EURO 2020 News: Frings über DFB-Team, Ungarn und England

Frings: "Löw wird sein Ding weiter durchziehen"

Von Torsten Frings

Der ehemalige DFB-Kicker Torsten Frings spricht über die Leistung von Leroy Sane im DFB-Team. (Videolänge: 33 Sekunden)

Ex-Nationalspieler Torsten Frings analysiert in seiner Gast-Kolumne für Sky Sport das Spiel des DFB-Teams gegen Ungarn, kritisiert die Offensive und blickt auf das Achtelfinale gegen England. Der ehemalige Mittelfeldspieler erklärt, was Deutschland im Prestigeduell alles besser machen muss.

Die Vorrunde ist gespielt, Deutschland hat mit Mühe und Not das Achtelfinale erreicht. Mehr Glück als beim 2:2 gegen Ungarn kann man aber nicht haben. Deutschland hatte kaum herausgespielte Chancen, war in der Defensive anfällig ohne Ende und es war wenig Bereitschaft zu erkennen. Klar ist es schwer, wenn der Gegner zwei Busse vor dem Tor parkt, aber man kann verlangen, dass man gegen so eine Mannschaft seiner Favoritenrolle gerecht wird, sie niederspielt und niederkämpft.

Insgesamt fand ich das Auftreten in der Vorrunde, bis auf das Portugal-Spiel, nicht gut. Es gab keine Konstanz, die Überzeugung hat gefehlt. Speziell von der Offensivreihe kommt zu wenig, es ist alles vorhersehbar.

Das 4:2 gegen Portugal hat gezeigt, wozu die deutsche Mannschaft in der Lage ist, wenn sie an ihre Grenzen geht. Ich will nicht sagen, dass man nicht wollte, aber man tut sich sehr schwer, wenn man auf Widerstand stößt. Gegen Ungarn haben Überzeugung und Kreativität gefehlt.

Der EM-Spielplan im Überblick

Gegen wen und wann muss Deutschland ran? Hier gibt's den EM-Spielplan in der Übersicht.

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"Gegen Ungarn war alles so vorhersehbar"

Jogi Löw hat während des Spiels auf Viererkette umgestellt, aber dadurch wurde es nicht besser. Es ist auch nicht in erster Linie eine Frage der Taktik, vielmehr kommt es am Ende des Tages auf jeden einzelnen Spieler an. Alle müssen sich fragen: "Bin ich bereit, wirklich jeden Meter zu machen? Spiele ich schnell? Gehe ich ins Eins-gegen-Eins? Haue ich eine Flanke rein?" Du musst im höchsten Tempo über Außen spielen, hinterlaufen und variieren, aber gegen Ungarn war alles so vorhersehbar.

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Wenn du tiefe Läufe machst, ziehst du auch die Abwehr mit. Auf eine Aktion folgt eine Reaktion. Ein Beispiel: Wenn Sane mal einen Sprint hinter die Abwehr macht, zieht er vielleicht den Gegenspieler von Gnabry mit, und der kann dann eine Chance kreieren. Es wurde aber nur ganz wenig hinterlaufen. Auch Gosens hat ein schlechtes Spiel gemacht und den Hype, den es verdientermaßen nach dem Portugal-Spiel um ihn gab, vielleicht nicht ganz so gut überstanden.

