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Lothar Matthäus kritisiert Krisen-Management des FC Schalke - Sky90

Matthäus zerlegt Schalke-Führung: Plan B "nicht bundesligatauglich"

Sky Sport

02.12.2020 | 15:05 Uhr

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Bei ''Sky90 – die Unibet Fussballdebatte'' kritisiert Sky Experte Lothar Matthäus das Management des FC Schalke 04 (Videolänge: 1:04 Min.).

Schlechte Entscheidungen, schlechter Umgang mit den eigenen Spielern, Überforderung des Nachwuchs': Nach der nächsten Schalker Pleite geht Lothar Matthäus bei Sky90 mit Königsblau hart ins Gericht.

Der FC Schalke 04 kassiert gegen Gladbach die nächste Niederlage und bleibt auch im 25.(!) Spiel in Folge ohne Sieg. Nicht nur der Uraltrekord von Tasmania Berlin (31 Partien in der Saison 1965/66) wackelt - mit satten 28 Gegentoren nach neun Spieltagen hat S04 jetzt mehr Tore kassiert als jedes andere Team in diesem Jahrtausend.

Auch die jüngsten Maßnahmen, die Suspendierung von Armin Harit und Nabil Bentaleb haben keine Wunder bewirken können. Sky Experte und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus legt den Finger bei Sky90 - der Unibet Fußballdebatte in die Wunde.

Matthäus vermisst Bundesliga-Niveau: "Will nicht auf einzelne Namen losgehen"

Nach dem unrühmlichen Abschied von Vedad Ibisevic und der Suspendierung von Amine Harit und Nabil Bentaleb vermisst er einmal mehr die nötige Qualität im Schalker Kader und kritisiert dessen unzureichende Zusammenstellung. "Es ist keiner mehr da. Manche Spieler sind ablösefrei gegangen, manche wurden vom Hof gejagt. Die Spieler kriegen einen Mittelstürmer nach dem anderen vorgesetzt. Der Kader ist einfach schlecht zusammengestellt und nicht zeitgemäß. Ich will nicht auf einzelne Namen losgehen, aber es fehlt einfach die Geschwindigkeit, vor allem über die Flügel", so Matthäus bei Sky90.

Man habe vor allem nicht die Mentalität geholt, die man auf Schalke brauche.

Matthäus vermisst langfristigen Plan: "Man kann nicht alle rauswerfen"

Und die ist in Matthäus' Augen das Wichtigste. Man habe mit den Suspendierungen in diesem Punkt jetzt durchgegriffen. Allerdings zu spät und und zu planlos.

"Man reagiert alle drei vier Monate und verkauft oder suspendiert Spieler. Es kommt keine Ruhe rein (...) Man kann ja von Spielern, die man vor einem Jahr aussortiert hat, jetzt auch nicht erwarten, dass die jetzt die Kohlen aus dem Feuer holen", gibt der Rekordnationalspieler zu bedenken: "Man greift durch und mal wieder nach dem letzten Strohhalm. Aber man kann nicht alle rauswerfen."

Gerade wenn man wirtschaftlich nicht in der Situation ist, mit Geld um sich zu schmeißen, müsse man sich bessere Gedanken machen.

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Bei ''Sky90 – die Unibet Fussballdebatte'' spricht Sky Experte Lothar Matthäus über die suspendierten Schalker Amine Harit und Nabil Bentaleb (Videolänge: 1:37 Min.).

Junge Spieler der richtige Weg, aber zu extremer Druck

Dass man nun in der Not wieder mehr auf junge Spieler und den eigenen Nachwuchs setzt, hält Matthäus für die richtige Strategie. Allerdings habe der FC Schalke auch hier viel zu lange gewartet und so eine unnötige Extremsituation für die Neulinge kreiert.

"Natürlich müssen wieder an ihre eigenen Stärken glauben und auf junge Spieler setzen. Die Spieler, die sie für viel Geld von außen geholt haben, funktionieren nicht. Aber nur auf junge Spieler setzen, geht auch nicht, um im Abstiegskampf zu bestehen." Manche davon seien schlichtweg noch "nicht bundesligatauglich".

