Bundesliga News: Ein Kommentar zum VfB Stuttgart

Chaos beim VfB Stuttgart: Viele Verlierer, nur ein Gewinner 

Von Alexander Bonengel

Image: Einer der vielen Verlierer ist Thomas Hitzlsperger.

In einer Geschichte mit unzähligen Verlierern heißt der große Gewinner Präsident Claus Vogt. Ausgerechnet der, den in den Gremien des VfB Stuttgart so viele unbedingt loswerden wollten.

Rückblickend müsste sich Vogt sogar bei Thomas Hitzlsperger für dessen öffentlichen Brief Ende Dezember bedanken. Denn was besseres hätte ihm gar nicht passieren können. Zum Einen, weil Hitzlspergers Ausführungen vor allem ihm selbst geschadet haben und Vogt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe widerlegen konnte.

Entlassung von Heim & Röttgermann erst der Anfang

Zum Anderen bekam Vogts großes Anliegen, die lückenlose Aufklärung der Affäre um Mitgliederdaten eine Öffentlichkeit, für die er niemals allein hätte sorgen können. Damit ist auch der Aufklärungsdruck rund um die Affäre um ein Vielfaches gestiegen.

Einordnung der Situation beim VfB Stuttgart. (Videolänge: 58 Sekunden)

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Die Konsequenz ist in diesen Tagen zu beobachten: Die Entlassung der Vorstände Stefan Heim und Jochen Röttgermann waren lediglich der Anfang. Immer mehr lichten sich in zeitlich sportlicher Taktung die Reihen in den Gremien des VfB Stuttgart. Stand Montagabend war der Rücktritt von Präsidiumsmitglied Rainer Mutschler die frischeste Meldung aus Cannstatt.

Er war zur Zeit des Datenskandals 2017 so etwas wie der Ausgliederungsbeauftragte der Schwaben. Dass er zu den nicht wenigen gehörte, die mit Vogt über Kreuz standen und aufgrund seiner damaligen Funktion an der Aufarbeitung der Datenaffäre kein großes Interesse hatten, ist kein Geheimnis.

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In einer gemeinsamen Mitteilung hatten ehemalige VfB-Präsidentschaftskandidaten, Juristen und einflussreiche Blogger zuvor nicht nur den Rücktritt sondern auch den Vereinsausschluss Mutschlers gefordert. Doch selbst mit dem Rücken zur Wand ließ dieser es sich nicht nehmen, per Pressemitteilung Vogt nochmal eine mitzugeben: Teamgeist und Fairplay seien im Präsidium zuletzt nicht mehr gegeben gewesen, erklärt sich Mutschler in der Opferrolle. Darüber hinaus habe ihm die Nominierungsentscheidung des Beirats pro Vogt sinngemäß den Rest gegeben.

Wiederwahl von Vogt ein Selbstläufer

Die besagte Nominierung von Vogt als einzigen Präsidentschaftskandidat ist dabei die eigentlich große Pointe in einer unglaublichen Geschichte, die man nur schwer so hätte erfinden können: Im Versuch, ihn loszuwerden, haben die mächtigen Vogt-Gegner das Ansehen des Präsidenten bei Fans und Mitgliedern in schwindelerregende Höhen steigen lassen und gleichzeitig bis weit außerhalb von Cannstatt signalisiert, dass man beim VfB gerade versucht, einiges an hartnäckigem Schmutz unter den Teppich zu kehren.

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Die Wiederwahl von Vogt dürfte ein Selbstläufer werden, denn der gebürtige Nürtinger ist mittlerweile mehr als nur ein Präsident, der zu Wiederwahl antritt: Bei weiten Teilen der Fans genießt er den Status eines Volkshelden. Dabei hätten sie ihn im Beirat am liebsten gar nicht erst aufgestellt, sagen Insider. Händeringend suchten sie dem Vernehmen nach geeignete Kandidatinnen und Kandidaten, aber sie fanden keine.

Gegen einen Volkshelden will schließlich auch niemand ernsthaft antreten und stellst du Vogt erst gar nicht auf, ist der Eklat bei Fans und Mitgliedern so gut wie sicher. Vogt also nun einziger, weil alternativloser Präsidentschaftskandidat. Sollte der Fußballgott irgendwas damit zu tun haben, es wäre der Beweis dafür, dass er Humor hat.

Thomas Hitzlsperger überrascht über Anfeindungen nach Kandidatur als Präsident (Videolänge: 1:36 Minuten)

Einer der vielen Verlierer in dieser Geschichte ist Thomas Hitzlsperger. Sein Versuch, Vogt mittels öffentlicher Diskreditierung aus dem Amt zu kegeln mündete nicht nur in einem enormen Imageverlust für ihn selbst - er ist auch gleichbedeutend mit einer weiteren Zukunft mit dem Präsidenten Vogt an seiner Seite - und dieses Mal höchstwahrscheinlich sogar für mindestens vier Jahre.

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