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Matthäus: So steht Neuer auch bei der EM 2020 im Tor

Matthäus-Kolumne: "So sehe ich das"

08.10.2019 | 17:36 Uhr

Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus. 
Image: Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus.  © Sky

Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt auf skysport.de. Diese Woche blickt er auf den erfolgreichen DFB-Start in die EM-Qualifikation gegen die Niederlande.

Gratulation an unsere Nationalmannschaft zum wunderbaren 3:2-Sieg in Holland. Aber ich muss gestehen, dass ich alles andere als überrascht war. Wir haben die Qualität, die Spieler und das Talent. Wir haben es in den letzten acht Monaten aber zu selten oder nur ansatzweise gezeigt. Die erste Halbzeit war Weltklasse. Aber auch schon beim Confed-Cup-Sieg 2017 gegen Topmannschaften wie Chile haben wir mit einer jungen B-Elf herrlichen Fußball gespielt. Auch in der Nations League in Frankreich eine Halbzeit lang oder 70 Minuten gegen Holland waren es gute Leistungen.

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Die deutsche Nationalmannschaft ist perfekt in die Qualifikation für die EM 2020 gestartet. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw feierte beim Erzrivalen Niederlande einen 3:2 (2:0)-Erfolg.

Am Sonntag gegen die Niederlande hat man sich nun nach langer Zeit endlich mal wieder belohnt. Natürlich brauchen wir noch etwas Zeit, um komplett zu alter Stärke zurückzukehren. Aber wenn man sieht, wer noch von der Bank kam, können wir einigermaßen beruhigt in die Zukunft schauen. Mit Gündogan und Reus hat Löw offensive Impulse von Außen gebracht. Dies war in den letzten Partien nicht der Fall und war ein sehr guter Schachzug des Bundestrainers.

Mit solchen Leistungen bleibt Neuer die Nummer eins

Bei Manuel Neuer haben wir gesehen, dass er weiß, wie man mit Druck umgeht. Löw hat Manuel gekitzelt und auch der Druck, den ter Stegen durch konstant starke Leistungen in Barcelona macht, hat ihn beflügelt. Neuer hat eine Schippe drauf gelegt und bleibt mit solchen Leistungen natürlich die unangefochtene Nummer eins. Der Herausforderer muss eindeutig besser sein, um den Stammtorhüter aus dem Tor zu verdrängen. Aber es war nur ein Spiel. Auch Neuer muss solche Leistungen bestätigen. Tut er dies, steht er auch bei der EM 2020 im Tor.

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Joachim Löw zeigt sich nach dem 3:2-Sieg gegen die Niederlande vor allem Auftritt in der ersten Halbzeit begeistert. (Länge: 2:04 Minuten)

Trotz der teilweise überragenden Leistung unserer Mannschaft habe ich manchmal gedacht: ja ist denn schon wieder Nations League? Aus einem 2:0 wurde ein 2:2. Man hätte früher höher führen können oder sogar müssen. Positiv ist und bleibt, dass wir wieder ein erfolgreiches Spielsystem haben, das schön anzusehen und erfolgreich ist.

Löw wurde bei Sane zu seinem Glück gezwungen

Dies in Kombination mit der Fülle an hochtalentierten Spielern die wir haben, hinterlässt ein tolles Gefühl. Gnabry, Sane, Werner, Goretzka, Süle, Ginter, Rüdiger. Das kann sich mehr als nur sehen lassen. Bei Leroy ist Löw quasi zu seinem Glück gezwungen worden. Schließlich war er vor neun Monaten schon genauso gut und hätte bei der WM dabei sein müssen. Pep Guardiola schwärmt nicht umsonst von ihm. Sein Eins-gegen-eins, sein Direktspiel, sein Abschluss, einfach erste Sahne.

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Leroy Sane analysiert den Sieg des DFB-Teams gegen die Niederlande (Videolänge: 34 Sekunden).

Nach wie vor verstehe ich, dass Löw einige Spieler aus sportlichen Gründen nicht mehr einsetzt. Das habe ich von Anfang an. Zu kritisieren war lediglich der Zeitpunkt und die Art und Weise der Verkündung. Sportlich hat und hatte er immer meine totale Zustimmung.

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Dass es in einem Spiel bei einem Gegner wie der Niederlande auch zu Chancen gegen uns kommt, ist ganz normal. Da stand schließlich kein Nobody auf dem Platz, sondern eine richtig gute Fußball-Nation mit einem tollen Team. Das macht unseren Sieg noch wertvoller. Auch die Defensive hat für mich einen guten Eindruck hinterlassen. Beim zweiten Tor hätte beispielsweise Toni Kroos ein paar Meter mitgehen müssen und konsequent zumachen. Im Mittelfeld ist er nun der erfahrenste und muss das Heft in die Hand nehmen. Die Jüngeren schauen zu ihm auf und vertrauen ihm. Wenn er jetzt nicht der Chef im Mittelfeld ist, wann dann?

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Toni Kroos freut sich nach dem 3:2-Sieg über die Niederlande (Videolänge: 25 Sek.).

Selke könnte als echte Nummer neun passen

Rückblickend sollten wir alles nicht so kritisch sehen. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir 2020 zu den Titelanwärter gehören. Die Qualität und der Ehrgeiz dieser Mannschaft sind nicht zu übersehen. Wir sind U21-Europameister geworden, haben den Confed Cup 2017 gewonnen. Wir haben das Zeug zu Großem.

Personell könnte ich mir vorstellen, dass mit Blick auf das kommende Turnier noch eine echte Nummer 9 hinzukommt, um Gegner die ausschließlich defensiv agieren auch mit anderen Mitteln zu besiegen. Davie Selke könnte passen, wenn er gesund und in Form ist. Jetzt gilt es die Qualifikation weiter erfolgreich aber auch gegen kleine Gegner überzeugend und mit ansehnlichem Fußball zu meistern.

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Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt auf skysport.de.

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