Europa-Pleiten: Es gilt "Liga first" und fehlt an Qualität

Kai Dittmann analysiert das schwache Abschneiden

Von von Kai Dittmann

Image: Kai Dittmann analysiert das schwache Abschneiden der deutschen Teams in Europa.

Es ist hart, aber es ist auch Fakt: Deutsche Vereine sind aktuell einfach nicht gut genug für Europa. Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Allerdings hat außer den Bayern kein anderer die nötige Qualität und vor allem kein anderer die nötige Einstellung.

Ein Bundesligist in der KO-Phase der Champions League und zwei Absteiger aus der Königsklasse in der Europa League, da müssen sich die Klubs mal schleunigst Gedanken machen, wo das oder die Probleme liegen.

Dortmund ist selbst mit dem Raketenstart in die Saison international nie in die Spur gekommen. Und als die Krise die Liga erreicht hatte, war nicht mal mehr Nikosia zu schlagen.

Leipzig viel zu zögerlich

Leipzig hat sich selbst nicht über den Weg getraut, war als Neuling viel zu zögerlich und muss sich trotz einer ordentlichen Punktausbeute über die Entlassung aus der Champions League ärgern. Wo war das Piratenschiff, das im vergangen Jahr die Bundesliga erobert hat? Als Neuling. Ohne Erfahrung in der Liga!

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Mir wird da viel zu viel über die zusätzliche Belastung und Belastungssteuerung referiert. Dieses „Problem" habe alle anderen auch. In England und Spanien gibt es sogar noch mehr Spiele wegen der größeren Ligen und allen möglichen Pokalwettbewerben.

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Für Köln und Berlin galt: "Liga first"

Köln und Berlin haben von Anfang beschlossen: "Liga first". Offiziell wird das dann mit "Konzentration auf das Kerngeschäft" gerechtfertigt. Wer daheim dann so dasteht wie der FC und die Hertha - der hat natürlich nix mehr für das internationale Geschäft übrig.

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Aus Deutschland kommen gefühlt 99 Prozent der Teilnehmer bestenfalls aus der Mittelklasse. Vereine, die keine oder kaum Erfahrung mit internationalen Anforderungen haben. Köln, Hertha, Mainz, Frankfurt, Freiburg, Augsburg.

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Ehrgeiz, Freude, Renommee? Fehlanzeige!

Erst feiern alle groß den vermeintlichen Erfolg - und dann haben alle nur noch Angst, dass sie die Euro League mit Abstiegskampf in der Bundesliga bezahlen müssen. "Liga first"! Ehrgeiz, Freude, Renommee, Selbstbewusstsein? Fehlanzeige!

Sinnbildlich für das Euro-Debakel steht für mich Hoffenheim. Die haben sich wahrscheinlich als Champions League Teilnehmer gesehen. Nach der verpassten Qualifikation war der Stolz gekränkt. Hoffenheim wurde abgeschlagen Letzter.

Internationale Bühne eine Nummer zu groß

Hierzulande scheint die internationale Bühne also entweder eine Nummer zu groß zu sein, oder die Europa League nicht wichtig genug.

Ganz nebenbei: In den vergangenen Jahren hießen die Sieger Manchester United, FC Chelsea, Atletico Madrid und dreimal FC Sevilla. Die sehen sich alle auch lieber in der Champions League, haben in der eigenen Liga genug zu tun, aber sie nehmen den Wettbewerb offensichtlich ernst.

Früher mal ein Highlight: der Europapokal

Jeder von mir kritisierte Klub hat beim insgesamt desaströsen Abschneiden das Recht zu behaupten "an mir alleine hat es ja nicht gelegen!" Aber alle stehen insgesamt für den irritierenden Umgang mit dem Europapokal.

Wenn Deutschland weiterhin so wenig Punkte für die Fünf-Jahres-Wertung sammelt, hat es am Ende immerhin etwas vermeintlich Gutes: es gibt weniger Startplätze. Dann müssen sich nicht mehr so viele Vereine durch das quälen, was früher mal ein Highlight war: den Europapokal!