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Golf News: Sophia Popov im exklusiven Sky Interview

Golf-Star Popov: "Konnte Menschen mit meiner Geschichte Hoffnung geben"

Sophia Popov hat 2020 deutsche Golf-Geschichte geschrieben.
Image: Sophia Popov hat 2020 deutsche Golf-Geschichte geschrieben.  © Imago

Sophia Popov war kurz davor, ihre Golfschläger in die Ecke zu stellen und sich vom Sport zu verabschieden. Doch im August 2020 überwand sie eine lange Phase aus Misserfolgen und Erkrankungen und siegte sensationell bei den British Open.

Im exklusiven Interview mit skysport.de spricht die 29-jährige Deutsch-Amerikanerin über ihre Cinderella-Story, ihren gewonnenen Kampf gegen die Diagnose Lyme-Borreliose (die in Europa mit Abstand häufigste durch Zecken übertragene Krankheit), ihre Vorbild-Funktion seit dem Sieg bei den British Open und die Entwicklung im Frauen-Golfsport.

Sky Sport: Frau Popov, diese Frage wurde Ihnen bestimmt schon häufig gestellt: Wie sehr hat der Sieg bei den British Open 2020 Ihr Leben - sowohl sportlich als auch privat - verändert?

Sophia Popov: Aus sportlicher Sicht ist es eindeutig. Dadurch, dass ich jetzt die volle Tourkarte habe, habe ich viel mehr Spielmöglichkeiten. Es verändert sich auch die Selbstverständlichkeit, mit der man spielt. Ich habe viel mehr Selbstvertrauen auf dem Golfplatz und auch das Gefühl der Dazugehörigkeit auf der Tour ist ein anderes. Es stehen auch mehr Medientermine an, wodurch alles ein bisschen stressiger geworden ist. Aus privater Sicht hat sich aber nicht so viel verändert. Meine Familie und mein mittlerweile Ehemann Max sind immer noch an meiner Seite - und das ist auch das Schöne daran.

Sky Sport: Ihr Sieg war wie eine Cinderella-Story. War es die Erfüllung eines Kindheitstraums oder wollten Sie eigentlich etwas ganz anderes als Golf-Profi werden?

Popov: Im Alter von 14, 15 Jahren habe ich entschieden, dass ich auf dem College und danach auch professionell spielen möchte. Ich habe früher neben Golf auch Tennis gespielt und da war es das Ziel, in einer der beiden Sportarten Karriere zu machen. Als ich mich für Golf entschieden habe, war es immer mein Traum, ein Turnier zu gewinnen. Ein Major zu gewinnen ist da natürlich das ultimative Ziel. Und somit war das ein Riesentraum, den ich mir erfüllt habe.

Sky Sport: Gab es jemanden, an dem Sie sich orientiert haben?

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Popov: Vorbilder hatte und habe ich auf jeden Fall. Als ich angefangen habe Golf zu spielen, war Tiger Woods der beste Golfer der Welt und jemand, dem ich extrem gerne zugeschaut habe. In der Zeit, als ich aufs College gegangen bin, hat Martin Kaymer einige Majors gewonnen und war damit auch jemand, in dessen Fußstapfen ich gerne folgen wollte. Das waren zwei Spieler, die ich gerne verfolgt habe. Bei den Frauen war es Annika Sörenstam. Ich fand es sehr beeindruckend, wie dominant sie war.

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Sky Sport: Ihr Erfolg bei den British Open ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass Sie große gesundheitliche Probleme hatten und eigentlich kurz davor waren, mit dem Golf aufzuhören. Wie haben Sie es geschafft - neben der Umstellung Ihrer Ernährung - diese schwierige Phase zu überwinden?

Popov: Jetzt ist es für mich leichter darüber zu reden, weil ich aus diesem Loch herausgefunden habe. Es gab ein, zwei Jahre, in denen es mir richtig, richtig schlecht ging. Ich hatte aber zum Glück die richtigen Menschen an meiner Seite. Wenn man in einer solchen Situation nicht das richtige Umfeld hat, kann es auch ganz anders ausgehen. Mir wurde immer gesagt, ich solle nicht aufgeben. Wir würden schon herausfinden, was es ist. Durch meine Eltern und meinen Mann hatte ich es einfacher, weil sie mich immer motiviert haben, die Zeit durchzustehen. Als es mir dann wieder etwas besser ging, war es aus sportlicher Sicht dennoch schwierig für mich. Ich habe in dieser Phase viel Gewicht und Spielstärke verloren und musste sehr viel nach- und aufholen. Das war die schwierigste Zeit, weil ich wusste, wie gut ich spielen kann, aber es bei den Turnieren einfach nicht hinbekommen habe. Sich da durchzukämpfen, war für mich das allerschwierigste und auch der Grund, warum ich fast aufgehört und mir einen anderen Job gesucht hätte, um mir so die mentale Stärke und die Energie zu bewahren.

