So durchwachsen die Leistung der Deutschen bei der EURO 2020 bisher war, so erleichtert können die Fans erst einmal sein, dass Deutschland die "Todesgruppe" überstanden hat. Welchen Anteil haben daran die Rückkehrer Thomas Müller und Mats Hummels?
Nach dem bisher unvollständigen Umbruch, den Bundestrainer Joachim Löw nach der desolaten Weltmeisterschaft 2018 in Russland durchführen wollte und der viel diskutierten Ausbootung der DFB-Stars Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller, forderten viele zur EM die Rückkehr der Weltmeister von 2014. Löw entsprach dem Wunsch zu zwei Dritteln und beorderte sowohl Hummels als auch Müller zurück zur DFB-Elf. Nun ist die Gruppenphase Geschichte und Deutschland im Achtelfinale. Ein Verdienst der "Altstars"?
Hummels: Unglücklicher Start - gegen Ungarn wichtig
Für Mats Hummels begann die EM denkbar schlecht. Trotz einer ordentlichen Defensivleistung als zweitbester Zweikämpfer (57 Prozent) einer insgesamt zweikampfschwachen deutschen Mannschaft (40 Prozent) wurde Hummels zum tragischen Helden. Sein Eigentor bedeutete die Niederlage gegen den großen Turnier-Favoriten Frankreich.
Gegen Portugal spielte Hummels gut. Beim ersten Gegentor traf ihn keine Schuld, weil er nach eigener Ecke nicht in den portugiesischen Konter eingreifen konnte. Beim zweiten Gegentor war Hummels bereits ausgewechselt. Ansonsten ließen er und seine Mitstreiter gegen den amtierenden Europameister um Superstar Cristiano Ronaldo nicht viel zu.
Im Gruppenfinale gegen Ungarn machte Hummels im Gegensatz zu seinen Teamkollegen sein - was die Zahlen anbelangt - wohl bestes Spiel. Nicht nur seine Zweikampfbilanz war überragend (90 Prozent), er bereitete zudem das zwischenzeitliche 1:1 von Havertz vor und wusste mit seinem berühmten Außenrist zu überzeugen, wie bei Kimmichs erster Torchance.
Hummels und Müller kommunikativ
In der deutschen Hintermannschaft lieferte Hummels trotz seines folgenschweren Eigentors die beständigste Leistung. Hinzu kommt, dass Hummels auf Anhieb wieder der Abwehrchef in der Dreierkette neben Matthias Ginter und Antonio Rüdiger war. Seine Kommandos sind so wichtig wie die von Kapitän Manuel Neuer, Joshua Kimmich oder Thomas Müller.
Über die des Letzteren wurde in der Vergangenheit schon häufig gesprochen. Immer wieder war von "Radio Müller" die Rede. Dass es für Deutschland schwierig wird, wenn das Radio Sendeprobleme hat, wurde gegen Ungarn mehr als deutlich. Lange wurde um den Startelfeinsatz von Müller gebangt, der am Ende nicht zustande kam. Die Quittung folgte prompt.
Müllers Anteil am Ungarn-Remis
Deutschland tat sich gegen engagierte Ungarn mehr als schwer und wirkte ideenlos. Die DFB-Elf stand bis zu Goretzkas Erlösung vor dem EM-Aus. Dass es dazu aber nicht kam, hatte auch mit Müller zu tun, der nach seiner Einwechslung für den nötigen Wirbel sorgte, seinen Mitspielern durch seine unkonventionell wirkende Spielweise Räume öffnete und einmal mehr das Kommando übernahm.
Unauffällig, aber überlebenswichtig war sein Laufweg kurz vor dem 2:2, dass Ungarns Adam Nagy aus der Strafraummitte nach außen zog. Erst dadurch hatte Musiala freie Bahn, um Goretzka anzuspielen. Der Rest ist Geschichte. Auffälliger war gegen Ungarn eher das clevere Zeitspiel zusammen mit Toni Kroos an der gegnerischen Eckfahne.
Doch nicht nur gegen Ungarn war Müller wichtig. Schon gegen Portugal war er mit seinem vorletzten Pass zum zwischenzeitlichen 3:1 spielentscheidend tätig. Wie immer war er auch da viel unterwegs, war als berühmt berüchtigter "Raumdeuter" aktiv und dirigierte die Offensive. Gegen Frankreich hatte er, wie der Rest der deutschen Offensive große Schwierigkeiten.
Müller der "dritte Co-Trainer"
Doch nicht nur auf dem Platz zeigt sich, wie wichtig das Urgestein des FC Bayern ist. Auch neben dem Platz ist er vor allem für die jüngeren Spieler ein wichtiger Anlaufpunkt. "Er bringt sich immer ein und versucht, immer eine Lösung parat zu haben. Das macht ihn einzigartig als Mensch und als Spieler", sagte Robin Gosens am Sonntag bei der Pressekonferenz. "Es ist für uns Gold wert, ihn in der Mannschaft zu haben. Er hebt uns auf ein höheres Niveau."
Für Havertz ist Müller sogar der "dritte Co-Trainer". Mit seiner Art und Weise würde der Münchner "sehr viele Spieler bei uns mitziehen". Auch für die "Kommunikation auf dem Platz" sei der Weltmeister von 2014 sehr wichtig, so Havertz.
Am Dienstag gegen England wird es wieder auf Hummels und Müller ankommen. In einem von der Historie aufgeladenen Alles-oder-Nichts-Spiel wird es entscheidend sein, wenn erfahrene Spieler einen kühlen Kopf bewahren und die Führung übernehmen. Außerdem weiß Thomas Müller, wie man die Engländer in einem Achtelfinale besiegt. 2010 traf er beim 4:1-Sieg bei der WM in Südafrika doppelt.
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