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Favre hat nur einen Angreifer im Kader

Sturm-Not beim BVB: Wer soll die Tore schießen?

von Robin Schmidt

13.07.2018 | 11:30 Uhr

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Watzke schwärmt vom neuen BVB-Trainer Lucien Favre

Rund fünf Wochen vor dem ersten Pflichtspiel herrscht bei Borussia Dortmund ein großes Vakuum im Angriff. Wie dieses gefüllt werden soll, ist derzeit völlig offen. Sowohl externe als auch interne Lösungen sind vorstellbar.

Die Mittelstürmer-Position bei Borussia Dortmund war zuletzt immer prominent und hochklassig besetzt. Robert Lewandowski sowie Pierre-Emerick Aubameyang schossen zwischen 2010 und 2018 zusammen insgesamt 244 Pflichtspieltore. Das Problem: Aktuell ist beim BVB niemand in Sicht, der in diese großen Fußstapfen treten könnte.

Dem neuen Trainer Lucien Favre steht mit Alexander Isak momentan nur ein nomineller Angreifer zur Verfügung. Der 18-jährige Schwede gilt zwar als großes Talent, doch seine Bundesliga-Tauglichkeit konnte er in den wenigen Einsätzen bislang noch nicht nachweisen.

Dabei kann man Michael Zorc nicht vorwerfen, dass er untätig auf dem Transfermarkt gewesen wäre. Im Gegenteil. Der angekündigte Kader-Umbruch ist in vollem Gange. Für den Angriff hat der Sportdirektor die Königslösung bislang aber noch nicht gefunden. Diese wird wohl auch nicht Michy Batshuayi heißen.

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Neustart beim BVB - Favre leitet erstes Training

Portugal-Talent Leao gehandelt

Der Belgier überzeugte in der vergangenen Rückrunde zwar mit einer hervorragenden Torquote (neun Tore in 14 Spielen), doch neben taktischen Mängeln waren auch seine spielerischen Fähigkeiten außerhalb des Strafraums eingeschränkt. Der Chelsea-Torjäger ist nicht der einzige Name, der mit den Schwarz-Gelben in Verbindung gebracht wird.

Zuletzt berichtete die portugiesische Zeitung A Bola, dass der 19-jährige Rafael Leao einen Fünfjahresvertrag beim Vorjahres-Vierten unterschreiben soll. "Junge Talente hat der BVB eigentlich genügend im Kader", schätzt Sky Reporter Jesco von Eichmann die Personalie ein.

Der Portugiese könnte allerdings zum Schnäppchen werden. Zusammen mit mehreren Teamkollegen hatte er seinen Vertrag bei Sporting Lissabon nach einer Hooligan-Attacke im Mai fristlos gekündigt. "Wenn er wirklich ablösefrei zu haben sein sollte, dann könnte es sein, dass der BVB zuschlägt", meint von Eichmann.

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Favre erklärt seine Spielweise mit dem BVB

Balotelli kein Thema

Zudem berichtete Sky UK von einem Interesse an Wilfried Zaha von Crystal Palace. Nach dem Wechsel von Andriy Yarmolenko zu West Ham wolle der Champions-League-Teilnehmer demnächst ein Angebot für 25-Jährigen abgeben. Als Ablöse sollen allerdings rund 55 Millionen Euro im Gespräch sein und "er ist eher der Spielertyp 'Vorbereiter', der vorzugsweise über die Außen kommt. Und da ist der BVB doppelt und dreifach gut besetzt", sagt von Eichmann.

Ablösefrei zu haben wäre dagegen Mario Balotelli. Sein Name geisterte auch durch Dortmund, zumal er in Nizza unter Favre wieder in die Erfolgsspur fand. Ein Wechsel gilt aber als unwahrscheinlich, will man bei den Schwarz-Gelben doch wieder vermehrt auf Identifikation und Disziplin setzen. "Das sind Werte, die nicht unbedingt auf Balotelli zutreffen", stellt von Eichmann fest.