"Ich finde es wichtig, dass ich das für die Kinder symbolisiere und nicht etwas Unantastbares."
Popov über ihre Vorbild-Funktion

Sky Sport: Körperlich und mental haben Sie es aus diesem Loch herausgeschafft und dabei viele Erfahrungen gesammelt. Geben Sie diese nun auch weiter?

Popov: Ja, das ist für mich eigentlich auch das Wichtigste an dieser Sache und an meinem Sieg. Dadurch habe ich Einfluss auf Menschen, die die gleichen Probleme haben wie ich oder immer noch keine Antworten auf Ihre Krankheit bzw. auf die Symptome haben. Seit dem Erfolg bei den British Open haben mich viele Leute gefragt, wie ich durch diese Phase in meinem Leben gekommen bin. Es war schön zu sehen, dass ich diesen Menschen mit meiner Geschichte Hoffnung geben konnte, indem ich ihnen mitgegeben habe, dass man die Situation durch viel Eigenrecherche und der Ernährungsumstellung bewältigen kann.

Sky Sport: Früher hatten Sie Vorbilder, mit Ihrem Werdegang und den Hürden, die Sie in Ihrer Karriere überwunden haben, dienen Sie heute als Vorbild - besonders im Hinblick darauf, niemals aufzugeben. Wie fühlt sich das an?

Popov: Das ist sehr interessant, weil es zeigt, dass - unabhängig vom Erfolg - wir alle nur Menschen sind, die häufig die gleichen Probleme haben. Es ist schön zu sehen, dass die Perspektive, die ich hatte, in der ich die anderen Spieler gesehen habe, jetzt von Mädchen und Jungs eingenommen wird, die zu mir aufschauen. Ich will ihnen mitgeben, dass man es schaffen kann, wenn man wirklich will und viel Ehrgeiz und Kampfgeist zeigt. Ich finde es wichtig, dass ich das für die Kinder symbolisiere und nicht etwas Unantastbares. Tiger Woods zum Beispiel ist eher eine Person, die für die meiste Golfwelt unantastbar ist. Das möchte ich eigentlich nicht. Ich will einfach jemanden darstellen, der gekämpft und es mit viel Training und Ehrgeiz geschafft hat und dass das für jedermann möglich ist.

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Sky Sport: Jedermann ist das richtige Stichwort - besonders in Bezug auf die Corona-Pandemie, weil wir alle davon betroffen sind. Welchen Einfluss hat diese denn für Ihr Leben und Ihren Sport?

Popov: Anfangs hatte ich das Gefühl, dass die Pandemie mir erlaubt, einen Reset im Hinblick auf Karriere und Gesundheit zu machen. Ich hatte Zeit mich darauf zu fokussieren, gesund zu werden und besser zu spielen. In dem Sinne hatte das einen positiven Effekt auf mich. Aber natürlich denke ich auch an die zahlreichen Menschen, die unter der Pandemie gelitten haben oder immer noch leiden und Verwandte oder Freunde verloren haben. Deswegen muss ich diese beiden Aspekte - persönlich und gesamtheitlich - immer voneinander trennen. Aus sportlicher Sicht macht die Pandemie die Reiserei und das Spielen deutlich schwieriger. In Bezug auf meine Karriere ist es alles etwas anstrengender geworden. Ich muss mir wirklich überlegen, wo ich spielen will, welche Turniere ich lieber auslasse. Die Energie, die einem durch die Reise-Protokolle und den Protokollen bei den Turnieren entzogen wird, ist man natürlich auch nicht gewohnt. Aber im Endeffekt können wir uns alle glücklich schätzen, dass wir überhaupt noch spielen können. Es gibt Menschen, die in deutlich schlimmeren Positionen sind als wir.

Sky Sport: Es gibt eine interessante Dokumentation über Sie, in der Sie sagen: "Wir haben Bernhard Langer, wir haben Martin Kaymer - und mich selbst." Wie fühlt es sich an, etwas erreicht zu haben, was vor Ihnen aus Deutschland bislang nur diese beiden Legenden geschafft haben?

