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Hertha BSC: Sandro Schwarz soll Neustart vollziehen

Neuer Anlauf für "Big City Club" mit Klopp-Magie

Sandro Schwarz wird neuer Trainer von Hertha BSC.
Image: Sandro Schwarz wird neuer Trainer von Hertha BSC.  © Imago

Sandro Schwarz soll den Neustart bei Hertha BSC vollziehen und den Hauptstadt-Klub zunächst wieder in sichere Tabellenbereiche führen. Geschäftsführer Fredi Bobic muss sich nun am Erfolg seines ersten richtigen Trainers messen lassen.

Anspruch und Wirklichkeit klafften bei Hertha BSC in den vergangenen Jahren teils weit auseinander. Unter Kurzzeitcoach Felix Magath war gegen den Hamburger SV in der Relegation der Klassenerhalt gerade noch geglückt. Ein Jahr zuvor rettete sich die Hertha mit Pal Dardai erst zwei Spieltage vor Saisonende.

Nach Jahren der sportlichen Talfahrt wollen die Berliner den Blick nun endlich wieder nach vorne richten. Gelingen soll das mit Sandro Schwarz. Die Verpflichtung des 43-Jährigen wurde am Donnerstag offiziell. Schwarz unterschreibt bei der Alten Dame bis Juni 2024 und soll die Hertha zunächst wieder in sichere Tabellenbereiche führen.

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Schwarz soll Hertha attraktiver machen

"Sandro kann mit seiner Persönlichkeit, der aktiven und vorwärts gewandten Art Fußball spielen zu lassen, eine Bindung zwischen grünem Rasen und dem Umfeld schaffen", sagte Geschäftsführer Fredi Bobic: "Das ist das, was wir bei Hertha BSC brauchen."

Neben den fachlichen Qualitäten habe für das Anforderungsprofil "Begeisterungsfähigkeit, Leidenschaft und Emotionalität im Blickpunkt" gestanden, sagt Bobic. Schwarz habe diese Eigenschaften beim FSV Mainz 05 und bei Dynamo Moskau gezeigt. Zudem hatte Bobic gefordert, Hertha müsse endlich attraktiver und offensiver spielen. Schwarz steht für hohes Pressing, schnelles Umschaltspiel und intensiven Fußball, der den Gegner ständig beschäftigt.

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Schwarz voller Vorfreude auf neue Aufgabe

"Ich habe große Lust darauf, den Neustart bei Hertha BSC mitzugestalten. Der Verein hat eine schwierige Zeit hinter sich. Das mit Arbeit, Freude und viel Energie zum Positiven zu wandeln, darauf freue ich mich jetzt total", betonte Schwarz.

Herthas neuer Trainer zeigt immer vollen Einsatz - das hat ihm schon eine Kopfnuss von Jürgen Klopp eingebracht. Als Schwarz einst bei einem Trainingsspiel von Mainz 05 auf gefrorenem Boden den heutigen Weltcoach mit drei Blutgrätschen zu Fall gebracht hatte, bauten sich beide Alphatiere voreinander auf.

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Hitzige Begegnung zwischen Schwarz & Klopp

"Zwei Hähne, Trottel!", sagte Klopp einmal über den Vorfall. Er habe seinen Kopf "so ganz leicht nach vorne" gedrückt - "und dann fängt der an zu bluten. Das war Wahnsinn!" Klopps Entschuldigung nahm der stolze Schwarz zunächst nicht an, "zwei Monate später war ich sein Trainer", erinnerte sich der heutige Liverpool-Teammanager.

Die Geschichte aus Mainz ist aber nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen Schwarz und Klopp. Beide lernten bei Innovator und Mainz-Legende Wolfgang Frank. Raumdeckung mit Vierer-Abwehrkette, in einem 4-4-2 mit Forechecking, Pressing und aggressivem Tempofußball: Franks Arbeit wurde zum Vorbild der damaligen Mainzer Spielergeneration in ihrer späteren Trainerfunktion. "Schwarz und Klopp verfügen über positive Verrücktheit, Begeisterung und schaffen es, diese Dinge auf die Mannschaft zu übertragen", meint Sky Reporter Alexander Bonengel, der Schwarz seit Jahren verfolgt.

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Schwarz: Offener, authentischer Typ

Schwarz' Karriere als Bundesligatrainer beläuft sich bislang auf etwas mehr als zwei Jahre, er kam zwischen 2017 und 2019 mit Mainz auf 85 Pflichtspiele. Nach der ersten Saison Rang 14, nach der zweiten Rang zwölf, punktetechnisch weit weg von den Abstiegsrängen. In der dritten war bald Schluss für Schwarz, davor gab es beispielsweise ein 0:8 bei RB Leipzig.

