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Sky Kommentator Marcel Meinert gibt exklusive Einblicke zum Davis Cup

Der Davis Cup ist tot, Team-Tennis lebt - aber wie geht's weiter?

Marcel Meinert

25.11.2019 | 20:15 Uhr

So sehen Sieger aus: Rafael Nadal und sein Team konnten den Davis Cup zum sechsten Mal gewinnen.
Image: So sehen Sieger aus: Rafael Nadal und sein Team konnten den Davis Cup zum sechsten Mal gewinnen. © DPA pa

Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Mit dem traditionsreichsten Wettbewerb der Tennis-Geschichte haben die neuen Davis Cup-Finals, die in der vergangenen Woche in Madrid erstmals ausgetragen wurden, rein gar nichts mehr zu tun. Der Davis Cup ist tot!

Gastgeber Spanien entschied am Sonntag dank eines furios aufspielenden Rafael Nadal die Premieren-Ausgabe des von der Kosmus-Gruppe um Fußball-Star Gerard Pique organisierten "World Cup of Tennis" - so werden die Davis Cup-Finals seit diesem Jahr auch genannt - für sich und wurde von 12.500 Fans in der Caja Magica frenetisch gefeiert. Erstmals waren 18 Teams an einem Ort zusammengekommen, um den Davis Cup-Sieger zu ermitteln.

Spanien triumphiert beim Davis Cup

Spanien triumphiert beim Davis Cup

Nadal und Co. sichern sich den Titel zum sechsten Mal

Sky-Kommentator Marcel Meinert hat sich vor Ort einen Eindruck des neuen Wettbewerbs verschafft und fasst Tops und Flops zusammen und hat den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag in der Hinterhand.

Top

Rafael Nadal - Das war die Woche der Nummer eins der Welt! Rafael Nadal hat bewiesen, dass er auch auf einem Hartplatz in der Halle die Konkurrenz dominieren kann und nebenbei auch noch ein herausragender Doppel-Spieler. Wer Zweifel an der körperlichen Leistungsfähigkeit hatte, wurde vom Mallorquiner eines Besseren belehrt. Nadal absolvierte acht Matches in sechs Tagen, strotzte vor Überzeugung und führte Spanien zum sechsten Davis Cup-Sieg der Geschichte.

Die neuen Davis Cup-Finals wurden dieses Jahr in Madrid ausgetragen.
Image: Rafael Nadal verlor in Madrid kein einziges Einzel. © DPA pa

Die Matches - In Bezug auf die sportliche Qualität waren die Davis Cup-Finals über jeden Zweifel erhaben und lieferten eine ganze Reihe von packenden und dramatischen Begegnungen. Gerade für ein Turnier, das in der letzten Woche des Tennisjahres stattfindet, konnten sich die Matches wirklich sehen lassen. Alle waren mit Feuereifer bei der Sache. Die Finals sind neben dem Laver Cup ein weiterer Beweis dafür, dass Team-Tennis keinesfalls aus der Mode gekommen ist. Es bleibt ein besonderes Erlebnis für sein Land zu spielen.

Große Emotionen - Leidenschaft, Jubel, Tränen - als es in der K.o-Phase drauf ankam, bot die Woche von der Emotion her, alles was sich Sportfans nur wünschen können. Ein Höhepunkt war fraglos die tränenreiche Pressekonferenz der Serben nach ihrem bitteren Viertelfinalaus. Roberto Bautista Agut verließ unter der Woche das spanische Team, um seinem sterbenden Vater beizustehen. Nach dessen Tod kehrte er zurück und legte im Finale den Grundstein zum Sieg. Gänsehaut pur!

