Jon Dahl Tomasson über Undav, Ancelotti, Gyökeres, Trainer-Zukunft

Als Nationaltrainer hat er mit Schweden 2024 die Nations League gewonnen und somit den Grundstein für die erfolgreiche WM-Teilnahme gelegt.

Ex-Stürmer Jon Dahl Tomasson äußert sich exklusiv bei Sky Sport.
Image: Ex-Stürmer Jon Dahl Tomasson äußert sich exklusiv bei Sky Sport.  © DPA pa

Als Spieler hat Jon Dahl Tomasson 2003 mit einem legendären Milan Team die Champions League gewonnen, wurde im Jahr zuvor UEFA Pokal Sieger mit Feyenoord Rotterdam und deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart.

Im exklusiven Interview mit Sky Sport spricht der 49-Jährige über Erfahrungen mit seinem ehemaligen Klubboss Silvio Berlusconi, das Erfolgsgeheimnis von Carlo Ancelotti und warum die Karriere von Deniz Undav fast komplett anders gekommen wäre:

Jon Dahl Tomasson über…

… die schwedische Nationalmannschaft, die er selbst noch trainiert hat: "Ich habe mich sehr gefreut. Sie sind ein großartiges Team und ich war sicher, dass sie sich qualifizieren werden. Es war sehr wichtig, dass wir die Nations League gewonnen haben, sonst hätte es keine Playoffs für Schweden gegeben. Die Spieler haben einen guten Job gemacht. Bevor die Qualifikation begonnen hat, haben wir die letzten acht Spiele aus zehn gewonnen, eins unentschieden und eins verloren. Als die Qualifikation dann losging, hatten wir wichtige Spieler, die nicht fit oder verletzt waren. Das würde jedes Land treffen."

… Superstar Viktor Gyökeres: "Ich finde es extrem schwierig, einen Spieler einzusortieren. Was ich an Viktor wirklich mag, ist, dass er sehr hungrig ist, immer besser zu werden. Er ist sehr konstant, und wenn man sich seine Form und seinen aktuellen Einfluss anschaut, ist er derzeit definitiv einer der gefährlichsten Stürmer."

WM 2026: Fakten zur deutschen Nationalmannschaft

  • Gruppe: E
  • Gruppengegner: Curaçao, die Elfenbeinküste, Ecuador
  • Trainer: Julian Nagelsmann
  • Kapitän: Joshua Kimmich
  • WM-Teilnahmen: 21
  • Weltmeister-Titel: 4 (1954, 1974, 1990, 2014)

… den Zustand des italienischen Fußballs: "Zunächst einmal hat der italienische Fußball eine großartige Geschichte und Tradition mit viel taktischer Intelligenz. Aber natürlich verändert sich Fußball mit der Zeit. Es ist auch wichtig, mit Tempo zu spielen. Schnelligkeit und physische Präsenz im Spiel sind sehr wichtig. Ich denke man muss junge Spieler ausbilden und einsetzen. Sie werden das Land weiterentwickeln."

… Silvio Berlusconi als Klubchef bei Milan: "Seine Liebe zum Spiel und die Leidenschaft waren großartig. Er gab den Menschen im Verein, Spielern, Angestellten, den Glauben, Teil von etwas zu sein. Es war immer besonders, wenn er auf den Trainingsplatz kam. Man wusste immer am Morgen, dass er kommt, weil überall Sicherheitskräfte waren. Wir wussten nur nicht, wann er kam. Manchmal landete er mit dem Helikopter auf unserem Trainingsplatz, auf dem wir gerade trainierten. In diesem Moment war das Training dann beendet."

… das Erfolgsgeheimnis von Carlo Ancelotti: "Carlo kennt die Spieler. Er ist sozial kompetent. Ich finde, man sollte die großen Stars nicht kontrollieren. Das hat er auch nicht getan. Er hat sich ihren Respekt erarbeitet. Das ist viel schwerer. Deshalb ist er so erfolgreich, nicht nur in Milan, sondern auch in England, in Madrid und hoffentlich auch in Brasilien."

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… Deutschland bei der WM: "Deutschland hatte immer eine gute Grundlage. Talent, Stabilität, harte Arbeit, schwierig zu schlagen. Es geht darum, Momentum zu bekommen und wenn man alle an Bord hat, denke ich definitiv, dass Deutschland ein Geheimfavorit bei der WM sein kann."

… Deniz Undav: "Ich habe versucht, ihn unter Vertrag zu nehmen, als ich Manager bei Blackburn war. Es war die Saison, in der wir die Playoffs durch die Tordifferenz knapp verpasst hatten. Ich hatte eines der jüngsten Teams und eines der niedrigsten Budgets in der Liga. Ich wollte Undav im Winter per Leihe holen. Hätte ich ihn unter Vertrag genommen, dann hätte er wahrscheinlich ein Tor nach dem anderen geschossen und würde heute in der Premier League - statt in der Bundesliga - spielen. Er kam immer in sehr gefährliche Positionen. Sein Abschluss war gut. Wir haben natürlich viele Daten verwendet. Und wir haben auch die Spiele gesehen, die er gemacht hat. Es war knapp, aber der Transfer hat leider nicht geklappt."

… eine mögliche Undav-Verlängerung in Stuttgart: "Wenn das richtig für ihn ist, dann sollte er es tun. Du musst immer eine Umgebung finden, in der du glücklich bist. Es muss natürlich auch eine Herausforderung sein. Aber du solltest da sein, wo du glücklich bist, wo die Leute mit deiner Leistung zufrieden sind und wo du eine Möglichkeit hast, dich noch weiter zu entwickeln."

… über seine Zukunft als Trainer: "Ich habe Nationalmannschaften und Vereine trainiert. Das sind natürlich zwei verschiedene Arbeitsweisen. Ich mag beides, aber mein nächster Job wird wahrscheinlich wieder im Klubfußball sein. Was ich als Trainer wirklich liebe ist, wenn man sieht, wie sich ein Spieler entwickelt. Wenn man viel Zeit in einen Spieler investiert, viel verlangt und dann sieht, wie er plötzlich immer besser wird, sogar besser als er selbst dachte, dass er es jemals sein könnte. Das ist der beste Moment, mit den Leuten zu arbeiten und so etwas zu sehen."

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… über seine Art als Trainer: "Nummer eins ist, dass wir die Fans begeistern müssen. Wenn sie ins Stadion gehen, bezahlen sie eine Menge Geld, also müssen wir ihnen etwas zurückgeben. Wir müssen sie begeistern. Also brauchen wir mutigen Fußball. Wir müssen ein sehr schnelles Spiel spielen, in dem wir nach vorne gehen und den Ball schnell zurückgewinnen. Es sollte so sein, dass niemand das Stadion verlässt, bevor das Spiel zu Ende ist. Jeder, der darüber spricht, muss begeistert sein."

… über eine Zukunft in Deutschland: "Ich muss zugeben, dass die deutsche Liga großartig ist und die Fußballkultur in Deutschland riesig ist. Es ist also etwas, das ich definitiv im Blick haben werden, aber das Timing muss stimmen. Ich hatte natürlich schon Gespräche mit deutschen und europäischen Vereinen, aber der Zeitpunkt muss der richtige sein und es muss der richtige Klub sein."

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