"Wenn man oben mitspielt, macht alles Spaß und du wirst mitgezogen. Aber als junger Spieler unter diesem Druck gerade zu spielen, das würde ich selbst nicht erleben wollen…", sieht Matthäus Spieler, die jetzt hochkommen, in Überforderungsgefahr.

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Allheilmittel Knappenschmiede? Manche Spieler maximal Regionalliga

Auch Schalkes ehemaliger Leiter der Nachwuchsabteilung, Oliver Ruhnert, heute Manager bei Union Berlin, sieht darin eine Gefahr. "Zum Stichwort Knappenschmiede: Du musst Spieler, wenn sie fertig sind nach oben bringen", mahnt Ruhnert bei Sky90: "Es bringt nichts, Leute reinzuschmeißen, die die Qualität nicht haben, nur weil sie aus der Knappenschmiede sind. Es muss sinnvoll geschehen!" Sky Reporter Dirk große Schlarmann geht sogar noch weiter und sagt, manch ein Spieler könne "maximal Regionalliga spielen".

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Schalkes ehemaliger Leiter der Nachwuchsabteilung Oliver Ruhnert spricht bei Sky90 über die Gefahr, junge Spieler in der aktuellen S04-Krise zu früh unter Druck zu setzen (Video-Länge: 1:33 Min).

Den Schlüssel, um nicht in die zweite Liga abzusteigen sieht die Sky90 Runde zum einen in der richtigen Balance zwischen erfahrenen und jungen Spielern. "Wenn Baum die schnell findet, können sie noch die Kurve kriegen. Aber es wird ein Kampf bis zum Ende der Saison werden, um den direkten Abstieg zu verhindern", glaubt etwa Matthäus.

Matthäus fordert Gespräche: Bentaleb und Harit für Schalke derzeit unverzichtbar

Ebenfalls für unabdingbar hält Matthäus eine Lösung in den Fällen Bentaleb und Harit. Der 59-Jährige hält beide für "Unterschiedsspieler", auf die Schalke nicht verzichten darf, und vertritt daher die Meinung: "Wenn man Qualität hat, sollte man diese Qualität auch nutzen." Alles andere sei nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sportlich schädigend für den Verein.

"Man kann mit solchen Spielern umgehen", rät Matthäus Schalke dazu, sich nochmals an einen Tisch zu setzen: "Man muss den Menschen greifen - in Gesprächen. Und das ist das Wichtigste."

"Schalke kann mit solchen Spielern einfach nicht umgehen. Ich habe mich mit Bayern auch nicht immer rosig verstanden, aber dann muss man sich hinsetzen und reden, statt sich nicht in der Öffentlichkeit streiten. Das bringt keinen weiter", wirft Matthäus der Schalker Führung um Christian Schneider schlechtes Krisen-Management vor.

Dass Bentaleb laut neusten Informationen von Sky Sport nun sogar vor Gericht ziehen will, um gegen seine Suspendierung vorzugehen, macht die Lage für den Tabellenletzten nicht einfacher.

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Bei ''Sky90 – die Unibet Fussballdebatte'' ordnet Sky Reporter Dirk große Schlarmann die aktuelle Lage der suspendierten Schalker Amine Harit und Nabil Bentaleb ein (Videolänge: 1:09 Min.).

Ruhnerts Fern-Analyse: "Es stimmt einfach in der Kabine nicht"

Auch Ex-Schalker Ruhnert sieht die einzige Chance in der aktuellen Misere in Gesprächen - gerade weil Spielerytpen fehlen, die das Hand selbst in die Hand nehmen.

"Es stimmt einfach in der Kabine nicht. Den Eindruck bekommt man zumindest aus der Ferne. Dann kriegst du die Leistung nicht auf den Platz und Probleme - auch mit Aussagen von Spieler in der Öffentlichkeit, die zeigen, dass nicht alles in eine Richtung geht. Es ist die Aufgabe von handelnden Personen, das wieder in den Griff zu bekommen. Ich glaube, das ist alternativlos", so seine Analyse: "Du musst die Spieler zu dir holen und gemeinsam eine Lösung finden. Spieler, die das früher intern geregelt haben, sind nicht mehr da."

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