Marcel Kittel feiert in Troyes seinen zweiten Tagessieg bei der 104. Tour de France. Nun fehlt ihm nur noch ein Sieg um den Rekord von Erik Zabel zu egalisieren.
Marcel Kittel riss in der Hitze von Troyes die Faust in die Höhe, dann schlug er vor lauter Freude auf seinen Lenker. André Greipel schüttelte dagegen einmal mehr entnervt den Kopf. Mit einem weiteren Sprint der Extraklasse hat Kittel seine Jagd auf den Rekord von Erik Zabel bei der 104. Tour de France eindrucksvoll fortgesetzt.
In der Gluthitze des sechsten Tour-Teilstücks nach Troyes bewies der Thüringer besondere Zähigkeit und raste dank der größten Kraftreserven zu seinem insgesamt elften Tageserfolg bei der Frankreich-Rundfahrt. Damit ist er nur noch einen Erfolg von Zabels Bestmarke entfernt.
Mit Freestyle zum Sieg
"Es war ein bisschen Freestyle, aber ich hatte ein gutes Hinterrad. Es ist perfekt gelaufen, es geht mir richtig gut im Moment", sagte Kittel. Sein Quick-Step-Teamchef Patrick Lefevere meinte: "Wow, er ist stärker als alle anderen."
Im ersten Massensprint nach dem Ausschluss von Weltmeister Peter Sagan lief diesmal alles glatt. Bei Temperaturen bis zu 37 Grad wartete Kittel geduldig auf den richtigen Moment und setzte einen unwiderstehlichen Antritt. Der 29-Jährige ließ seinen Konkurrenten nicht den Hauch einer Chance und siegte auf der zweitlängsten Etappe der diesjährigen Tour mit über einer Radlänge Vorsprung.
Grüne Trikot in Reichweite
"Ja, ja, ja", rief Kittel, nachdem er sich zunächst völlig ausgepumpt über seine Rennmaschine gebeugt hatte. Mit seinem Erfolg verkürzte er auch den Abstand in der Wertung ums Grüne Trikot, das der Franzose Arnaud Démare als Tageszweiter behielt. Rang drei ging an den Rostocker André Greipel. Es war das gleiche Podium wie am Sonntag bei der Ankunft in Lüttich.
Die Affäre Sagan bewegte das Peloton aber auch am Donnerstag noch. Sagans deutsches Team Bora-hansgrohe erklärte offiziell, dass es die Entscheidung vom Internationale Sportgerichtshof CAS überprüfen lassen werde. Bora bezog sich dabei darauf, dass Sagan vor seinem Ausschluss entgegen der Regularien seine Position nicht habe darlegen dürfen.
CAS bestätigt Sagan-Aus
Es dauerte jedoch nicht lange, bis der CAS den Antrag ablehnte. Ohnehin war unklar geblieben, unter welchen Umständen oder Bedingungen eine Rückkehr zur Tour überhaupt möglich gewesen wäre. Nach wie vor sei Bora der Ansicht, "dass Peter Sagan den Sturz Mark Cavendishs nicht - geschweige denn wissentlich - verursacht hat", hatte das Team erklärt.
Im Rennen war der Massensprint keine Überraschung. Die Teams Lotto-Soudal für Greipel und Katjuscha-Alpecin mit Tony Martin für den Norweger Alexander Kristoff leisteten eingangs des Finales das Gros der Nachführarbeit hinter einem Ausreißertrio, dass sich in der Sommerhitze wenig aussichtsreich über Stunden an der Spitze aufgehalten hatte.
Degenkolb noch angeschlagen nach Sturz
Auch John Degenkolb hielt im Finale mit und wurde Zehnter, allerdings noch geschwächt von seinem heftigen Sturz vom Dienstag. "Ich fühle mich ein bisschen besser - glücklicherweise", sagte der gebürtige Thüringer in einer Videobotschaft vor dem Start der Etappe.