Schwarz gilt als sehr offener und authentischer Typ. Er bewegt sich auf Augenhöhe mit den Spielern, nimmt das ganze Team mit ins Boot. Wenn Dinge falsch laufen, kann er aber deutliche Ansagen machen. Es heißt, die Mainzer Mannschaft habe trotz der am Ende fehlenden Ergebnisse bis zum Schluss voll hinter dem Trainer gestanden.

Dazu passt, dass Schwarz noch heute mit den Mainzern in Kontakt steht. "Auf der Geschäftsstelle sprechen die Leute noch von ihm", weiß Sky Reporter Alexander Bonengel, der Schwarz seit Jahren verfolgt.

Schwarz setzt auf junge Spieler

Auch bei seiner letzten Station Dynamo Moskau genoss Schwarz sehr hohes Ansehen bei seiner Mannschaft. Er hatte im Herbst 2020 angefangen, den Vertrag im vergangenen Winter bis 2024 verlängert und Mittelfeldteam Dynamo in die Ligaspitze geführt. Dabei setzte er auf viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs.

Schon in Mainz hatte er ähnlich agiert. Eines der großen Talente damals war Suat Serdar. Der 25-Jährige steht inzwischen bei Hertha BSC unter Vertrag. Es ist davon auszugehen, dass Schwarz die Mannschaft auch in Berlin verjüngen wird.

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Schwarz begründet Russland-Verbleib

Schwarz war bei seinem Dynamo-Engagement in Russland mehrmals zum Trainer des Monats gekürt worden. Im Gegensatz zu anderen deutschen Trainern wie Markus Gisdol oder Daniel Farke blieb er auch nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine im Land. Er sprach von seinem Verantwortungsbewusstsein und betonte: "Ich glaube, dass in solch einer Situation die Sicherheit das Wichtigste ist und dass ich nicht der Mensch bin, der da einfach nur auf sich schaut und sagt: Ich setzte mich ins nächste Flugzeug und bin hier weg."

Sky Reporter Bonengel haben diese Aussagen nicht überrascht: "Sandro ist extrem loyal. Er sieht die Mannschaft mit allen Leuten drumherum als eine Familie. Er wollte die Menschen in Moskau nicht im Stich lassen." Am vergangenen Sonntag verlor Dynamo das Pokalfinale gegen Spartak Moskau 1:2, danach erklärte Schwarz seinen Rücktritt. Der Verein veröffentlichte im Anschluss ein Video, wie ihn die Fans feierten - und ließ ihn trotz des noch zwei Jahre laufenden Vertrages ablösefrei ziehen.

Bobic muss liefern

Trotz seiner Erfolge in Russland hatten sich einige Fans bei der Hertha-Mitgliederversammlung am Sonntag kritisch zu der bisher übersichtlichen Trainer-Vita von Schwarz geäußert. Die Hertha-Anhänger sehnen sich nach größeren Namen. Namen, die zu einem "Big City Club" passen. Bonengel: "Schwarz hat noch nicht den großen Namen, ist aber genau der Richtige für den Neuanfang. Mit ihm besteht für die Hertha die Chance, eine neue Entwicklung anzustoßen."

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Schwarz ist nun der dritte Trainer, den Bobic für die Berliner verpflichtet. An Tayfun Korkut, der im November Vereinsikone Dardai ablöste, hielt Bobic nach Ansicht von Kritikern zu lange fest. Unter Magath, der dann im März folgte, gelang der Klassenerhalt denkbar knapp.

Klappt es mit Schwarz auch nicht, dürfte der Druck auf Bobic weiter ansteigen. "Schwarz ist Bobics erster richtiger Trainer. Er hat sich ganz bewusst für ihn entschieden. Bobic schätzt Schwarz. Von seiner Arbeit in Mainz war er sehr angetan. Klar ist aber auch, dass sich Bobic am Erfolg mit Schwarz messen lassen muss", sagt Bonengel.

Sollte Schwarz im Mai 2023 noch Hertha-Coach sein, wäre er der erste Trainer seit Dardai 2018/19, der eine komplette Saison bei den Berlinern im Amt ist. Es wäre ein erster großer Erfolg - für Bobic, Schwarz und den gesamten Klub, der sich endlich nach etwas Ruhe sehnt.

Mehr zum Autor Fabian Schreiner

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