KraMies in Action: Kevin Krawietz und Andreas Mies waren bei ihrem Davis-Cup-Debüt hochkonzentriert.
Image: KraMies in Action: Kevin Krawietz und Andreas Mies waren bei ihrem Davis-Cup-Debüt hochkonzentriert.  © DPA pa

Double-Trouble - Die Woche von Madrid war Werbung für den Doppel-Sport. Gerade in den nach zwei gespielten Einzeln alles entscheidenden Doppel in Viertel- und Halbfinale spielten sich in Weltklasse-Matches echte Tennis-Dramen ab. Auch das deutsche Doppel Kevin Krawietz/Andreas Mies zeigte einmal mehr, dass sie sich zurecht in der Weltklasse etabliert. Bei ihrem Davis Cup-Debüt blieben sie in zwei Matches ungeschlagen.

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Gastfreundlichkeit - Jeder der Helfer und Mitarbeiter in der Caja Magica war bemüht Zuschauern, Spielern und auch den Journalisten den Aufenthalt in der Metropole so angenehm wie möglich zu gestalten. Sieht man davon ab, dass es für 18 Teams gerade zu Beginn der Woche zu wenige Trainingsplätze gab, wurden gerade die Aktiven bestens umsorgt. In Bezug auf Unterbringungen, Fahrdienst oder Verpflegung blieben praktisch keine Wünsche offen.

Flop

November in Madrid - Die Caja Magica ist in erster Linie für eine Outdoor-Veranstaltung konzipiert und zeigte bei tristem November-Wetter (7 Grad & Regen) ihre Schwachstellen. Wer ohne dicke Jacke aus den gut gewärmten Hallen ins Freie trat, konnte gleich den Krankenschein für den nächsten Tag ausfüllen. Es zog an allen Ecken und Ende wie Hechtsuppe. Kein Wunder, dass die meisten Sitzgelegenheiten in der „Public Area" verwaist blieben.

Zuschauerzuspruch - Ohne Heim- und Auswärtsspiele ist es einfach kein richtiger Davis Cup. Punkt. Spanien spielte ausnahmslos vor ausverkauftem Haus und hatte dadurch einen erheblichen Vorteil. Auch die Fangruppen der Teams aus Südamerika (Argentinien, Chile oder Kolumbien) sorgte für gute Stimmung. Insgesamt lag die Gesamtauslastung der Arenen über die gesamte Woche (danke des spanischen Finaleinzugs) zwar bei knapp 70 Prozent, doch gerade in den beiden kleineren Hallen waren die vielen freien Plätze offensichtlich. Kein Wunder bei Eintrittspreisen von 47 Euro für - beispielsweise - das Duell Kasachstan gegen die Niederlande. Letztlich gerade die Matches der kleineren Nationen nicht so massenkompatibel wie ein Masters-Turnier. Die meisten Fans haben sich im Zweifel für die Center Court-Tickets entschieden und so blieben auf den anderen Plätzen häufig nicht viel mehr als die rund 300 Zuschauer zurück, die von beiden Teams mit kostenlosen Tickets versorgt werden konnten.

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Modus - Der Versuch 18 Teams an ein und demselben Ort zusammenzubringen, hat sich nicht ausgezahlt. Viele attraktive Partien rückten zu sehr in den Hintergrund und wurden zu wenig beachtet. Völlig unterschätzt wurde zudem, wie lange zwei Einzel und ein Doppel auch im Modus „Best of Three" dauern können. Nicht zu vermitteln war außerdem, dass bei einem 2:0-Zwischenstand, das letzte Doppel noch wichtig ist, weil es im Kampf um die beiden besten Gruppenzweiten, die ebenfalls das Viertelfinale erreichen, um jeden Spielgewinn ankommt. Der Gipfel war schließlich das abgesagte Doppel der Kanadier gegen die USA, das mit 6:0, 6:0 gewertet wurde und die US-Boys einen klaren Wettbewerbsvorteil hatten (auch wenn dieser nicht genutzt werden konnte). Selbst für die Spieler waren diese Konstellationen schwer zu durchschauen.

