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Die Handball-Kolumne

Kretzschmar: Jetzt stehen die Schicksalsspiele an!

von Stefan Kretzschmar

20.05.2018 | 18:13 Uhr

Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs
Image: Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs © Sky

Sky Experte Stefan Kretzschmar beleuchtet in seiner Kolumne jede Woche die wichtigsten Themen aus der Welt des Handballs. Dieses Mal wirft er einen Blick auf die entscheidende Phase in der Bundesliga - von Abstiegskampf bis Titelfrage.

Die Rhein-Neckar Löwen verlieren in Berlin - und machen die Meisterschaft dadurch wieder spannend. Oder besser gesagt: spannender. Denn diese Niederlage war kein Beinbruch! Die Löwen haben nach wie vor die besten Karten auf den Titel. Zwar liegt Flensburg gleichauf mit dem Meister. Mannheim hat aber noch ein Spiel mehr und das deutlich bessere Torverhältnis. Das Team von Nikolaj Jacobsen könnte sich in den verbleibenden vier Spielen also noch eine Niederlage leisten. Das ist aus meiner Sicht aber auch das Maximale, was noch passieren kann.

Natürlich ist Erlangen in eigener Halle unangenehm zu spielen, allerdings geht es für den HCE um nichts mehr. Die entscheidende Frage der letzten Wochen wird deshalb sein: Wie sehr können sich Teams, für die es um nichts mehr geht, noch motivieren? Wie sehr wollen sie der Konkurrenz in die Suppe spucken? Sowohl im Abstiegskampf als auch in der Meisterschaft wird das den Ausschlag geben.

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Füchse Berlin - Rhein-Neckar Löwen - Alle Highlights im VIDEO

Löwen verlieren keine zwei Spiele mehr

Bei den verletzungsgeplagten Erlangern ist das ebenfalls die Frage. Aus Löwen-Sicht ist Melsungen noch ein ernst zu nehmender Gegner. Die MT-Spieler wollen mit ihrem neuen Trainer einen Aufwärtstrend zeigen und Platz sieben festigen. Trotz allem muss ich ehrlich sagen: Ich glaube nicht, dass die Löwen noch zwei Spiele verlieren. Das halte ich für ausgeschlossen. Sie sind absolut fokussiert und gewillt, den dritten Titel in Folge zu holen.

Erst recht nach dem Dämpfer in Berlin. Jacobsen und Co. haben ganz genau analysiert, was da schief lief. Die Füchse lieferten in dieser Partie ein nahezu perfektes Spiel ab, während bei den Löwen das Torhüter-Duo erstmals in dieser Saison einen kompletten Blackout hatte. Es war also nicht so, dass die Löwen nach ihrem ersten Pokaltriumph satt gewesen wären oder unkonzentriert. Dann hätten sie schon gegen Magdeburg verloren. In diesem Spiel hätte ich eher mit einer Überraschung gerechnet. Die kann es natürlich auch noch gegen die Eulen oder am letzten Spieltag Leipzig geben.

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Sky Experte Stefan Kretschmar beleuchtet in seiner Kolumne jede Woche die wichtigsten Themen aus der Welt des Handballs

Flensburg mit leichtem Restprogramm

Aber man muss immer überlegen: Über wen reden wir da? Wir reden über den amtierenden Pokalsieger und zweifachen deutschen Meister. Sie spielen eine herausragende Saison, und wenn sie nicht ihre zweite Mannschaft nach Kielce geschickt hätten, ständen sie vielleicht sogar im FINAL4 der EHF Champions League. Das ist in Deutschland die stabilste Mannschaft der Saison. Deshalb wird ihnen die Niederlage nicht das Genick brechen. Aber: Beim Blick auf Flensburgs Restprogramm ist auch klar, dass die SG die restliche Saison ohne Verlustpunkte zu Ende bringen wird. Das wissen auch die Löwen. Erlangen ist das Schicksalsspiel, auf das alle gucken. Wenn sie das gewinnen sollten, dann brennt nichts mehr an!

Noch enger als an der Tabellenspitze geht es im Tabellenkeller zu. Mit Gummersbach, Ludwigshafen, Hüttenberg und Lübbecke liegen vier Teams innerhalb von zwei Punkten zusammen. Gummersbach gegen Ludwigshafen an diesem Donnerstag ist das alles entscheidende Spiel. Gewinnt Gummersbach, sind sie raus aus dem Abstiegskampf. Gewinnt Lübbecke, ist alles offen! Und dann droht dem Altmeister durchaus der Abstieg!

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Es zählt nur noch der Wille

Aber auch der TuS steht extrem unter Druck: Ein Sieg in der Schwalbe-Arena ist die letzte Chance auf den Klassenerhalt. Ich finde es super spannend, dass die Teams noch gegeneinander spielen. Der VfL muss ja auch noch zum TV Hüttenberg, der in diesem Spiel garantiert alles in die Waagschale werfen wird. Gummersbach ist also stark gefährdet! Zwar hat der VfL einen etwas stärkeren Kader als die Konkurrenz im Abstiegskampf, aber in den letzten Wochen zählt nur noch der Wille. Wer will es mehr? Bisher muss ich sagen, dass Hüttenberg und Ludwigshafen das Beste aus ihren bescheidenen Mitteln gemacht haben. Deshalb ist es noch so eng.

Wenn ich mich festlegen müsste, glaube ich nicht, dass Gummersbach absteigt. Sie werden das Spiel gegen Lübbecke gewinnen und wären dann unten raus. Und wenn ich mir dann noch das Restprogramm anschaue denke ich, dass Hüttenberg den VfL besiegen wird und auf 15 Punkte kommt. Das sollte für den Klassenerhalt reichen, weil ich davon ausgehe, dass Ludwigshafen und Lübbecke keine Punkte mehr holen und absteigen. Sicher ist zum jetzigen Zeitpunkt aber nur eins: Es wird extrem spannend!

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