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Die Kolumne von Sky Experte Stefan Kretzschar zum Thema Coronavirus

Kretzschmar: Geisterspiele sind für einige Vereine existenzbedrohend

Stefan Kretzschmar

13.03.2020 | 14:09 Uhr

Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs.
Image: Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs. © Sky

Das Thema Coronavirus macht auch vor dem Handball nicht Halt. Das Test-Länderspiel am Freitag in Magdeburg wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Sky Experte Stefan Kretzschmar spricht in seiner aktuellen Kolumne über die Folgen des Virus für Bundesligavereine und Spieler.

Es ist ein besonderer Zustand in Deutschland, dass so ein Virus das öffentliche Leben lahmlegen könnte. Das sieht man in allen Bereichen, auch wirtschaftlich. Wer da alles darunter leidet, da kann man von A bis Z alles durchgehen, wie zum Beispiel Messebauer, Fluggesellschaften oder die Tourismusbranche.

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Test-Länderspiel am Freitag vor einer Geisterkulisse

Jetzt kommt das Virus in unserer Sportart an. Nicht nur, dass man sagt, es macht keinen Spaß, vor leerer Kulisse zu spielen. Wir haben am Sonntag überlegt, ob man den Spielplan nach hinten verschieben kann - aber das geht ja überhaupt nicht. Man muss die Spiele stattfinden lassen, sich an den Plan halten. Damit man Mitte Mai eine Messbarkeit und eine Tabelle hat und jeder für die kommende Saison planen kann. Man kann nicht einfach sagen, wir machen mit der Liga einen Monat Pause. Das passt auch nicht mit dem internationalen Spielplan zusammen, das ist alles schon Wahnsinn und verrückt.

Ich finde es, in Anbetracht der Situation, die da jetzt kommen kann, ganz schön bedenklich und beängstigend für die LIQUI MOLY HBL. Das Test-Länderspiel am Freitag findet vor einer Geisterkulisse statt, das ist natürlich im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft sehr negativ, aber es gibt auch Vereine in der Bundesliga, für die es existenziell auch bedrohlich wäre, auf Zuschauereinnahmen von Heimspielen verzichten zu müssen. Es könnte dann zur Folge haben, dass Spieler in die Pflicht genommen werden und auf Gehälter verzichten müssten.

Die wichtigste Frage ist: Wer ist für solche Ausfälle dann zuständig? Leistet dann jemand Reparationszahlungen? Ich habe keine Ahnung, wie das vonstatten gehen soll. Ich glaube, dass es einige Vereine gibt, die Rücklagen haben und einige Vereine, die sicherlich ihre Budgets mit der heißen Nadel stricken und so ein Verlust an Einnahmen von zwei oder drei Heimspielen kann da schon schwierig sein. Deswegen ist die Sache aus meiner Sicht ganz schön gefährlich.

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Stefan Kretzschmar spricht in seiner Kolumne über die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs.

Keine Hilfe durch Sponsoren möglich

Sponsoren greifen wohl nicht ein, weil die auch so schon an ihrem Limit gehalten werden. Vereine schließen Sponsorenverträge ab und es ist ja kein Usus, dass während der Saison da noch einmal nachgelegt wird - im Gegenteil: Sponsoren planen mit ihrem Etat und können nicht uneingeschränkt nochmal nachschießen. Da gehen auch die Sponsoren der Füchse Berlin und die aller anderen Vereine an ihre Grenzen. Deswegen ist das kein Szenario, was man den Vereinen aufbürden könnte.

Es ist natürlich nicht praktikabel, dass man seine Sponsoren in so einer schweren Situation in die Plicht nimmt. Eigentlich sollte der Staat in solchen Fällen einspringen. Ich habe dazu am Sonntag eine Theorie gehört: Solange es eine Epidemie ist, muss der Staat nicht dafür aufkommen. Wenn der Staat sagt, es ist eine Pandemie, dann müsste er für solche Ausfälle und Situationen aufkommen. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen, dass ist nur so eine Laien-Information. Aber das würde dann sicherlich teuer werden. Da müsste sich dann aber der Sport wohl hinten anstellen, weil da Wirtschaftsunternehmen zuerst Ansprüche haben.

