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Lienen: Bayern muss Anspruch durch Kader-Qualität untermauern

Lienen im Exklusiv-Interview, Teil 1

Robin Schmidt

26.07.2019 | 09:15 Uhr

Ewald Lienen ist seit Juli 2017 als Technischer Direktor beim FC St. Pauli tätig.
Image: Ewald Lienen ist seit Juli 2017 als Technischer Direktor beim FC St. Pauli tätig. © Imago

Im ersten Teil des exklusiven Sky Interviews spricht Ewald Lienen, Technischer Direktor vom FC St. Pauli, über die Qualitäten, die ein Trainer mitbringen sollte. Zudem befasst sich der Sky Experte mit den Situationen von Niko Kovac sowie Julian Nagelsmann.

Ewald Lienen über ...

… die Qualitäten, die ein Fußball-Lehrer heutzutage mitbringen muss:

"Es reicht nicht aus, nur im taktischen und trainingstechnischen Gebiet auf der Höhe zu sein. Meiner Meinung nach sind die zwischenmenschlichen Fähigkeiten heutzutage das Allerwichtigste in Führungspositionen. Und zwar nicht nur im Fußball, sondern auch in allen anderen Bereichen. Dabei spielt die Kommunikation eine enorm wichtige Rolle.

Es ist vergleichbar mit dem Lehrer-Beruf: Ein Lehrer, der fachlich überragt, aber nicht mit Kindern und Jugendlichen umgehen kann, ist für mich fehl am Platz. Was nützt es mir im Fußball, wenn ich einen taktisch guten Coach habe, der super trainieren kann, aber im Umgang mit Menschen seine Probleme hat?

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Das Entscheidende ist, eine Atmosphäre zu kreieren, in der Spieler sich wohl fühlen, so dass eine Mannschaft zusammenwachsen kann. Diese Eigenschaft bestimmt am Ende darüber - im Zusammenspiel mit der Qualität des Kaders - ob man erfolgreich ist oder nicht.

Dieser Aspekt sollte ein gewichtiger Schwerpunkt in der Trainer-Ausbildung sein, da sind die praktischen Anwendungen aus Fächern wie Psychologie und Pädagogik gefragt. Ob darauf immer genügend Wert gelegt wird, kann ich nicht beurteilen."

… über Niko Kovac und den FC Bayern:

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"Niko hat das hervorragend gelöst in der vergangenen Saison. Allerdings sieht die Realität so aus, dass Bayern ein Klub ist, bei dem man immer liefern muss. Am Ende des Tages muss jeder Verein zusehen, dass er seinem Trainer einen Kader zusammenstellt, der wettbewerbsfähig ist. Und zwar nicht nur für die Bundesliga.

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Die Bundesliga ist zwar in vielerlei Hinsicht führend, aber sie ist nicht die stärkste Liga der Welt. Wenn man hier souverän durchmarschiert, heißt das im Umkehrschluss noch lange nicht, dass man auch um den Champions-League-Titel mitspielt.

Wenn der FC Bayern den Anspruch hat, in der Champions League möglichst weit zu kommen, dann muss er im Gegenzug dem Trainer nicht nur einen perfekten ersten, sondern auch einen guten zweiten Anzug zur Verfügung stellen. In der Öffentlichkeit ist es immer einfach, seinen Anspruch zu äußern. Aber dieser muss auch durch die entsprechende Kader-Qualität untermauert werden und da haben die Bayern noch Bedarf."

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Schalke hat den ersten richtigen Härtetest gegen Norwich City mit 1:2 verloren, vor allem in der Offensive drückt bei Königsblau noch der Schuh. Auch der neue Coach David Wagner sieht da noch Verbesserungsbedarf.

… über den kleinen Vorteil von David Wagner gegenüber Marco Rose und Oliver Glasner:

"Wagner hat eine andere Ausgangssituation als Glasner und Rose. Bei Schalke lief in der letzten Saison wenig zusammen und er hat es deswegen vielleicht etwas einfacher, seine Spielphilosophie umzusetzen. Im Vergleich dazu treten Glasner und Rose bei Wolfsburg bzw. Gladbach das Erbe von Bruno Labbadia und Dieter Hecking an, die hervorragende Arbeit geleistet und ihre Teams in die Europa League geführt haben.

Es ist aber nur ein kleiner Vorteil für Wagner, denn das Anspruchsdenken bei Schalke wird sich nicht verändern und ist immer noch größer als das von Wolfsburg oder Gladbach."

24:00
"MEINE 11 - die Playlist der Fußballstars" ist zurück: Maik Nöcker stellt die Stars der Bundesliga von einer sehr persönlichen Seite vor. Videolänge: 24 Minuten)

... über Julian Nagelsmann und RB Leipzig:

"Es ist ein hochspannendes Projekt und für Julian genau der richtige Karriereschritt. Er wird in Leipzig ähnlich gute Arbeitsbedingungen wie in Hoffenheim vorfinden. Die TSG war für Julian genau der richtige Verein, um Erfahrungen in der Bundesliga zu sammeln. Der Verein hat alle finanziellen Möglichkeiten, sensationelle Trainingsmöglichkeiten und ist toll organisiert. Auch in Leipzig wird Julian auf eine Vielzahl an Helfern sowie logistischen und organisatorischen Hilfsmitteln stoßen."

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