenen ist wichtig, als Team zu funktionieren und wir Fußballer wissen, wie man zusammenspielt. Für wirtschaftliche Angelegenheiten gibt es im Vorstand doch die entsprechenden Fachleute. Zudem kamen die letzten VfB-Präsidenten aus der Wirtschaft und es hat bei keinem wirklich funktioniert. Mäuser, Wahler und jetzt Dietrich - alle sind vorzeitig gegangen."

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"Klinsmann würde dem VfB guttun"

Am 15. Dezember soll bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Dietrichs Nachfolger gewählt werden. Viele mögliche Kandidaten werden bereits diskutiert. "Jürgen Klinsmann würde dem VfB sicher sehr gut tun, vorausgesetzt, er hätte überhaupt Interesse", sagt Hansi Müller über den aktuell noch in Los Angeles lebenden Weltmeister von 1990, "er ist weltweit gut vernetzt, eloquent, sprachgewandt und er weiß, mit Menschen umzugehen. Seine Erfahrung als Spieler und Trainer und seine Erfolge sprechen ohnehin für sich. Jürgen ist einfach in allem, was er macht, ein Vollprofi. Ein Gesamtpaket, das es nur sehr selten gibt."

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Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann kann sich eine Rückkehr als starker Mann zum Zweitligisten VfB Stuttgart offenbar vorstellen. Alle Infos.

Ende des vergangenen Jahres hatte es bereits einen Austausch zwischen dem damaligen Präsidenten Dietrich und Klinsmann gegeben. Damals ist man zum VfB und dessen Ausrichtung nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Seit Montag ist die Situation anders, der VfB muss sich neu aufstellen. "Jürgen kann sehr unbequem sein. Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten. Sollte eine Funktion beim VfB zum Thema werden, wird er sicher klare Forderungen haben und Bedingungen stellen", sagt Müller über den Ex-Bundestrainer.

Kommt Klinsmann? Ball liegt beim VfB

Klinsmann hatte bereits im letzten Jahr klar signalisiert, dem VfB helfen zu wollen, wenn er gebraucht würde. Diese Aussage ist nach Sky Informationen immer noch gültig. Die Gelegenheit wäre aktuell besonders günstig, Klinsmann zurück nach Stuttgart zu holen: Seine Tochter ist mittlerweile an der Universität, Sohn Jonathan spielt seit diesem Jahr in der Schweiz beim FC St. Gallen. Die größere Nähe zum Sohn könnte dabei zumindest ein "weicher Faktor" für Klinsmann und seine Frau Debbie in der Gesamtkonstellation sein. Die Chance ist da, der Ball liegt nun beim VfB Stuttgart. Bewerben oder Aufdrängen wird Klinsmann sich sicher nicht.

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"Entscheidung für Familie keine Entscheidung gegen VfB"

Hansi Müller würde es begrüßen, sollte der VfB auf Klinsmann zugehen. Müllers Herz schlägt nach wie vor uneingeschränkt für den Verein mit dem Brustring, zu dem er einst als 12-Jähriger gekommen war. Sich selbst sieht der Vater von drei Kindern aber weder in einer Führungsposition noch in einer anderen Funktion im operativen Geschäft.

Schon 2011 und 2013 hatte er die Möglichkeit, für eine Präsidentschaft zu kandidieren, ausgeschlagen: "Die Familie ist ganz klar meine Nummer eins. Ich möchte so viel Zeit mit meinem neunjährigen Sohn und den beiden erwachsenen Kindern verbringen, wie es mir möglich ist. Für den VfB zu arbeiten bedeutet, viel Zeit und Emotionen zu investieren. Ich weiß, wovon ich rede. Es wäre eine Entscheidung gegen die Familie. Aber die Entscheidung für meine Familie ist alles andere als eine Entscheidung gegen den VfB."

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