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Handball News: Kiels Torwarttrainer und Ersatz-Keeper Andersson im Porträt

Torwarttrainer & Edel-Joker: die zwei Welten des Mattias Andersson

Isabel Barquero Pena

18.10.2020 | 15:29 Uhr

2:15
Keiner kennt sich mit der Rivalität zwischen Kiel und Flensburg so gut aus wie er: Mattias Andersson steht vor seinem 54. Nordderby. Der Kieler Torwarttrainer spricht über seine neue Doppel-Rolle als Ersatz-Torwart (Videolänge: 2:15 Minuten).

Es war mehr oder weniger die Sensation zum Saisonauftakt der Handball-Bundesliga - Mattias Andersson feiert sein Comeback im Tor. Aufgrund der Verletzung von Landin sprang der eigentliche Kieler Torwarttrainer spontan ein. Sky hat mit ihm über seine beiden Welten auf der Bank und im Tor gesprochen.

Es ist der 2. Spieltag in der LIQUI MOLY HBL, der THW Kiel bittet die TSV Hannover-Burgdorf zum Duell. Die Anzeige sagt 12:14, die Recken führen in der 25. Spielminute. Kiels Keeper Dario Quenstedt zeigt bis dato keine Glanzleistung - ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel. Trainer Filip Jicha bringt aber nicht Nachwuchsspieler Philip Saggau, sondern Torwarttrainer Mattias Andersson. Es ist sein Comeback zwischen den Pfosten - sein letztes Spiel bestritt er am 3. Juni 2018 für die SG Flensburg-Handewitt.

"Wer hätte das gedacht? Ich nicht!"

Eigentlich hatte der schwedische Weltklasse-Torwart seine Schuhe bereits an den berühmten Nagel gehängt. Doch der Ausfall von Stammkeeper und Welthandballer Niklas Landin hatte dem THW schwer zugesetzt - der Däne fällt nach einer Meniskusoperation rund sechs Wochen aus - sodass einfach der Torwarttrainer wieder reaktiviert wurde.

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Handball-Bundesliga, 2. Spieltag: Im zweiten Spiel innerhalb von zwei Tagen kann der THW Kiel gewinnen. Mit 34:31 besiegen die Kieler TSV Hannover (Videolänge: 1:44 Min.).

Für den THW Kiel schien es die einfachste Lösung, denn das nötige Kleingeld für einen neuen Spieler ist aufgrund der Corona-Krise ohnehin nicht vorhanden. Mit Andersson als Ersatz-Keeper bekomme der amtierende Meister zusätzliche Sicherheit und Flexibilität, "die man auch immer bei einer möglichen Quarantäne in die Planungen mit einbeziehen muss", erklärte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi die Entscheidung.

Andersson selbst, der bereits von 2001 bis 2008 für den THW gespielt hatte, schrieb auf seinem Instagram-Kanal: "Wer hätte gedacht dass ich 19 Jahre später wieder für den gleichen Klub spielen würde? Ich nicht!"

Der neue Alte mit der Nummer 99 auf der Bank

Nun sitzt er wieder im Torwarttrikot auf der Bank - mit einer ungewohnten Rückennummer. "Ich habe die Trikotnummer meines Sohnes genommen, denn er wollte, dass ich die 99 nehme", erläutert Anderson.

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Joker-Oldie Matthias Andersson spricht über mögliche Einsätze und seine ungewöhnliche Rückennummer (Videolänge: 4:05 Min.).

Doch wie einfach ist es für ihn, den Spagat zwischen der Trainer- und Joker-Rolle zu schaffen? "Es ist eine besondere Situation. Ich bin immer noch Torwarttrainer, gleichzeitig aber auch Spieler. Ich versuche, beides zu kombinieren. Hauptsächlich bin ich Trainer und da, um die Jungs weiterzubringen und sie zu unterstützen. Da muss man einfach einen Mittelweg finden. Aber das haben wir alle gut hingekriegt", so der 42-Jährige gegenüber Sky.

