Julian Brandt musste sich in seiner Zeit bei Borussia Dortmund viel Kritik gefallen lassen. Doch der gereifte Nationalspieler ist inzwischen ein Gesicht des Aufschwungs.
Es hätte alles ganz anders kommen können. Als Julian Brandt im zarten Alter von 17 Jahren in der U19 des VfL Wolfsburg für Furore sorgte, warb der FC Chelsea intensiv um die Gunst des Hochbegabten. Brandt entschied sich gegen den Lockruf des Geldes und für Bayer Leverkusen. Zehn Jahre später holt Brandt die Vergangenheit ein: Mit Borussia Dortmund trifft er am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League auf die Blues. Und während sich der Gegner in einer Krise befindet, ist Brandt in der Form seines Lebens.
"Jule hat sich in dieser Saison extrem entwickelt. Er ist einer unserer konstantesten Spieler", schwärmte BVB-Trainer Edin Terzic über das einstige Sorgenkind. Sechs Tore und vier Vorlagen in 20 Ligaspielen sprechen für sich. Die Offensive war allerdings noch nie das Problem des inzwischen 26-Jährigen - dem Künstler Brandt mangelte es aber häufig an der Leidenschaft und Einstellung, um ein kompletter Fußballer zu sein.
Fortschritt deutet sich unter Rose an
Inzwischen ist er jedoch "viel stabiler, robuster und präsenter", hat Sportdirektor Sebastian Kehl erkannt. Brandt spurtet auch mal in die eigene Hälfte zurück und grätscht an der Mittellinie. Er ist sichtlich gereift.
"Es gab jetzt nicht den einen Tag, an dem ich aufgewacht bin und dachte: Jetzt habe ich einen Schritt nach vorne gemacht", sagte Brandt. Es war ein Prozess. Der Schritt deutete sich schon in der vergangenen Saison unter Coach Marco Rose an. Neun Treffer und acht Assists in 31 Spielen konnten sich sehen lassen.
Doch plötzlich ist Brandt auch ein Führungsspieler. Er übernimmt Verantwortung - auf und neben dem Platz. "Man merkt, dass er vorneweg gehen will", betonte Terzic: "Er bringt mittlerweile die nötige Härte in sein Spiel ein, da hat er einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Daran haben wir lange gearbeitet."
Kritik nach BVB-Wechsel
Terzic hat daran seinen Anteil. Brandt kannte seine Defizite als reflektierter Spieler genau. Er schaffte es aber lange Zeit nicht, sie abzustellen. Die Kritik nach seinem Wechsel zum BVB für 25 Millionen Euro im Sommer 2019 war daher groß, jetzt hat er die notwendige Intensität und Konstanz in sein Spiel gebracht.
Dafür hat der Nationalspieler auch seine Ernährung umgestellt. "Ich verzichte auf Gluten und Histamin", verriet Brandt. Dadurch schießt er zwar nicht automatisch mehr Tore, "aber für die Regeneration und dafür, immer wieder spielen zu können, tut das extrem gut". Einen Eindruck, den auch Terzic bestätigt: "Er ist komplett fit, er ist immer einer der laufstärksten."
Sechs Siege in sechs Spielen hat der BVB in diesem Jahr bisher gefeiert. "Alle bringen ihren Teil ein, und das tut dem Kollektiv gut. Ich bin extrem froh, dass ich das momentan erlebe", sagte Brandt. Er hat daran großen Anteil.