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Eintracht-Trainer unter Druck

"Vom Denkmal zum Judas" - Niko Kovac kämpft um sein Image

Sky Sport

17.04.2018 | 14:09 Uhr

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Hamann und Hellmann: Kovac erlebt womöglich Saisonende nicht

Nachdem er im Wirbel um seinen Wechsel zum FC Bayern keine gute Figur gemacht hat, will Frankfurts Noch-Trainer Niko Kovac seine Glaubwürdigkeit wiederherstellen. Dazu braucht er Siege.

Es ist nur zehn Tage her, da erklärte Niko Kovac in Frankfurt: "Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass ich im nächsten Jahr hier Trainer sein werde. Stand jetzt ist es so wie es ist."

Seit vergangenen Freitag ist klar: Kovac wird im nächsten Jahr den FC Bayern trainieren - und nicht die Eintracht.

Womöglich könnte seine Zeit in Frankfurt sogar schon früher enden.

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Hamann und Hellmann: Kovac erlebt womöglich Saisonende nicht

"Ich kann mir vorstellen, dass sich etwas tut, sollte Frankfurt auf Schalke im Pokal verlieren", sagte Sky Experte Dietmar Hamann am Sonntag bei "Wontorra - der KIA Fußball-Talk".

Wenn Kovac mit Frankfurt aus dem Pokal fliegt, könnte es sein, dass der Trainer selbst auch fliegt.

"Das Tischtuch ist zerschnitten"

Das Tischtuch zwischen Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic "ist zerschnitten", glaubt Hamann.

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Für viele Fans ist Kovac durch den Wechsel zu Bayern vom Helden, der die Eintracht vor dem Abstieg rettete, zur Reizfigur geworden. "Vom Denkmal zum Judas innerhalb von 24 Stunden". So provokant brachte es der Journalist Frank Hellmann von der Frankfurter Rundschau bei "Wontorra" auf den Punkt. Die Enttäuschung in Frankfurt sei immens.

"Die einzige Chance, die Kovac hat, das Ganze wieder geradezubiegen, ist erfolgreich zu sein", glaubt Sky Reporter Alexander Bonengel.

Verhältnis zwischen Kovac und Bobic "beschädigt"

Drei Tage nach dem Pokalspiel auf Schalke muss die Eintracht am Samstag in der Bundesliga gegen Hertha BSC wichtige Punkte im Kampf um die Teilnahme an der Europa League einfahren.

"Dass der Kovac-Wechsel gerade jetzt herausgekommen ist, wo so viel für die Eintracht auf dem Spiel steht, darüber ist Bobic sauer", sagt Bonengel. Das Verhältnis zwischen Bobic und Kovac sei zwar "beschädigt, aber beide werden das professionell durchziehen", vermutet Bonengel. Auch mangels Alternativen in der Kürze der Zeit.

Sollte Kovac mit Frankfurt die Ziele aber nicht erreichen, droht zumindest sein in den vergangenen Tagen ramponiertes Image weiteren Schaden zu nehmen.

Halbgares Bekenntnis bleibt haften

Bei seinen jüngsten Auftritten in der Öffentlichkeit gab der sonst immer so souverän agierende Coach keine gute Figur ab.

Mit seinem halbgaren Bekenntnis zur Eintracht vor zehn Tagen habe Kovac "etwas angefangen, das er nicht mehr aufhalten konnte", meint Bonengel. Die Aussage sei zu einem Zeitpunkt gefallen, als es höchstwahrscheinlich schon Überlegungen in Richtung Bayern gab. "Es hätten viel mehr Menschen nachvollziehen können, wenn er es nicht kommentiert hätte."

Wie lief der Bayern-Deal? Kovac weicht aus - Matthäus zweifelt

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Nach dem verkündeten Wechsel von Trainer Niko Kovac zum FC Bayern beschäftigt diese Frage die Gemüter: Hat Kovac tatsächlich erst am Donnerstag vom Interesse der Bayern erfahren?

Kovac wirkte nicht mehr wie er selbst

"Er hat sich auch als Tugend- und Sittenwächter des deutschen Fußballs aufgespielt", meinte Hellmann und spielte auf ein Interview an, in der Kovac kritisiert hatte, das Fünfjahresverträge in Deutschland nur noch so viel wie Halbjahresverträge gelten. Früher sei das bei ihm mit einem Handschlag geregelt worden.

"Wenn ein Trainer dann in der Pressekonferenz mit einer Eiseskälte über seinen Abgang spricht, wirkt das nicht mehr glaubwürdig." In dem Moment sei bei Kovac für viele "eine Maske abgefallen" und er habe sich auch mit Blick auf seinen Job beim FC Bayern beschädigt.

Besonders für seine Aussage, er habe erst am Donnerstag vom Angebot aus München erfahren, erntete Kovac von vielen Seiten Kopfschütteln. Auch von den Sky Experten Lothar Matthäus und Christoph Metzelder.

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Metzelder zweifelft am Ablauf des Kovac-Deals

Matthäus glaubt nicht an Blitz-Deal

"Ein Treffen mit Bayern an nur einem Tag nehme ich ihm nicht ganz ab", sagte Matthäus. "Ich kann das nicht glauben. Selbst in der Kreisliga lotet man so etwas aus. Normal gibt es mehrere Gespräche vorher", meinte Metzelder.

Bobic und Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic trafen sich erstmals seit dem Kovac-Wechsel am Montag am Rande der DFL-Managertagung in Frankfurt.

Bobic und Salihamidzic beenden Streit um Kovac-Wechsel

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Am Rande der DFL-Managertagung in Frankfurt kommt es zum Treffen zwischen Fredi Bobic und Hasan Salihamidzic. Das Thema: Natürlich die Wechsel-Posse um den (Noch-)Eintracht-Coach Niko Kovac.

Der Streit sei jetzt "kein Thema" mehr, erklärte Bobic. Damit auch Kovac ohne weiteren Schaden aus der Geschichte herauskommt, braucht er vor allem eins: Erfolg mit der Eintracht.

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