  1. Nach Sky Informationen steht Andrej Yarmolenko nach nur einem Jahr schon wieder vor dem Abschied aus Dortmund. Damit zählt er zu den größten Fehleinkäufen der vergangenen Jahre. Sky Sport präsentiert die Transfer-Flops des BVB.
    Image: Nach Sky Infos steht Andrej Yarmolenko nach nur einem Jahr schon wieder vor dem Abschied aus Dortmund. Damit würde er zu den größten Fehleinkäufen zählen. Hier gibt's eine Reihe an Transfer-Flops des BVB aus den vergangenen 20 Jahren.
  2. ANDREJ YARMOLENKO: Der Ukrainer ist aktuell vom Trainingsbetrieb freigestellt, um Verhandlungen mit anderen Klubs führen zu können. West Ham United aus der englischen Premier League gilt als Interessent.
    Image: ANDREJ YARMOLENKO: Der Ukrainer ist aktuell vom Trainingsbetrieb freigestellt, um Verhandlungen mit anderen Klubs führen zu können. West Ham United aus der englischen Premier League gilt als Interessent.
  3. Yarmolenko kam erst im vergangenen Sommer für 25 Millionen Euro von Dynamo Kiew. Der 28-Jährige konnte die Erwartungen nach einem guten Start jedoch nicht erfüllen. Für die Schwarz-Gelben bestritt er 26 Pflichtspiele und erzielte dabei sechs Tore.
    Image: Yarmolenko kam erst im vergangenen Sommer für 25 Millionen Euro von Dynamo Kiew. Der 28-Jährige konnte die Erwartungen nach einem guten Start jedoch nicht erfüllen. Für die Schwarz-Gelben bestritt er 26 Pflichtspiele und erzielte dabei sechs Tore. © Getty
  4. ADNAN JANUZAJ: Der Belgier galt lange als großes Talent und wurde im Winter 2016 von ManUnited ausgeliehen. Doch nur ein halbes Jahr wurde das Leihgeschäft abgebrochen. Derzeit kickt er bei San Sebastian und bei der WM traf er auch schon für Belgien.
    Image: ADNAN JANUZAJ: Er galt lange als großes Talent und wurde im Winter 2016 von ManUnited ausgeliehen. Doch nur ein halbes Jahr später wurde das Leihgeschäft abgebrochen. Derzeit kickt er bei San Sebastian und bei der WM traf er auch schon für Belgien. © Getty
  5. FLAVIO CONCEICAO: Der Brasilianer wurde 2003 von Real Madrid ausgeliehen und erzielte bei seinem Debüt gegen Schalke kurz nach seiner Einwechslung den Anschlusstreffer zum 1:2. Es war sein einziges Highlight, danach folgten nur noch 15 Einsätze.
    Image: FLAVIO CONCEICAO: Der Brasilianer wurde 2003 von Real Madrid ausgeliehen und erzielte bei seinem Debüt gegen Schalke kurz nach seiner Einwechslung den Anschlusstreffer zum 1:2. Es war sein einziges Highlight, danach folgten nur noch 15 Einsätze. © Getty
  6. JULIAN SCHIEBER: Der Angreifer wechselte 2012 für 5,5 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zum BVB, der Durchbruch blieb ihm allerdings verwehrt. In zwei Jahren erzielte er nur sechs Tore. In der neuen Saison will er beim FC Augsburg wieder angreifen.
    Image: JULIAN SCHIEBER: Der Angreifer wechselte 2012 für 5,5 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zum BVB, der Durchbruch blieb ihm allerdings verwehrt. In zwei Jahren erzielte er nur sechs Tore. In der neuen Saison will er beim FC Augsburg wieder angreifen. © Getty
  7. BACHIROU SALOU: Der Angreifer kam 1998 mit großen Ambitionen nach Dortmund. Er kam für 4,2 Millionen Euro vom MSV Duisburg, traf in 29 Pflichtspielen aber nur sechs Mal. Daher wurde er ein Jahr später an Eintracht Frankfurt verkauft.
    Image: BACHIROU SALOU: Der Angreifer kam 1998 mit großen Ambitionen nach Dortmund. Er wurde für 4,2 Millionen Euro vom MSV Duisburg geholt, traf in 29 Pflichtspielen aber nur sechs Mal. Daher wurde er ein Jahr später an Eintracht Frankfurt verkauft. © Getty
  8. MIKEL MERINO: Ein weiteres Talent, das sich nicht durchsetzen konnte. Der Spanier wurde 2016 für knapp vier Millionen Euro von Osasuna geholt und bestritt nur neun Spiele. Immerhin: Für sieben Millionen Euro wurde er nun an Newcastle verkauft.
    Image: MIKEL MERINO: Ein weiteres Talent, das sich nicht durchsetzen konnte. Der Spanier wurde 2016 für knapp vier Millionen Euro von Osasuna geholt und bestritt nur neun Spiele. Immerhin: Für sieben Millionen Euro wurde er nun an Newcastle verkauft. © Getty
