Borussia Dortmund steht vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg gewaltig unter Druck. Nach nur einem Punkt aus drei Spielen ist der BVB auf Platz sieben abgerutscht. Die Terzic-Truppe braucht unbedingt einen Dreier, um den Abstand auf die CL-Ränge nicht zu groß werden zu lassen. Ausgerechnet in dieser prekären Lage könnte Kapitän Marco Reus eine Verschnaufspause erhalten.
1:1, 1:2 und 2:4 - so lautete die ernüchternde Bilanz von Borussia Dortmund in der zurückliegenden englischen Woche. Innerhalb von sieben Tagen haben die Schwarz-Gelben ihre Titelambitionen in der Bundesliga womöglich komplett verspielt, auch wenn gerade einmal 18 von 34 Spieltagen absolviert sind.
Zorc: ''Zustand ist unbefriedigend''
Mit 29 Zählern rangieren die Dortmunder auf Platz sieben. Damit liegen sie 13 Punkte hinter dem Spitzenreiter FC Bayern. Auch der Tabellenzweite aus Leipzig hat mittlerweile ein komfortables Polster (sechs Punkte) auf den BVB. Für die Borussen geht es nun in erster Linie darum, die Teilnahme an der Champions League zu sichern.
Um auch in der nächsten Saison in der Königsklasse mitwirken zu können, wäre mindestens Platz vier nötig. Dort steht aktuell der VfL Wolfsburg. Der Rückstand auf die ''Wölfe'' beträgt zwar nur drei Zähler, doch die Verantwortlichen sind sich bewusst, dass der BVB schnellstmöglich in die Erfolgsspur zurückkehren muss.
"Auch wir können die Tabelle lesen. Der Zustand ist unbefriedigend", sagte Sportdirektor Michael Zorc auf der obligatorischen Pressekonferenz. Und weiter: ''Wir sind fest davon überzeugt, dass wir das (Anm. d. Red.: Qualifikation zur Champions League) in dieser Konstellation schaffen werden. Der Rückstand ist nicht so groß, dass es unmöglich erscheint."
Nach zuletzt drei enttäuschenden Spielen in Folge will Trainer Edin Terzic mit dem BVB den Turnaround schaffen. ''Wir müssen Augsburg immer wieder stressen", verlangte der Coach und ergänzte: "Wir müssen permanent wach bleiben, wenn wir den Ball verlieren. Wenn sie Fehler machen, müssen wir eiskalt da sein."
Reus ist nicht der erhoffte Leistungsträger
Besonders auffällig in den letzten Wochen und Monaten: Die Dortmunder bringen sich oft um die Früchte ihrer Arbeit, sie stehen sich oftmals selbst im Weg. Auch vermeintlich "leichte" Gegner wie Mainz 05 werden zum großen Stolperstein für die Borussen.
Ein Sinnbild des Dortmunder Negativtrends ist Kapitän Marco Reus. Der deutsche Nationalspieler läuft seit Wochen seiner Form hinterher, wenn man mal das das starke Spiel in Leipzig ausklammert. Seine Auswechslung gegen Leverkusen in der 89. Minute, bei der Reus mit hängendem Kopf vom Feld schritt und sich anschließend nicht zum Rest der Mannschaft setzte, war symptomatisch.
Nach 17 Partien steht der deutsche Nationalspieler erst bei je drei Toren und Vorlagen. Gegen Mainz verschoss er bereits seinen zweiten Elfmeter in dieser Saison und kam wenige Tage später gegen die Werkself auf eine Passquote von schwachen 77 Prozent.
Auch im vergangenen Spiel bei Borussia Mönchengladbach war der 31-Jährige über weite Strecken kaum zu sehen. Die Leaderqualitäten, die vom Dortmunder Offensivspieler erwartet werden, sucht man aktuell vergebens.
Wie geht es nun mit Reus weiter? Sky Reporter und BVB-Experte Jesco von Eichmann glaubt, dass Deutschlands Fußballer des Jahres 2019 am Samstag gegen Augsburg (ab 15:30 Uhr LIVE und EXKLUSIV auf Sky) zunächst auf der Bank Platz nehmen könnte.
Ersetzt Reyna Reus?
Dafür würde Giovanni Reyna in die erste Elf rutschen. Der gebürtige US-Amerikaner hat zwar auch erst drei Tore in 17 Bundesliga-Spielen erzielt, allerdings ist der Youngster (20 Prozent) deutlich effektiver in der Chancenverwertung. Reus nutzt im Gegensatz zu seinem Mitspieler nur 13 Prozent seiner Torchancen.
Des Weiteren kann Reyna mit einer besseren Zweikampfquote punkten. Der Offensivspieler gewinnt 51 Prozent seiner Eins-zu-Eins-Duelle, Reus lediglich 44 Prozent. Die Statistik belegt zudem, dass Reyna viel mehr am BVB-Spiel beteiligt ist. In den vergangenen 17 Spielen hatte der US-Youngster 862 Ballaktionen, und damit deutlich mehr als Reus (703) bei der gleichen Anzahl an Spielen.
Für den BVB-Kapitän spricht wiederum die Zahl der kreierten Großchancen. Reus hat bislang sechs Großchancen für seine Teamkollegen vorbereitet, damit ist er Liga-Spitze. Nur Frankfurts Kamada (ebenfalls sechs) kann in diesem Vergleich mithalten. Von den acht Bundesliga-Spielern, die zumindest fünf Großchancen kreierten, hat nur Mainz' Boetius (zwei) weniger Assists als Reus (drei).
Die Klasse des deutschen Nationalspielers ist unbestritten. Aber vielleicht kommt dem Routinier eine Verschnaufspause sogar entgegen, um die Sinne einmal mehr zu schärfen.
Die voraussichtliche BVB-Aufstellung gegen Augsburg:
Hitz - Morey, Hummels, Akanji, Guerreiro - Delaney, Bellingham (Can) - Sancho, Reyna, Brandt - Haaland