Ansetzungen - Die Veranstalter sind sich mit ihrem Zeitplan selbst ins offene Messer gelaufen. Bei Spielbeginn um 11 Uhr zwei Einzel und ein Doppel bis zum Beginn der Night-Session um 18 Uhr durchbringen zu wollen, erwies sich als zu ambitioniertes Vorhaben. So mussten die Zuschauer der späten Spiele lange in der Kälte ausharren, ehe sie ins Stadion durften. Den Vogel schoss das bedeutungslose Doppel zwischen Italien und den USA ab, dass um 4.04 Uhr beendet wurde. Kaum auszudenken, wenn eine der beiden Mannschaften am nächsten Tag hätte spielen müssen.

Cheforganisator Gerard Pique mit seiner Ehefrau Shakira
Image: Cheforganisator Gerard Pique mit seiner Ehefrau Shakira  © DPA pa

Kommunikation - Cheforganisator Gerard Pique zeigte sich gleich zu Beginn der Woche dünnhäutig in Bezug auf Kritik und verteidigte die Veranstaltung in der Folge wie seine eigenen Kinder. Nebenbei spannte er noch Ehefrau Shakira gekonnt in die PR-Maschine mit ein und verschaffte ihr einen Auftritt im Rahmen der Abschlussfeier. Wichtige Absagen wie von Russlands Top-Star Daniil Medvedev wurden in Nebensätzen mitgeteilt. Penibel wurde darauf geachtet, keine negativen Meldungen zu streuen. Ehrlichkeit währt aber nun mal doch am Längsten.

Technik - Wer auf die offizielle Turnier-App angewiesen war, um sich mit Ergebnissen zu versorgen, erlebte ein echtes Desaster. Ein unübersichtliches Layout, falsche Namen und unzureichende Aktualisierungen ließen die Fans oft im Stich. Ein Drama, dass sich auch in den TV-Einblendungen oder auf den Anzeigetafeln vor Ort fortsetzte. Außerdem fehlte Großleinwände, um die Fans auf der Anlage zu informieren. Tennisexperten waren dort sicher nicht am Werk.

To-Do-Liste

Weniger Teams? - An einem Finalturnier mit mehreren Teams sollten aus meiner Sicht nicht mehr als acht Mannschaften teilnehmen. Möglicherweise steigt man auch direkt mit der K.o-Runde ein und verzichtet auf Gruppenspiele. Allerdings würde sich in diesem Fall das Turnier verkürzen und sich die möglichen Zuschauer-, TV- und Sponsoring-Einnahmen verringern. Das dürfte den Veranstaltern nicht unbedingt schmecken.

Deutschland im Davis Cup ausgeschieden

Deutschland im Davis Cup ausgeschieden

Auch Struff verliert

Wechselndes Heimrecht? - Der Heimvorteil für Spanien war letztlich unbezahlbar. Es gibt kein stichhaltiges Argument, warum die Iberer noch einmal in den Genuss dieser Steilvorlage kommen sollten. Warum sollte nicht zum Beispiel ein anderer der drei Halbfinalisten das Turnier im kommenden Jahr austragen? Eine passende Örtlichkeit zu finden wäre zwar in vielen Nationen eine Herausforderung. Doch wenn nicht wieder auf drei Plätzen gleichzeitig gespielt werden muss, ist auch diese zu meistern. Alternativ wäre auch, analog zum ATP-Cup oder der Fußball-WM, eine Vorrunde an unterschiedlichen Spielstätten denkbar.

Neuer Termin? - Die Veranstalter würden das Davis Cup-Finale nur zu gern im September im Anschluss an die US Open austragen, um eine bessere Chance zu haben, noch mehr Topspieler für einen Start begeistern zu können. Dort findet aber der von Roger Federer initiierte Laver Cup statt. Eine kurzfristige Veränderung scheint genauso ausgeschlossen, wie eine von Novak Djokovic anvisierte Zusammenführung mit dem ATP-Cup. Zu allem Überfluss findet in 2020 die erste Quali-Runde zwischen den Turnieren von Acapulco und Indian Wells statt. Dass Deutschland bei seinem Heimspiel gegen Weißrussland (6. und 7.März) dann auf Alexander Zverev bauen kann, ist bei dieser Terminierung schwer vorstellbar.

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