  9. KEVIN KAMPL: Im Winter 2015 wurde der Slowene für satte zwölf Millionen Euro von RB Salzburg geholt. 14 Mal kam er im schwarz-gelben Trikot zum Einsatz, überzeugen konnte er dabei aber nicht. Nach nur acht Monaten wechselte er zu Leverkusen.
    Image: KEVIN KAMPL: Im Winter 2015 wurde der Slowene für satte zwölf Millionen Euro von RB Salzburg geholt. 14 Mal kam er im schwarz-gelben Trikot zum Einsatz, überzeugen konnte er dabei aber nicht. Nach nur acht Monaten wechselte er zu Leverkusen.  © Getty
  10. THOMAS HÄSSLER: Nach dem Abstieg des Karlsruher SC wechselte er 1998 ablösefrei ins Ruhrgebiet und sollte für die großen Glanzmomente im Mittelfeld sorgen. Diese waren rar gesät. Nach nur 19 Einsätzen und drei Toren ging es weiter zu 1860 München.
    Image: THOMAS HÄSSLER: Nach dem Abstieg des Karlsruher SC wechselte er 1998 ablösefrei ins Ruhrgebiet und sollte für die großen Glanzmomente im Mittelfeld sorgen. Diese waren rar gesät. Nach nur 19 Einsätzen und drei Toren ging es weiter zu 1860 München. © Getty
  11. CIRO IMMOBILE: Das große Rätsel. Gekommen für 18,5 Millionen Euro als Torschützenkönig der Serie A, war er in der Bundesliga ein Schatten seiner selbst. Nach zehn Toren wurde er nach einem Jahr abgegeben. Derzeit trifft er bei Lazio nach Belieben.
    Image: CIRO IMMOBILE: Das große Rätsel. Gekommen für 18,5 Millionen Euro als Torschützenkönig der Serie A, war er in der Bundesliga ein Schatten seiner selbst. Nach zehn Toren wurde er nach einem Jahr abgegeben. Derzeit trifft er bei Lazio nach Belieben. © Getty
  12. VICTOR IKPEBA: Der Nigerianer zählt zu den größten Fehleinkäufen. 1999 wurde er für sechs Millionen Euro vom AS Monaco geholt, doch in Dortmund kam er gar nicht zurecht. Nach nur vier Toren in 37 Spielen zog er 2002 weiter nach Libyen zu Al-Ittihad.
    Image: VICTOR IKPEBA: Der Nigerianer zählt zu den größten Fehleinkäufen. 1999 wurde er für sechs Millionen Euro vom AS Monaco geholt, doch in Dortmund kam er gar nicht zurecht. Nach nur vier Toren in 37 Spielen zog er 2002 weiter nach Libyen zu Al-Ittihad. © Getty
  13. NELSON VALDEZ: Auch der Paraguayer konnte die in ihn gesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Wie zuvor in Bremen schaffte er auch im BVB-Trikot nicht den Sprung zum Stammspieler. Zwischen 2006 und 2010 gelangen ihm 18 Tore, danach ging es zu Hercules.
    Image: NELSON VALDEZ: Auch der Paraguayer konnte die in ihn gesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Wie zuvor in Bremen schaffte er auch im BVB-Trikot nicht den Sprung zum Stammspieler. Zwischen 2006 und 2010 gelangen ihm 18 Tore, danach ging es zu Hercules. © Getty
  14. EMRE MOR: Für knapp zehn Millionen sicherte sich der BVB 2016 die Dienste des türkischen Ausnahmetalents. Der Transfer entpuppte sich als Missverständnis, nach nur einem Jahr wurde er an Celta Vigo verkauft.  Dort wurde er zuletzt suspendiert ...
    Image: EMRE MOR: Für knapp zehn Millionen sicherte sich der BVB 2016 die Dienste des türkischen Ausnahmetalents. Der Transfer entpuppte sich als Missverständnis, nach nur einem Jahr wurde er an Celta Vigo verkauft. Dort wurde er zuletzt suspendiert ... © Getty

Sturm-Lösung erst im Winter?

Gegenüber Reviersport hatte Zorc zuletzt deutlich gemacht, dass kein Stürmer einfach nur um des Verpflichtens Willen geholt werde. Heißt im Umkehrschluss: Es ist nicht ausgeschlossen, dass Favre zunächst intern eine kreative Lösung für die Neuner-Position finden muss.

In Gladbach hat der Schweizer bereits bewiesen, dass ein System mit spielenden Halbstürmern erfolgreich sein kann. Als Kandidaten für diesen Part kämen in erster Linie wohl Maximilian Philipp und Marco Reus in Frage.

Fakt ist: Bei der Stürmer-Suche wird noch viel Geduld gefragt sein. Möglicherweise sogar bis zur nächsten Transferperiode im Winter. "Der Kader-Umbau kann auch länger dauern. Das werden wir nicht in einer Transferperiode schaffen", prophezeite Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bereits bei Favres Vorstellung.

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