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US Open: Stich serviert – die Sky Tennis-Kolumne von Michael Stich

Stich: Der Generations-Wechsel ist vollzogen

Die Michael Stich Kolumne auf skysport.de.
Image: Die Michael Stich Kolumne auf skysport.de.  © Sky

Sky Experte Michael Stich beleuchtet in seiner Kolumne die wichtigsten Themen aus der Tennis-Welt. Der Wimbledon-Champion lobt die neue Generation, die so viel Spaß bei den US Open gemacht hat. Zudem erklärt er, warum es Alexander Zverev gegen diese Spieler besonders schwer haben wird.

Die US Open sind vorbei - und was für ein Turnier war das! Allem voran haben wir im Herrentennis endlich den lang ersehnten Generationswechsel sehen können. Eine Generation von jungen Spielern, die seit Jahren versuchen, den Etablierten endlich den Rang abzulaufen.

Wir haben gedacht, dass es Spieler wie beispielsweise Tsitsipas, Zverev oder Auger-Aliassime sein würden. Aber wir alle wurden überrascht, dass es die Generation ist, welche auf diese Spieler folgt.

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Der Tennistalk mit Michael Stich und Patrik Kühnen unter anderem zum Gewinn der US Open von Carlos Alcaraz, Alexander Zverev und den möglichen Generationswechsel im Tennis.

Arthur Ashe Stadium war ein Tollhaus

Carlos Alcaraz und Casper Ruud haben den US Open ihren Stempel aufgedrückt und den Center Court zu ihrer Bühne gemacht, den sie auf eine besondere Art bespielt haben. Ihr Tennis war atemraubend. Schnell, aggressiv und geprägt von Spielwitz und Freude am Tennis. Beide Akteure besitzen die Fähigkeit, die Zuschauer mitzureißen und sie zu einem Teil des Matches werden zu lassen.

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Eine Fähigkeit, die den großen Drei ein wenig fehlte. Zumindest Federer und Djokovic haben es meines Erachtens nicht verstanden, wie man die Fans, abgesehen von großartigem Tennis, begeistern kann. Bei den Matches von Alcaraz und Ruud war das Arthur Ashe Stadium teilweise wie ein Tollhaus und die Menschen waren Teil dessen, was sich unten auf dem Court abspielte.

Mentale Stärke von Alcaraz ist sehr beeindruckend

Was mich aber neben all diesen Fähigkeiten am meisten beeindruckt hat, ist die mentale Stärke, mit der ein Carlos Alcaraz dieses Turnier gewonnen hat. Es bedarf eines besonderen Talents und harter Arbeit, jeden Punkt als einzelne Herausforderung zu sehen. Ich weiß aus meiner aktiven Zeit, wie schwierig dies sein kann, besonders, wenn es in einem Match mal nicht so läuft wie geplant.

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Für Michael Stich ist Carlos Alcaraz der Spieler, den es jetzt zu schlagen gilt. Dafür müssten die anderen Spieler aber ihr Mindset verändern.

Ich selber habe es 1994 im Finale der US Open erlebt, als ich gegen Andre Agassi chancenlos war. Das lag zum einen an ihm, zum anderen aber auch daran, dass ich schon zu Beginn mit geringen Zweifeln an einen Sieg ins Finale gegangen bin. Diese Zweifel machen den Unterschied und machen es einem unmöglich, die beste Leistung abzurufen. Bei Alcaraz scheint es diese Zweifel zu keiner Zeit eines Matches zu geben. Das macht ihn zu einem wahren Champion und zurzeit auch zur verdienten Nummer 1 der Welt.

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Junge Generation hat sich freigeschwommen

Aber auch die Spieler wie Ruud, Sinner und Tiafoe haben diese Eigenschaften. Es ist schön zu sehen, dass sich die junge Generation freigeschwommen hat. Es wird für Nadal und Djokovic sehr schwer werden, wieder eine Lücke zu finden und weitere Grand Slams zu gewinnen. Denn der Glaube der jetzigen Generation an sich selbst ist durch die US Open gewachsen.

Auch Spieler wie Zverev, Tsitsipas und Medvedev werden sich neu ausrichten müssen. Sie müssen ihr Spiel erweitern, sich mental verbessern und dürfen ihre Ziele nicht aus den Augen verlieren. Alexander Zverev wird es besonders schwer haben. Durch seine neue Verletzung wird er wieder etwas zurückgeworfen. Aber es steht für mich außer Frage, dass er das Zeug hat, Grand Slams zu gewinnen.

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Die große Ära von Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic neigt sich langsam dem Ende zu. Patrik Kühn sieht aber bereits ein neues Dreigestirn, das genau diese Lücke schließen könnte.

Qualität der Matches hat mich positiv überrascht

Bei den Damen hat mit Iga Swiatek die herausragende Spielerin dieses Jahres den Titel geholt. Sie zeichnet die gleichen Attribute aus, die ich bei Alcaraz aufgeführt habe: Eine starke Physis, gepaart mit einer tollen mentalen Einstellung machen sie auf der Damentour besonders. Ons Jabeur ist ein toller Gegenpart. Spielwitz, Kreativität und Leidenschaft machen sie zu einer außergewöhnlichen Spielerin. Leider ist ihr der erste Grand Slam-Sieg einer Afrikanerin versagt geblieben. Ich bin mir aber sicher, dass sie weitere Chancen erhalten wird. Und wenn sie noch etwas an ihrer mentalen Stärke arbeitet, wird sie es schaffen.

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Viele wissen sicherlich, dass ich ein oftmals kritischer Beobachter des Tennissports bin. Aber ich bin sehr überrascht über die Qualität der Matches bei den US Open. Vor allem hat es mich gefreut zu sehen, dass die Spieler der jungen Generation Tennis wieder spielen und es nicht vorrangig arbeiten. Denn Tennis ist ein Spiel, und beim Spielen sollte man Freude und Spaß empfinden dürfen. Genau dies ist bei den Matches in New York in diesem Jahr rübergekommen. Ich hoffe, dass es so weitergeht und freue mich auf das, was in den nächsten Wochen kommen wird.

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