EINZELKRITIK: VIEL SCHATTEN, WENIG LICHT

MANUEL NEUER - Erneut ein undankbares Spiel für den Kapitän mit seiner Regenbogenbinde. Sieht beim zweiten Gegentor schlecht aus, insgesamt wenig geprüft. NOTE: 4
ANTONIO RÜDIGER - War bei einigen Kontern der Ungarn in Laufduellen gefordert. Leistete sich keine größeren Fehler. NOTE: 4
MATS HUMMELS - Eine Vorstellung mit Licht und Schatten. Verlor beim Gegentreffer Szalai aus den Augen. Ansonsten eine aufmerksame Partie. Hatte Pech mit einem Kopfball an die Latte. Bereite per Kopf den Ausgleich vor. NOTE: 4
MATTHIAS GINTER - Eine ungewohnt fahrige Vorstellung von Mr. Zuverlässig. Beim Gegentor stimmt die Absprache mit Hummels nicht. Seine zahlreichen Flanken aus dem Halbfeld sorgten für keine Gefahr. Vergab zudem große Chance zum Ausgleich (21.). NOTE:5
ROBIN GOSENS - Knüpfte nicht an seinen Galaauftritt gegen Portugal an. Es wirkte sich für ihn zudem negativ aus, dass das deutsche Spiel meist über die rechte Seite lief. Ohne gelungene Aktion. NOTE: 5
ILKAY GÜNDOGAN - Bekam das Spiel im Zentrum nicht unter Kontrolle. Leistete sich einige Ballverluste. Seine Pässe sorgten für keine Gefahr. Wurde nach knapp einer Stunde folgerichtig ausgewechselt. NOTE: 5
TONI KROOS - Wie Gündogan mit vielen Ballkontakten, aber ebenso wirkungslos. Schaffte es nicht, dem deutschen Spiel Struktur zu verleihen Ließ beim Gegentor Flankengeber Sallai zu viel Raum. NOTE: 5
JOSHUA KIMMICH - Hatte die erste Chance des Spiels (4.). Agierte auf der rechten Außenbahn weit vorne. Hatte einen schweren Stand, wurde oft gefoult. Rückte nach der Pause in die Mitte. NOTE: 4
KAI HAVERTZ - Gegen Portugal bärenstark, diesmal tat er sich schwer. Fand kaum Räume, im Abschluss zudem überhastet. Zeigte auch ungewohnte technische Probleme, stand beim Ausgleich aber richtig. Ging danach runter. NOTE: 4.
LEROY SANE - Ersetzte Thomas Müller. Sein Engagement stimmte anfangs, er erkämpfte sich einige Bälle. Offensiv kam von ihm aber danach viel zu wenig. Wurde nach einer Ecke ins Niemandsland ausgepfiffen. Sah beim 2. Gegentor ganz schlecht aus. NOTE: 6
SERGE GNABRY - Begann ordentlich, baute aber auch schnell ab. Auch der Münchner tat sich gegen die tief stehenden Gäste schwer. Musste seinen Platz Mitte der zweiten Halbzeit räumen. NOTE: 4.
LEON GORETZKA (58., für Ilkay Gündogan) - Kam in der 58. Minute für Gündogan. Traf mit viel Wille zum 2:2. NOTE: 3
THOMAS MÜLLER (67. Min. für Serge Gnabry) - Der angeschlagene Antreiber kam direkt nach dem Ausgleich aufs Feld. NOTE: 4.
TIMO WERNER (67. für Kai Havertz) - Ersetzte Gnabry. Hatte es aber auch schwer, seine Schnelligkeit einzusetzen. NOTE: 4.
JAMAL MUSIALA (82. für Robin Gosens) - Der EM-Debütant ersetzte Gosens und leitete das 2:2 ein. KEINE BENOTUNG.
KEVIN VOLLAND (82. für Matthias Ginter) - Kam in der Schlussphase für Ginter. KEINE BENOTUNG.

Sane zahlt Vertrauen nicht zurück - Goretzka und Musiala machen Mut

Sane hat das Vertrauen des Bundestrainers bekommen. Aber er hat nichts dafür getan, dass Jogi im weiteren Verlauf des Turniers wieder auf ihn setzt. Vielleicht fehlt Sane einfach das Selbstvertrauen. Es wird seit Wochen auf ihn eingeschlagen und eventuell nimmt ihn das ein bisschen mit.

Mehr dazu

Im exklusiven Interview mit Sky Sport spricht Torsten Frings über das holprige Weiterkommen der DFB-Elf bei der EM sowie über Thomas Müller & Leroy Sane (Videolänge: 7:02 Min.).

Hoffnung machen mir Goretzka und Musiala. Als Goretzka reinkam, hat er mit seiner Dynamik das Spiel verändert. Er macht die zusätzlichen Läufe, er geht mit in die Box, und er sucht den Abschluss.

Musiala hat mit einem Dribbling und einem Pass in den Strafraum das 2:2 vorbereitet. Seine Unbekümmertheit hat uns gutgetan.

Das kann Deutschlands Vorteil gegen England sein

Gegen England wird wichtig sein, die leichten Fehler abzustellen, sonst nehmen sie uns auseinander. Die Ungarn haben ihre Konter nicht gut ausgespielt, aber wenn du Kane, Sterling oder Sancho so einlädst, kann es richtig knallen. Dann holst du auch nicht so schnell ein Tor auf, weil die Engländer auch in der Abwehr ein ganz anderes Kaliber sind.

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Ich erwarte am Dienstag eine ganz andere Partie. Die Engländer spielen zuhause, sie sind sehr von sich überzeugt und werden dieses Prestigeduell bestimmen wollen. Durch die Fans in Wembley könnten sie zusätzlich gepusht werden. Auf der anderen Seite besteht dann die Gefahr, vielleicht einen Tick zu sehr ins Risiko zu gehen. Hier könnte ein Vorteil für die deutsche Mannschaft liegen. Die Engländer haben viele gute Spieler, aber wir haben Leute wie Neuer, Hummels, Kroos oder Müller, die ihre ganze Erfahrung in die Waagschale werfen können.

Für Jogi Löw könnte es das letzte Spiel als Bundestrainer sein. Ich glaube nicht, dass er sich etwas anmerken lassen wird oder dass er viel verändern wird. Er wird sein Ding durchziehen. Selbst wenn Deutschland ausscheiden sollte, muss man trotzdem sagen, dass er in all den Jahren einen herausragenden Job als Bundestrainer gemacht hat.

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Torsten Frings absolvierte 79 Länderspiele. Mit dem DFB-Team wurde er 2002 Vize-Weltmeister, 2006 WM-Dritter und 2008 Vize-Europameister. In der Bundesliga spielte er für Werder Bremen, Borussia Dortmund und den FC Bayern. Als Trainer arbeitete der 44-Jährige bei Werder Bremen (Co-Trainer), Darmstadt 98 und zuletzte beim SV Meppen.

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