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Basketball-EM: Ein Fazit zur Europameisterschaft in Deutschland

Fazit zur Basketball-EM: Viel Anerkennung & Hoffnung auf den Boom

Dennis Schröder hat es in die All-Star-Mannschaft der Basketball-EM geschafft.
Image: Dennis Schröder hat es in die All-Star-Mannschaft der Basketball-EM geschafft.  © Imago

Nach der erfolgreichen Basketball-EM in Deutschland und der Bronze-Medaille für das DBB-Team zieht Sky Reporter Alexander Bonengel ein Fazit zur Stimmung, den sportlichen Highlights und den Aufschwung der Sportart.

Nach Gold 1993 und Silber 2005 gewinnt der Deutsche Basketballbund zum dritten Mal in der Geschichte eine Medaille bei einer Europameisterschaft. Doch diese Bronzemedaille war Gold wert. Selten zuvor, wahrscheinlich noch nie, hat es eine so stark besetzte Europameisterschaft im Basketball gegeben. Die Superstars Luka Doncic (Slowenien), Nikola Jokic (Serbien) und Giannis Antetokounmpo (Griechenland) gehören nicht nur zu den besten Spielern Europas, sie gehören zu den besten Spielern der Welt.

Das DBB-Team verdient höchste Anerkennung

Noch nie war europäischer Basketball so gut wie jetzt. Sportlich war das in mehr als zwei Wochen Basketball auf absolutem Top-Niveau. Dass die Deutsche Nationalmannschaft in diesen Zeiten am Ende ganz vorne mit dabei ist, verdient allerhöchste Anerkennung, zumal mit Maxi Kleber (Dallas Mavericks), Isiah Hartenstein (New York Knicks), Moritz Wagner (Orlando Magic) und Isaac Bonga (Bayern München) eine Reihe deutscher Top-Spieler aus unterschiedlichen Gründen für das Turnier gefehlt hatten.

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Deutschland ist erstmals nach der Nowitzki-Ära wieder konkurrenzfähig in der internationalen Spitze. Das lässt hoffen für die WM in Asien im kommenden Jahr und Olympia in Paris. Was bleibt sonst noch hängen von dieser EM?

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Köln war geiler

Die beste Stimmung war während der Vorrunde. Die LANXESS Arena an jedem Tag ausverkauft mit 18.000 Fans. Die bestbesuchte Vorrunde der EM-Geschichte. Großen Anteil hatten auch die anderen Nationen, vor allem Litauen, das mit knapp 7000 Fans vor Ort war.

Die kleinere Mercedes Arena in Berlin dagegen nur selten ausverkauft, auch am Finaltag nicht. Womöglich aufgrund der Ticketpreise? Die noch verfügbaren Tickets für das Deutschlandspiel am Finaltag begannen bei 270 Euro. Das ist einfach zu viel…

Neue Stars und Helden

Vorher nur Insidern bekannt, ist Andreas Obst eine der größten Entdeckungen dieser EM. Der nervenstarke Flügelspieler von Bayern München war mit 25 verwandelten Dreiern bei einer Quote von über 50 Prozent der beste Dreierschütze des gesamten Turniers.

Mehr dazu

Deutscher Basketball ist mehr als Schröder und Wagner! Spieler wie Johannes Thiemann von Alba Berlin und sein Mannschaftskollege Maodo Lo sind mit ihren Leistungen und ihrem Auftreten in den vergangenen zwei Wochen nun auch außerhalb der Basketball-Blase ein Begriff, ebenso wie Voigtmann, Giffey und "Wobo". Nicht zu vergessen: Der kanadische Coach Gordon "Gordie" Herbert - der Bundes-Berti des Basketballs.

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Die deutschen Basketballer haben ihre starke Heim-EM mit der ersten Medaille seit 17 Jahren gekrönt.

Der beste Dennis Schröder aller Zeiten

Mittlerweile 29 Jahre alt, ist Schröder der unangefochtene Chef im Team. Früher oft als "Egozocker" mit Hang zu Starallüren verschrien, ist Schröder mittlerweile vor allem Lenker und Taktgeber. Einer, der seine Teamkollegen besser macht. Übernahm in kritischen Situationen Verantwortung und war fast durchweg erfolgreich. Der MVP-Titel des Turniers blieb ihm verwehrt, doch eine andere Auszeichnung ist wichtiger: Die Anerkennung von LeBron James! Ab kommender Saison spielt Schröder wieder mit ihm bei den Lakers. LeBron will nur Gewinnertypen. Nach turbulenten letzten Jahren in der NBA hat Schröder bei dieser EM bewiesen, dass er einer ist.

Die Hoffnung auf den Boom

Ein Basketball-Boom in Deutschland? Auf dem Weg zur Nummer zwei hinter dem Fußball? Die Hoffnung in diesem Sport ist groß, schließlich ging es sportlich kaum besser und die Jungs sind große Sympathieträger und damit ideale Botschafter. Starke TV-Quoten bei den deutschen Spielen tun ihr Übriges, die Hoffnung wachsen zu lassen. Meine Meinung: Weder EM-Gold 1993, sowie weitere Medaillen danach, noch die unglaublich erfolgreiche und lange Karriere des Weltstars Dirk Nowitzki haben den Basketballsport in Deutschland dauerhaft aus seiner Nische holen können.

Nach den Erfahrungen der letzten knapp 20 Jahre gehe ich davon aus, dass die Euphorie wieder genauso schnell verpuffen wird, wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen war, wenn Erfolge Hoffnungen befeuert hatten. Wenn der Boom ausbleibt, hilft nur nachhaltiger Erfolg: Weitere mitreißende und erfolgreiche Auftritte bei der WM im nächsten Jahr und bei Olympia, dazu Erfolge bei europäischen Vereinswettbewerben - das ist viel verlangt. Aber der deutsche Basketball muss ständig im Gespräch bleiben. Nur so kann's gehen. Ein wichtiger Anfang ist zumindest gemacht!

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