Popov: Das ist wirklich eine coole Sache. Es hat etwas Zeit gebraucht, bis ich das wirklich realisieren konnte. Ich hatte es, um ehrlich zu sein, gar nicht auf dem Radar, dass ich die erste weibliche Major-Gewinnerin aus Deutschland sein würde. Es ist schön, zusammen mit Bernhard und Martin, Teil dieses kleinen Kreises zu sein.

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2020 gewann sie die Women's British Open und schrieb damit Golf-Geschichte: Als erste Deutsche gewinnt sie ein Major. Die Sophia Popov Doku erzählt die Cinderella-Story (Video-Länge: 24:28 Minuten).

Sky Sport: Konnte Sie mit beiden über diesen Erfolg sprechen?

Popov: Mit Martin hatte ich direkt nachdem ich damals meine Scorekarte unterschrieben habe, telefoniert. Und mit Bernhard habe ich vor ein paar Wochen auf einem Charity Event zusammengespielt und wir konnten dort länger darüber sprechen. Dabei ist es interessant, das Mindset der beiden zu sehen. Wenn man ein Major gewinnen konnte, will man natürlich auch noch ein weiteres gewinnen. Das kann man bei beiden sehr gut erkennen.

Sky Sport: Ein weiteres Highlight Ihrer Karriere war bestimmt auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio im vergangenen Jahr. Was ist Ihre schönste Erinnerung daran?

Popov: Es war einfach etwas Besonderes, Deutschland repräsentieren zu können. Ich hatte diesen Traum, seitdem es klar war, dass Golf erstmals olympisch wird in Rio de Janeiro 2016. Leider hat Rio damals noch nicht geklappt. Deshalb war die Freude in Tokio dabei sein zu können, umso größer. Dann noch die olympischen Ringe am Golfplatz zu sehen, war extrem cool und hat das Ganze nochmal besonderer gemacht. Es war insgesamt sehr speziell.

Sky Sport: Hat sich die Wahrnehmung des Frauen-Golfsports in Deutschland seit Ihrem Erfolg bei den British Open verändert? Haben Sie in dieser Richtung etwas wahrgenommen?

Popov: Schon vor meinem Erfolg wurde der Golfsport in Deutschland pandemiebedingt etwas größer. Ich weiß, dass mehr Menschen angefangen haben, Golf zu spielen. Ich habe das gemerkt, als ich nochmal in Deutschland war. Die Mitgliedschaften in den Clubs und die Anzahl der gespielten Runden sind deutlich gestiegen. Durch den Sieg habe ich dann sehr viele Nachrichten auf Instagram und Twitter erhalten - meistens von Eltern, die geschrieben haben, dass ihre Töchter mit Golf angefangen haben und dass ich ein Vorbild für sie sei. Das freut mich natürlich sehr und das habe ich mir auch durch den Sieg bei den British Open erhofft. Ich würde mir auch wünschen, dass ich häufiger nach Deutschland kommen könnte, um die Entwicklung zu sehen. Doch leider ist das durch die Pandemie etwas schwierig. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht und dass der Golfsport in Deutschland mittlerweile etwas anders angesehen wird.

"Wenn man beispielsweise ein Turnier wie die US Open auf einer Anlage hat, wo es zwei Golfplätze gibt und die Frauen und Männer parallel zueinander spielen, wäre das ideal."
Popov über die Möglichkeit, den Frauen-Golfsport zu pushen

Sky Sport: Im Vergleich Deutschland/USA unterscheidet sich der Stellenwert des Golfsports aber immer noch merklich.

Popov: In den USA ist die Begeisterung größer. In den Clubs, in denen ich Mitglied bin, sehe ich zum Beispiel, dass die männlichen Mitglieder sehr gerne mit mir zusammenspielen. Sie sind begeistert, wie weit ich den Ball hauen kann und wie gut ich spiele. Die meisten denken leider noch, dass es einen Riesenunterschied zwischen Frauen und Männern gibt, bis sie dann mit einem Mädel von der LPGA oder von der Ladies European Tour spielen. In Deutschland ist die mediale Aufmerksamkeit beim Frauen-Golf nicht so hoch wie in den USA. Hier werde ich ganz oft auf Turniere angesprochen, die die Menschen medial verfolgt haben. Dadurch steigt die Begeisterung. Auch die Erhöhung der Preisgelder wie beispielsweise bei den US Open trägt einen Teil dazu bei. Insgesamt gleichen sich speziell im Hinblick auf die Preisgelder der Frauen- und Männer-Golfsport so langsam aber sicher immer mehr an. Das würde ich auch gerne in Deutschland sehen.

