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Werder Bremen News: Kohfeldt im Zwiespalt Vereinstreue

Vereinstreue als Karrierekiller? Der Zwiespalt um Kohfeldt

Peter Bielefeldt

30.04.2021 | 21:35 Uhr

Florian Kohfeldt ist seit 20 Jahren beim Werder Bremen.
Image: Florian Kohfeldt ist seit 20 Jahren bei Werder Bremen. © DPA pa

Florian Kohfeldt und Werder Bremen wollen gemeinsam die Krise an der Weser beenden. Am besten schon im Pokal-Halbfinale gegen Leipzig (ab 20:00 Uhr live auf Sky Sport 1). Noch bekommt der Coach den Rückhalt des Vereins. Der Trainer selbst hat sich erneut freiwillig ins Abenteuer Abstiegskampf gestürzt.

Die goldenen Europacup-Abende sind an der Weser nur noch den älteren Fans von Werder Bremen in Erinnerung. Den Zauberfußball eines Johan Micoud, Diego, Mesut Özil und die Fallrückzieher von Claudio Pizarro bekommen die Fans seit langer Zeit nicht mehr zu sehen.

Zur Crème de la Crème des deutschen Fußballs zählten die Grün-Weißen zuletzt 2009/10 - damals beendete der SVW die Saison auf dem dritten Platz - noch vor Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Doch diese Vereine spielen auch 2021 um die internationalen Plätze mit - Werder Bremen hingegen um den Klassenerhalt. Wieder einmal!

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Sport-Geschäftsführer Frank Baumann von Werder Bremen spricht exklusiv bei Sky90 über den aktuellen Stand bei Trainer Florian Kohfeldt (Videolänge: 4:05 Min.).

Baumann hält an Kohfeldt fest

Der soll mit Trainer Florian Kohfeldt gelingen. Die Unterstützung vom Verein ist dem 38-Jährigen auch nach sieben Bundesliga-Niederlagen in Folge gewiss. "Der Glaube und die Überzeugung, dass wir diese Situation auch mit Florian Kohfeldt bewältigen können, ist nach wie vor da", sagte Werders Sport-Geschäftsführer Frank Baumann bei Sky90 - der Unibet Fußballdebatte.

Zweifel am Trainer scheinen dennoch geblieben: "Nichtsdestotrotz steht das Wohl des Vereins im Fokus. Wir haben eine sehr hohe Wertschätzung von den fachlichen und menschlichen Qualitäten von Florian. Es gibt aber keine Nibelungen-Treue. Man kann auch zu dem Entschluss kommen, dass es nicht passt", fügte der 45-Jährige hinzu.

Sky Reporter Jurek Rohrberg hat eine klare Meinung zu Baumanns Aussagen: "Die Alibi-Rückendeckung für Kohfeldt ist eine Farce. Entweder trennen, oder bis zum Ende der Saison das Vertrauen aussprechen - dieser Zustand ist auch für die Mannschaft kein gutes Zeichen."

Kohfeldt lebt den Verein - ist Werder Bremen durch und durch. Seit 20 Jahren ist der gebürtige Siegener Vereinsmitglied, seit dreineinhalb Jahren auf der Kommandobrücke der Grün-Weißen. 2018 wurde Kohfeldt als Trainer des Jahres ausgezeichnet. 2019 verlängerte Werders Identifikationsfigur seinen Vertrag bis 2023 - in der Hoffnung und Glaube, dass er seinen Herzensverein wieder zu altem Ruhm verhelfen kann.

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Werder Bremen dreht sich im Kreis

Die Unterschrift war zum damaligen Zeitpunkt keine Selbstverständlichkeit. Kohfeldt galt als junge Trainerhoffnung im deutschen Fußball und wurde mit einigen Bundesliga-Konkurrenten in Verbindung gebracht. Doch Kohfeldt blieb an der Weser.

Die Krux: Womöglich kostet ihm diese Vereinstreue eine "bessere Karriere", seine Reputation hat nach den letzten beiden Spielzeiten auch innerhalb des Vereins gelitten.

Denn: Kohfeldt und Bremen scheinen sich im Kreis zu drehen. Die aktuelle Situation hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison kaum verändert. Platz 14 und nur ein Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Ein Déjà-vu für Trainer und Verein. Vor zwölf Monaten zitterten Fans, Mannschaft und Verantwortliche über die Relegation den Super-GAU verhindert zu haben.

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Wackeliges Treuebekenntnis von Frank Baumann: Trainer Florian Kohfeldt arbeitet bei Werder Bremen auf Bewährung. (Videolänge: 1:19 Minuten)

Bremen fehlen Schlüsselspieler

Für Kohfeldt scheint der aktuelle Tabellenplatz auch keine allzu große Überraschung zu sein. Bereits zum Ende der Vorsaison bat der Coach um Bedenkzeit, ob und wie es mit ihm persönlich weitergeht. Wohlwissend, dass er 2020/21 eine wahrscheinlich schwächere Mannschaft vorfindet als in der Saison zuvor.

"Der erneute Einbruch ist keine Überraschung für mich, es ist nahezu der gleiche Kader, die Qualität ist überschaubar und für die Zusammenstellung des Kaders sollte nicht in erster Linie der Trainer zur Rechenschaft gezogen werden", beschreibt Sky Reporter Jurek Rohrberg die aktuelle Lage in Bremen.

Der Sparkurs der Bremer birgt ein sportliches Risiko. Kaum Geld in der Kasse - da ist vor allem ein glückliches Händchen bei der Spielersuche gefragt. Doch dieses Händchen hat Frank Baumann zuletzt kaum bewiesen.

Werder Bremen taumelt der 2. Liga auf Raten entgegen. Den Hanseaten fehlt ein echter Torjäger, ein Abräumer im Mittelfeld, ein kreatives Zentrum und ein Innenverteidiger auf Top-Niveau. Viele Baustellen! Mehr als Abstiegskampf scheint die Mannschaft einfach nicht herzugeben.

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Werder Bremen: Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, über die aktuelle Situation. (Videolänge: 20 Sekunden)

Werder empfängt RB Leipzig im Halbfinale

Noch ist Werder Bremen mit dem VfL Wolfsburg der Leuchtturm des Nordens - aber ein mahnendes Beispiel, wie sich die Lichter langsam verdunkeln, ist beim Erzrivalen Hamburger SV seit drei Jahren zu beobachten.

Sportliche Höhepunkte gab es in Bremen in den letzten drei Jahren dennoch. Im DFB-Pokal erreichten die Norddeutschen zweimal das Halbfinale - am Freitag wollen die Mannen von Florian Kohfeldt gegen RB Leipzig den großen Coup landen. Der sechsfache Pokalsieger träumt vom ersten Titel seit zwölf Jahren.

Das Flutlichtspiel (ab 20:00 Uhr live auf Sky Sport 1) im Pokal bringt zumindest für einen Abend einen Hauch des alten Glanzes ins Weserstadion zurück.

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