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"Das ist nur der Instinkt"

Wie wichtig Andersson in seiner neuen Rolle ist, bewies er mit seinen zwei wichtigen Paraden gegen die TSV Hannover-Burgdorf. Dass der amtierende Meister am Ende mit 34:31 (17:18) gewann, lag auch an ihm, denn er verkürzte den THW-Rückstand vor der Pause von 12:15 auf 15:16. Durch Anderssons Einsatz bekam Quenstedt die nötige Pause zum Durchschnaufen - entscheidend für den zweiten Durchgang, denn mit insgesamt elf abgewehrten Bällen sicherte Quenstedt den Kielern Sieg.

Eine kluge Einwechslung von Jicha, die sich auch für Andersson gelohnt hat: "Mit dem Einstand war ich zufrieden, so eine Parade trainiert man nicht, das kommt ja einfach. Es ist spannend zu sehen, wie es aus dem Moment zurückkommt. Das ist nur der Instinkt." Der Joker-Oldie weiß dennoch, dass er nicht mehr an seine Sternstunden anknüpfen kann: "An den ersten Tagen fehlte noch das Timing und natürlich bin ich auch nicht mehr so schnell wie früher."

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Das Training in den ersten Tagen hat der "alte Schwede" vor allem in den Knochen gespürt. Es mache dennoch riesen Spaß. Und für Andersson hat seine Doppel-Rolle nur Vorteile. "Es gibt mir auch einen anderen Einblick in mein Torwarttraining, wenn ich erst hinter der Abwehr stehe und dann wieder Trainer bin. Das Selbsterlebte sehe ich als großen Vorteil, die 3-2-1-Deckung habe ich beispielsweise als Spieler so selber noch nicht gespielt. Das ist etwas Neues für mich, diese Erfahrungen kann ich in mein Trainerdasein mitnehmen."

Besonderes Nordderby für Andersson

Am Sonntag trifft Andersson nun erneut auf einen ehemaligen Verein. Von 2011 bis 2018 war der Schwede nämlich beim Nordkonkurrenten SG Flensburg-Handewitt aktiv. Dort erreichte er sogar Legenden-Status. Und obwohl Andersson mehr als die Hälfte aller 102 Nordderbys miterleben durfte, so ist das Duell am Sonntag (ab 13 Uhr live auf Sky Sport 2) doch etwas besonderes für ihn. "Es ist ein Privileg bei solchen Partien mitspielen zu dürfen. Es sind auch die ersten, die du vermisst, wenn du aufhörst."

Mit Lasse Svan und Jim Gottfridsson trifft Andersson auf zwei ehemalige Teamkollegen. Einen Interessenskonflikt wird es für ihn dennoch nicht geben: "Es ist nicht das erste Mal, dass ich gegen Spieler spiele, mit denen ich davor zusammengespielt habe. Es ist nur was Neues, weil ich aufgehört hatte. Für alle ist es eine Ausnahmesituation, das hat niemand erwartet und es hat ja auch niemand darauf gehofft. Für mich geht es darum, alles zu geben für die Aufgabe, die man jetzt hat. Als Spieler, aber auch als Trainer."

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Joker-Rolle mit Ablaufdatum

Seine Emotionen dürfte Andersson also unter Kontrolle haben - wobei Adrenalin und dieses besondere Kribbeln gehören für ihn einfach dazu. Sonst hätte er wohl auch kein Comeback gestartet. Mit seiner Ersatzrolle ist Andersson zufrieden, "auch wenn man als Sportler immer spielen will - weil es das Geilste ist, was du machen kannst." Dennoch wisse er, dass es eine begrenzte Aufgabe sei.

Und auch wenn sein Torwart-Einsatz ein Ablaufdatum hat, so hat der 42-Jährige bewiesen, dass er seine Qualitäten - die ihn nunmehr seit über 25 Jahren im Profihandball begleiten - trotz Alter und Pause konservieren konnte. Und egal ob als Aktiver zwischen den Pfosten oder als Trainer auf der Bank - die Lust und Leidenschaft für den Sport und insbesondere für diese heißen Duelle im Norden sind ihm noch längst nicht vergangen.

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