Zum Inhalte wechseln

Serie A News: Die Gründe für den Juventus Absturz

Juve nur noch Mittelmaß: Die Gründe für den Absturz

Nico Ditter

01.11.2021 | 17:22 Uhr

Juventus droht, im Mittelmaß der Serie A zu versinken.
Image: Ungemütliche Zeiten in Turin. Die Alte Dame ist im Mittelmaß der Serie A versunken.  © Imago

Die Alte Dame hat den Start in die Serie A komplett verstolpert und droht ohne den abgewanderten Cristiano Ronaldo endgültig im Mittelmaß zu versinken. Der einstige Liga-Primus wankt gewaltig, die Spitze ist bereits außer Reichweite. Eine Entwicklung, die jedoch nicht von ungefähr kommt.

Nach gerade einmal 15 Minuten konnte Juve-Trainer Massimiliano Allegri einen Haken hinter die Partie gegen Hellas Verona setzen. Erst bestrafte der Argentinier Giovanni Simeone einen katastrophalen Fehlpass von Artur und brachte die Gialloblu (die Gelb-Blauen, Anm. d. Red.) mit seinem Treffer frühzeitig auf die Siegerstraße. Nur vier Minuten später war es wieder Simeone, der sich aus der zweiten Reihe ein Herz fasste, Juve-Keeper Wojciech Szczesny traumhaft überwand und auf 2:0 erhöhte.

Die Alte Dame konnte sich von diesem Schock nicht mehr erholen, der Anschlusstreffer des ehemaligen Schalkers Weston McKennie kam zu spät. Am Ende kassierte Juventus folgerichtig die vierte Pleite der Saison. "Es gibt nichts, das wir jetzt sagen können", zeigte sich Allegri via juventus.com enttäuscht. "Wir müssen jetzt Verantwortung übernehmen, arbeiten und weitermachen."

Juve im Mittelmaß angekommen

Der Rekordmeister der Serie A holte aus den vergangenen drei Partien gerade einmal einen Punkt, ist folglich in der Tabelle auf den neunten Rang abgerutscht. "Wir müssen so bescheiden sein und erkennen, dass wir aktuell im Mittelfeld stehen", sagte Allegri zur jüngsten Pleite.

Mit gerade einmal 15 Punkten (vier Siege, drei Unentschieden, vier Niederlagen) hinken die Turiner ihren Erwartungen meilenweit hinterher. Die Spitze ist schon jetzt nur noch mit dem Fernglas zu erkennen. Da Napoli und Milan ihre beeindruckende Form auch am Sonntag mit einem Dreier bestätigten, beträgt der Vorsprung des Duos auf die Alte Dame bereits auf 16 Punkte. An Titelkampf ist für den 36-maligen Rekordmeister aber ohnehin nicht zu denken.

"Jeder von uns muss sich nach diesem Spiel hinterfragen und darüber nachdenken, wie wir das besser machen können", versuchte sich Juve-Star Paulo Dybala zu erklären. "Wenn wir wieder wie Juve spielen, müssen wir auch nichts befürchten." Der Abwärtstrend begann jedoch bereits in der Vorsaison, fand nun lediglich seinen Höhepunkt. Die Gründe dafür sind jedoch offensichtlich.

Juventus droht, im Mittelmaß der Serie A zu versinken.
Image: Auch bei Paulo Dybala läuft es nicht.  © Imago

No Ronaldo, no Party

Obwohl Juventus bereits in der Vorsaison gehörig strauchelte und um ein Haar die Champions League verpasst hätte, konnten sie sich stets auf ihren Torgaranten Cristiano Ronaldo verlassen. Er erzielte in seinen 33 Liga-Einsätzen 29 Tore und bildete die absolute Lebensversicherung. Diese ist jedoch nach seinem Wechsel zu Manchester United weggebrochen.

Mehr dazu

Für die Bianconeri ein Schock, wie Routinier Giorgio Chiellini vor zwei Wochen am DAZN-Mikro erklärte und dabei den Wechselzeitpunkt des sechsmaligen Weltfußballers kritisierte. "Ronaldo ist am 28. August gegangen. Für uns wäre es besser gewesen, wenn er früher gewechselt wäre", so Chiellini. "Wäre er früher gegangen, hätten wir länger Zeit gehabt, uns darauf vorzubereiten." Stattdessen habe Juve mit Punkten bezahlen müssen.

