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Nagelsmann-Ära beendet: Neue Zeitrechnung in Hoffenheim

Schreuder folgt auf Nagelsmann

Alexander Bonengel

27.06.2019 | 23:44 Uhr

Alfred Schreuder (vorne) tritt die Nachfolge von Julian Nagelsmann an.
Image: Alfred Schreuder (vorne) tritt die Nachfolge von Julian Nagelsmann an.  © Getty

Alfred Schreuder beerbt Julian Nagelsmann und wird ab der kommenden Bundesliga-Saison neuer Trainer der TSG 1899 Hoffenheim. Das Erbe, das Schreuder antritt, ist schwer.

Julian Nagelsmanns Fußstapfen bei der TSG Hoffenheim sind so groß, dass man die noch recht junge Vereinshistorie in drei Epochen einteilen muss: Die Zeit vor ihm, die Nagelsmann-Jahre und die Zeit danach. War der Dorfverein aus dem Kraichgau zuvor irgendwo zwischen graue Maus und Plastik-Club verortet gewesen, etablierte Nagelsmann ein neues Image, geprägt von Innovation, Mut, Jugend und attraktivem Offensivfußball.

Nachfolger mit Stallgeruch

Nun also die Zeit danach. Aber ein bisschen Nagelsmann ist ja noch übrig, denn sein Nachfolger Alfred Schreuder (gesprochen „Skroider") war von 2015 bis 2018 schon einmal Co-Trainer bei der TSG und damit knapp zwei Jahre im Team von Julian Nagelsmann, der 2016 von Huub Stevens übernahm. Schweren Herzens haben sie den 46-Jährigen in Hoffenheim Anfang 2018 zu Ajax ziehen lassen. Seine Arbeit und seine Persönlichkeit waren nicht nur bei Nagelsmann, sondern im gesamten Klub sehr hoch geschätzt.

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Es wäre keineswegs abwegig, anzunehmen, der Mittvierziger Schreuder habe in dieser Zeit den blutjungen Nagelsmann an die Hand genommen und mit Erfahrung zur Seite gestanden. Nicht zuletzt aber waren es Lehrjahre für Schreuder, der schon früh die besondere Genialität des jungen Trainers erkannt hatte und sich von dessen Methodik und Art der Mannschaftsführung inspirieren ließ. Einflüsse, die sogar bei seiner folgenden Station Ajax Amsterdam in seine Arbeit Niederschlag finden sollten.

Hohe Fallhöhe für Schreuder

Der Weg nach Hoffenheim fand einst über Trainer-Legende Huub Stevens statt, der Schreuder 2015 als Co-Trainer mitbrachte. Stevens lernte Schreuder bereits als Jugendlichen im Internat der PSV Eindhoven kennen: "Alfred war schon als junger Spieler ein auffälliger Leadertyp. Schon damals war der Trainer in ihm zu erkennen. Er ging immer voran und war sehr interessiert und neugierig in taktischen Dingen. Der Kontakt zwischen uns war nie abgerissen und es war auch klar, dass wir gerne einmal zusammenarbeiten würden", erzählt der 65-Jährige heute gegenüber Sky.

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Seriöse Prognosen über Hoffenheims sportliche Zukunft unter Schreuder zu wagen, ist schwer. Fest steht: Die Fallhöhe, die Nagelsmann aufgebaut hat, ist hoch. Es ist zudem erst Schreuders zweite Cheftrainerstation, nach einem mäßig erfolgreichen knappen Jahr Twente Enschede zwischen 2014 und 2015. Seine Expertise als Co-Trainer aber ist seit jeher ungemein gefragt, 2012 wäre er fast sogar in der Nationalmannschaft der Niederlande gelandet, hätte Assistent von Bert van Marvijk werden sollen. Der Verband entschied sich am Ende aber für Louis van Gaal als Headcoach.

Schreuder eilt ein Ruf als absoluter Fachmann voraus. Zudem gilt er als äußerst fleißig und akribisch. Besonders herausgestellt werden von Wegbegleitern aber seine menschlichen Qualitäten: "Alfred ist sehr offen und stets neugierig. Er weiß sehr viel, will aber immer dazulernen. Aber die Eigenschaft, die ich am meisten an ihm schätze: Er ist absolut ehrlich", charakterisiert Huub Stevens seinen Landsmann.

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Zwischenstation in Amsterdam

Die menschliche Seite Schreuders schätzen sie auch in Hoffenheim ganz besonders. Es gab 2018 wirklich niemanden im Trainingszentrum Zuzenhausen, der es nicht zutiefst bedauert hatte, dass er den Klub Richtung Ajax verließ. Ein besonderer, reifer Charakter, geprägt durch einen tragischen Schicksalsschlag: 2006 starb seine Tochter an einem Gehirntumor.

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Schreuder mag zwar bisher nur begrenzte Erfahrung als Cheftrainer vorzuweisen haben, doch Huub Stevens ist sich sicher: "Alfred hat viel von Julian profitiert und gelernt, umgekehrt auch. Dazu kennt er den Klub in- und auswendig. Ich denke, Hoffenheim hat mit Alfred eine sehr gute Lösung für die Nachfolge von Julian Nagelsmann gefunden."

Auch wenn es noch weitere Kandidaten gegeben hat, Schreuder war von Anfang an in den Gedankenspielen der Klub-Führung präsent: "Er ist ein Trainer mit einem riesigen Erfahrungsschatz als Profi und Coach, der zudem bei Ajax Amsterdam in der vergangenen Runde außerordentliche Arbeit geleistet hat. Doch nicht nur deshalb passt er wunderbar zu uns: Er ist eine gefestigte Persönlichkeit mit einem hervorragenden Charakter und im Hinblick auf die taktische Herangehensweise, seine Spiel- und Übungsformen, die Variabilität in seiner offensiv geprägten Spielidee und seinem Verständnis für die Führung von Mannschaften ist er auf einem sehr hohen Niveau", so Sportdirektor Alexander Rosen gegenüber Sky.

Hoffenheim vor erneutem Umbruch

Nahtlos anknüpfen an die Arbeit seines Vorgängers wird Schreuder dabei nicht ohne Weiteres können, denn mit Demirbay und Schulz hat die TSG wichtige Stützen verloren. Zudem droht der Abgang von Kramaric zum AC Mailand. Gut möglich, dass sie in Hoffenheim kleinere Brötchen backen müssen, als zuletzt: "Wir wissen sehr genau, wo wir herkommen und mit welchem Mitteleinsatz wir uns in den vergangenen Jahren entwickelt haben und wollen diesen Weg fokussiert und zielgerichtet weitergehen", blickt Rosen auf den Ist-Zustand.

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Und der ist dann auf den zweiten Blick doch nicht so großartig anders als in den Jahren zuvor, weil Verkäufe von Leistungsträgern im Kraichgau an der Tagesordnung sind. Firmino, Rudy und Süle sind nur die prominentesten Namen von vielen. Wirklich schlechter geworden sind die Kraichgauer deswegen nie. Und auch wenn Nagelsmann ohne Zweifel Großartiges in Hoffenheim geleistet hat - Schreuder hat auch die Chance, Dinge zu verbessern: In Sachen defensiver Stabilität war in der Ära Nagelsmann noch ordentlich Luft nach oben.

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