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Die Kolumne von Sky Experte Stefan Kretzschmar

Kretzschmar: Flensburg hat einen Pferdefuß

Stefan Kretzschmar

05.12.2019 | 12:52 Uhr

Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs.
Image: Stefan Kretzschmar analysiert in seiner Kolumne die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs. © Sky

Stefan Kretzschmar spricht regelmäßig über die wichtigsten Themen aus der Welt des Handballs. Da die VELUX EHF Champions League in die Winterpause geht, liefert "Kretzsche" ein Zwischenfazit zu den Auftritten der deutschen Teams. Zudem nennt er seine Top 4 für das Finale in Köln.

Die VELUX EHF Champions League geht in die Winterpause - Zeit für ein Zwischenfazit! Nach anfänglicher Tabellenführung muss man ein bisschen Ernüchterung einkehren lassen bei der SG Flensburg-Handewitt, denn die Niederlage gegen Aalborg Handbold war die sechste Pleite in Folge. Es war eine Art Schicksalsspiel.

Es besteht zwar noch die Chance, beim Auswärtsspiel in Zagreb einiges gerade zu biegen und den Einzug ins Achtelfinale doch noch zu schaffen, aber das ist schon ernüchtern gewesen und aus deutscher Sicht traurig.

Weitergedacht hätte man sich schon gewünscht, dass es zu einem eventuellen Viertelfinale Kiel gegen Flensburg kommt. Dann wäre es gesichert, dass auf jeden Fall eine deutsche Mannschaft im Final Four ist. Das steht jetzt auf der Kippe.

1:52
VELUX EHF Champions League. Die SG Flensburg-Handewitt kassiert die sechste CL-Niederlage am Stück. Mit 29:32 (15:18) geht auch das Rückspiel gegen den dänischen Meister Aalborg Handbold verloren (Videolänge: 1:52 Minuten).

Sechs Niederlagen in Folge - warum?

Der Ausfall von Simon Hald wiegt natürlich schwer - den ersetzt man eben nicht einfach so. Und ein Holger Glandorf bräuchte man halt schon auch topfit als Ersatz für Magnus Röd, damit dieser mal ein paar Verschnaufpausen bekommt. So muss die SG häufiger mit einem Rechtshänder auf Halb Rechts agieren, was für Flensburg ungewöhnlich ist und ihrem Spiel nicht unbedingt entgegenkommt.

Des Weiteren müssen auch Jim Gottfridsson und Göran Sögard Johannessen lange Spielzeiten gehen, die Tiefe im Flensburger Kader ist dieses Jahr nicht enorm, die ist noch ein bisschen der Pferdefuß bei den Nordlichtern. Das führt natürlich dazu, dass Röd und Johannessen, die noch verdammt jung sind und einfach auch Zeit brauchen, so viel Spielzeit absolvieren müssen.

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Angeschlagene Spieler und Sieben-Meter-Schwäche

So hat sich das Flensburg die Entwicklung der Spieler sicherlich nicht vorgestellt. Und dass die beiden in ihrem Alter natürlich noch nicht konstant auf einem hohen Level spielen, ist auch klar. Dann fehlt natürlich auch der Abwehrboss. Klar hat man mit Jacob Heinl nochmal jemand zurück geholt, der keine Integrationsprobleme hat, der sofort im System verankert ist und der auch die Werte der SG verkörpert wie kein Zweiter, aber auch er war gegen Aalborg angeschlagen und das wirft Flensburg natürlich zurück.

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Hinzu kommt eine vorher nie da gewesene Sieben-Meter-Schwäche, auch das ist ein bisschen symptomatisch für die Saison der Flensburger. Da ist so ihre Selbstsicherheit und Unbekümmertheit der vergangenen zwei Jahre verloren gegangen.

1:52
Nach anfänglichen Startschwierigkeiten dreht der THW Kiel die Partie gegen Montpellier HB und sichert sich den Sieg durch eine Parade von Niklas Landin in der letzten Sekunde (Videolänge: 1:52 Minuten).

PSG und Barca mit Demonstration

Bei Kiel ist das anders, der THW ist noch immer Spitzenreiter und wird auf jeden Fall das Achtelfinale erreichen, vielleicht schaffen sie direkt die Qualifikation für das Viertelfinale. Dort ist zwar auch nicht alles Gold was glänzt, aber bei den Zebras ist mit außergewöhnlichen Siegen in Veszprem und in Skopje die Welt sicherlich in Ordnung.

Für mich sind Barca und Paris Saint-Germain HB sicherlich die beiden stärksten Mannschaften in Europa. Das hat man beim Duell am Sonntagabend auch gesehen, handballerisch war das vom allerfeinsten und eine absolute Demonstration. Die Topstars beider Mannschaften haben gezeigt, warum sie die Topstars sind und sind da nix schuldig geblieben. Paris hätte das Spiel auch gewinnen können, es war keine Machtdemonstration von Barcelona, beide sind absolut auf Augenhöhe. Es war aber schon ein kleines Ausrufezeichen. Barca hat gezeigt, wozu sie in der Lage sind und das sie dieses Jahr die Königsklasse unbedingt gewinnen wollen.

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Stefan Kretzschmar spricht in seiner Kolumne über die spannendsten Themen aus der Welt des Handballs.

Meine Top 4 für Köln

Aber auch Veszprem stabilisiert sich gerade. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sie jetzt ihren Rhythmus gefunden, allen voran mit einem überragenden Petar Nenadic. Das zeigt der deutliche Sieg in Skopje, auch das ist ein Ausrufezeichen. Die üblichen Verdächtigen setzen sich wohl wieder durch und kommen ihrer Form immer näher. Auch Kielce untermauert seine Ansprüche auf das Final Four. Natürlich kann es die ein oder andere Überraschung geben, aber die großen Mannschaften sind auf Kurs.

Außer Vardar Skopje, die Zeit ist da abgelaufen, die Abgänge sind zu groß. Aber man muss Skopje immer zutrauen, wenn sie sich fürs Achtelfinale qualifizieren, dass sie da dann nochmal in zwei Spielen über sich hinauswachsen. Skopje ist so eine Final Four Mannschaft, die hat in den letzten Jahren keiner so auf dem Zettel gehabt und trotzdem gewinnen sie 2019 die Trophäe.

PSG, Barcelona, Veszprem, Kiel und Kielce sind derzeit die stabilsten Mannschaften - und wenn es von der Konstellation passt, dann sehe ich das Final Four mit diesen Teams, aber ohne Kielce.

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