DAZN-Spiele ganz einfach über SkyQ schauen

DAZN-Spiele ganz einfach über SkyQ schauen

DAZN jetzt über Sky buchen und alle Bundesliga-Spiele mit SkyQ auf einer Plattform und Rechnung genießen. Alle Infos.

Angreifer im Formtief

Ein echter Knipser wie CR7 fehlt der Allegri-Elf an allen Ecken und Enden. Dybala ist mit drei Saisontoren bester Torjäger, Alvaro Morata und Moise Kean performen ebenfalls weit unter ihren Möglichkeiten und kommen jeweils auf zwei Treffer. Insgesamt erzielte Juventus gerade einmal 15 Tore in elf Spielen, ist damit ebenfalls nur im Mittelfeld zu finden.

Auch Federico Chiesa ist daran nicht unbeteiligt. Der 24-jährige konnte seine Über-Form aus der Europameisterschaft in der noch jungen Saison zu selten auf den Platz bringen und musste nach einer schwachen Partie gegen Sassuolo gegen Hellas Verona angeschlagen zuhause bleiben. Dennoch musste Chiesa auch zuvor aufgrund zahlreicher Formschwankungen regelmäßig zuschauen - von ihm muss mehr kommen.

Defensive ungewohnt wacklig - de Ligt außen vor

Doch es ist nicht nur die Offensiv-Reihe, die weit unter ihren Möglichkeiten agiert. Mit Chiellini und Leonardo Bonucci spielte am Samstag wieder eine Innenverteidigung, die zusammen 70 Jahre aufweist. Doch auch die Routiniers konnten die Viererkette nicht stabilisieren, leisteten Simeone vor seinem Traumtor beispielsweise maximal Begleitschutz.

Matthijs de Ligt ist in der aktuellen Verfassung ebenfalls keine echte Alternative. Er saß in zwei der vergangenen drei Partien über die volle Distanz auf der Bank, nutzte seine Chance bei der 1:2-Pleite gegen Sassuolo nicht und muss sich nun weiter hinter den Routiniers gedulden. Chiellini und Bonucci müssen die Truppe auch im fortgeschrittenen Alter nach vorne peitschen, weitere Führungsfiguren fehlen. Lediglich Neuzugang Manuel Locatelli hat angedeutet, dass er später in diese Rolle hineinwachsen könnte.

Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!

Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!

Du willst personalisierte Sport-Nachrichten als Push auf dein Handy? Dann hol Dir die Sky Sport App und wähle Deine Lieblingssportarten- und wettbewerbe aus. So funktioniert's.

Allegri auf der Suche nach der besten Elf

Der Europameister ist bisher in jeder Partie zum Einsatz gekommen, hat aber ebenfalls starke Formschwankungen und muss regelmäßig zwischen Bank und Startelf pendeln. Doch auch neben ihm fehlt es vor allem im Mittelfeld an Konstanz und der notwendigen Stabilität. Eine bestmögliche Startelf hat Allegri bislang noch nicht gefunden. So rotiert der Trainer zum Beispiel im defensiven Mittelfeld regelmäßig Adrien Rabiot, Rodrigo Bentancur, McKennie und Artur in die erste Elf.

Spieler, die ihr Potenzial zu selten auf die Wiese gebracht haben und von Weltklasse-Niveau meilenweit entfernt sind. Doch hochklassige Alternativen sind rar, dazu konnte der hochverschuldete Klub (rund 400 Millionen Euro) nicht wie gewünscht auf dem Transfermarkt nachlegen. Neben Locatelli und der festen Verpflichtung von McKennie konnten die Turiner lediglich Moise Kean auf Leihbasis und Nachwuchstalent Kaio Jorge für sich gewinnen. Spielraum für einen adäquaten CR7-Ersatz gab es nicht.

Die Folgen eines verpatzen Umbruchs

Überspielte und in die Jahre gekommene Verteidiger, fehlende Führungsfiguren im Mittelfeld und kriselnde Angreifer, die den Abgang von Cristiano Ronaldo nicht einmal im Ansatz kompensieren konnten. Die Gründe für den Juve-Absturz liegen auf der Hand, der Umbruch wurde verpatzt. Die Konsequenz lässt sich in der Tabelle niederlesen: Die Alte Dame ist im Mittelmaß angekommen. Wenig überraschend, dass sich Juve-Boss Andrea Agnelli daher weiterhin an den Super-League-Plänen festklammern möchte ...

Mehr zum Autor Nico Ditter

Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen

Weiterempfehlen:

Mehr Geschichten