Sky Sport: Sie haben die Preisgelderhöhung und -angleichung angesprochen. Allerdings sind die Preisgelder bei Frauen-Turnieren im Golf in Relation zu den Männern immer noch viel niedriger als in anderen Sportarten wie zum Beispiel im Tennis. Woran liegt das und wie sehr ärgert Sie das?

Popov: Mittlerweile ärgert es mich nicht mehr so sehr, weil ich mich damit abgefunden habe. Man muss diese Thematik immer aus einer realistischen Perspektive sehen. Beim Tennis haben bei den Grand Slams die Frauen-Matches teilweise mehr TV-Zuschauer als die Herren-Matches. Beim Golf herrscht dagegen noch ein großer Unterschied zwischen Frauen und Männern. Der Männer-Golf-Markt ist einfach noch größer und deshalb muss man es auch realistisch sehen, dass die Preisgelder nicht so einfach angeglichen werden können. Allerdings gibt es im Frauen-Golf wie bereits angesprochen eine positive Entwicklung bei den Preisgeldern. Unsere US Open sind jetzt auch bei einem Prize Pool von insgesamt zehn Millionen Dollar. Das ist vergleichbar mit einem normalen Turnier auf der PGA-Tour. Dass wir diesen Schritt schon mal erreicht haben, ist ganz wichtig für uns, um noch mehr Zuschauer anzulocken und zu generieren. Je mehr Preisgeld involviert ist, desto interessanter ist das Event - auch für die Zuschauer. Da sind wir also auf dem richtigen Weg.

Sky Sport: Ein interessanter Ansatz wird im Skispringen verfolgt, um den Frauen-Wettbewerb mehr Aufmerksamkeit zu verleihen. Es soll eine Vierschanzentournee auch für Frauen stattfinden. Würden Sie sich etwas Vergleichbares auch für den Golfsport wünschen und wie könnte das aussehen?

Popov: Wir - also die Mädels auf der Tour - sprechen das auch schon seit längerem an und würden uns so etwas in der Art sehr wünschen. Es würde dem Frauen-Golf sehr helfen und ich denke, es wäre auch relativ leicht umsetzbar. Wenn man beispielsweise ein Turnier wie die US Open auf einer Anlage hat, wo es zwei Golfplätze gibt und die Frauen und Männer parallel zueinander spielen, wäre das ideal. In der Vergangenheit haben wir schon mal bei Pinhurst auf dem gleichen Golfplatz gespielt, allerdings hintereinander, also eine Woche nach den Herren. Die Zuschauerzahlen waren damals hoch, aber aus meiner Sicht immer noch nicht so hoch, als wenn wir gleichzeitig wie bei einem Tennis-Major gespielt hätten. Es wäre cool, wenn wir das in Zukunft hinbekommen könnten.

Sky Sport: Blicken wir abschließend noch auf die Aktualität. Das Golf-Jahr 2022 steht in den Startlöchern. Welche Ziele haben Sie sich für diese Saison gesteckt?

Popov: Ziel ist, ein Turnier zu gewinnen. Mit diesem Ziel gehe ich in jede Saison. Aber auch das Etablieren in der Weltspitze und konstant gute Ergebnisse einzufahren ist für mich wichtig. Ende vergangenen Jahres war die Energie nicht mehr ganz da, weil die Saison lang war. Ich versuche mir diese Saison gut einzuteilen, um dadurch bessere Erfolge erzielen zu können. Ein paar Top-5-Platzierungen wären schon schön.

Sky Sport: Auf welche Saison-Highlights freuen Sie sich besonders?

Popov: Meine Highlights sind nach wie vor immer die Majors. Auf diese will ich mich in diesem Jahr auch voll und ganz konzentrieren. Letztes Jahr konnte ich das nicht wirklich, weil der Turnierkalender so dicht zusammengepackt war. Dieses Jahr wird es für mich etwas einfacher, mir meinen Turnierplan so zu erstellen, dass der Fokus auf den Majors liegt. Und da sind für mich ganz klar auch wieder die British und US Open die Highlights. Dort will ich gute Ergebnisse erzielen.

Das Interview führte Udo Hutflötz

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