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Niemand will Entscheidungen treffen

Als die Mitteilung von Gesundheitsminister Jens Spahn rumging - was ja nur eine Empfehlung war - das bringt die Vermutung nahe, dass wenn er eine Entscheidung treffen würde, dann hätte man, glaube ich, Regressansprüche, die man geltend machen könnte. Aber solange die Politik nur eine Empfehlung ausspricht, kann sie nicht in die Verantwortung gezogen werden. Dann muss es wieder jemand anderes entscheiden.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wird diese Entscheidung nicht treffen, sondern die Fachleute vor Ort, also die Gesundheitsminister der Bundesländer und andere, werden die Entscheidungen treffen. Also auch da ist wieder die Entscheidung weiter delegiert worden. Das ist alles sehr undurchsichtig und wenig konkret genug. Klar, man möchte selber nicht dafür belangt werden. Deswegen überlässt man es anderen.

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Spieler- und Mitarbeiter-Gehälter kürzen

Aber für die DFL ist es auch eine ganz andere Ausgangsposition, weil da ganz andere Budgets herrschen und andere Rettungspakete greifen könnten. Aber im Handball sind zwei bis drei Heimspiele für einige Vereine tatsächlich existenzbedrohend.

Wenn ein Verein kurz vor der Insolvenz steht durch Fremdverschulden, dann kann man eben Gehälter von heute auf morgen nicht mehr bezahlen. Das betrifft beispielsweise auch die Messebauer bei der Leipziger Buchmesse. Im Sportverein kann man seine Arbeitnehmer nunmal nicht entlassen und den Laden dicht machen. Da hat man Verträge und man muss sich mit den Spielern an einen Tisch setzen, genauso wie mit Sponsoren, mit der Liga allgemein. Es sind unfassbar wichtige Fragen, die uns in den nächsten Tagen beschäftigen werden.

Da muss man schon daran appellieren, dass wir alle in einem Boot sitzen. Und es könnte durchaus darin enden, dass man die Spieler in die Pflicht nimmt und sagt: 'Männer in so einer Situation können wir die Gehälter in vollem Umfang nicht mehr zahlen.' Die Vereine müssen ja dann ebenfalls verzichten. Deswegen macht mir das auch irgendwie Angst und Kopfzerbrechen. Ich sehe das längst nicht so gelassen, wie viele andere in unserer Gesellschaft.

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Schließt man sich der Panikmache an?

Ich bin kein Virologe und kann überhaupt nicht einschätzen, wie gefährlich der ist im Vergleich zu einem normalen Grippevirus, der auch sehr viele Tote in der Weltbevölkerung erzeugt. Diese Gefahr kann man so schlecht einschätzen als normaler Bürger - schließt man sich jetzt der Panikmache an und tätigt Hamsterkäufe und zieht sich in sein Haus zurück. Oder man nimmt diesen Virus persönlich wie einen normalen Virus, wäscht sich die Hände und versucht sich hygienisch zu verhalten und schließt sich der Panikmache nicht an. Ich kann das nicht einordnen, aber es macht mir persönlich schon Angst.

Man liest in letzter Zeit in diesem Zusammenhang oft das Wort "Verantwortung" - das hat jeder Veranstalter von Großveranstaltungen. Die Verantwortung gegenüber der Gesundheit seiner Mitarbeiter, der Fans, der Leute, die zum Spiel kommen. Das sollte ganz oben auf der Agenda stehen. Ich glaube nicht, dass wir eine andere Chance haben, als unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder nicht mehr als 1000 Zuschauer zu spielen. Wie lange das dauern wird? Keine Ahnung. Ob da die Fußball Europameister oder die Olympischen Spiele von betroffen sein werden - das weiß man ja jetzt noch gar nicht Die Kurve entwickelt sich exponentiell nach oben, aber dass da irgendwann der Punkt kommt, wo man sagt, man hat es im Griff, ist jetzt nicht absehbar.

Die Gefahr, dass dieser Virus einige Bundesligavereine stark bedroht, ist schon groß. Das kann man nicht einfach so wegdrücken. Es ist ein Thema, dass uns alle an den Tisch bringt und wiedermal zu einer großen Solidarität auffordert.

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