Er kam, sah und der königsblaue Erfolg kehrte zurück - so oder so ähnlich hätte sich Neuzugang Shkodran Mustafi seinen Einstand beim FC Schalke 04 wohl gewünscht. Doch es kam anders: Sein Stellungsfehler kurz vor der Pause brachte den abstiegsbedrohten Bundesligisten auf die erneute Verliererstraße.
Es war die Überraschung am Samstagnachmittag, als der FC Schalke 04 verkündete, dass Neuzugang Shkodran Mustafi beim Bundesligaspiel gegen RB Leipzig (0:3) in der Startelf stehen würde - und das, obwohl der Weltmeister von 2014 bis Freitagnacht in Quarantäne war und wohlgemerkt kein gemeinsames Training mit der Mannschaft absolviert hatte.
Mustafi lautstarker Dirigent in der S04-Abwehr
Eine mutige Entscheidung von Trainer Christian Gross. Doch der Coach hatte sich seine Startelf-Wahl wohl gut überlegt. "Ich zähle auf seine große internationale Erfahrung, auch wenn er heute zum ersten Mal im deutschen Elitefußball spielt. Er ist ein echter Leader und er wird die Mannschaft heute lautstark führen", sagte der 66-Jährige vor Anpfiff am Sky Mikrofon.
In einer Sache behielt Gross Recht: Der ehemalige Verteidiger des FC Arsenal, der am Montag noch einen Vertrag bis Saisonende unterschrieben hatte, dirigierte gegen RB lautstark die Schalker Abwehr. Zudem trug der eifrige Zweikämpfer dazu bei, dass die Defensive über weite Strecken dem Druck der Leipziger standhielt.
Doch mit dem frühzeitigen Startelf-Debüt hat sich der Trainer auch etwas verzettelt. Schließlich machte Mustafi beim ersten Gegentor in der Nachspielzeit der ersten Hälfte eine schlechte Figur, als er das Kopfball-Duell mit Nordi Mukiele verlor und den abstiegsbedrohten Klub somit auf die in dieser Saison gewohnte Verliererstraße brachte.
Auch im weiteren Spielverlauf merkte man dem Defensivspieler seine fehlende Spielpraxis an. Mustafi wirkte zwar fit - auch wenn er in der 79. Minute von Krämpfen gequält wurde - doch der Rhythmus und die Wettkampfpraxis (67 Prozent Passquote, 55 Ballaktionen) sind einfach noch nicht vorhanden. Wie auch? In der Premier League spielte er für Arsenal keine Rolle, lediglich 43 Minuten lang stand er in der englischen Liga auf dem Platz, wurde nur dreimal eingewechselt und auch in der Europa League fiel seine Einsatzzeit eher mager aus.
Licht und Schatten beim Debüt
Wahrlich war es kein Auftakt nach Maß für den Schalker Transfer, doch nicht alles bei seinem Debüt war schlecht. Zu Beginn der zweiten Hälfte waren es vor allem seine zwei entscheidenden Abwehr-Aktionen sowie die Paraden von Keeper Ralf Fährmann, die einen höheren Rückstand gegen die Elf von Julian Nagelsmann verhinderten. Doch auch die beiden konnten die anschließenden Treffer von Marcel Sabitzer (73.) und Willi Orban (87.) und somit die nächste Schalker Niederlage nicht verhindern.
Der Frust über den missratenen Einstand war Mustafi nach der Niederlage deutlich anzumerken: "Klar hatte ich mir etwas anderes gewünscht, dass wir etwas mitnehmen", sagte der 28-Jährige anschließend bei Sky. Und auch der Gross war nicht zu 100 Prozent mit der Leistung seines Neulings zufrieden. Dennoch setzt der Coach große Hoffnung auf den Rio-Weltmeister: "Er wird für die Zukunft sicher der richtige Transfer für uns sein, davon bin ich überzeugt. Er ist eine große Persönlichkeit und wird uns enorm helfen in unserer Situation."
Doch diese Hilfe sollte langsam mal auf Schalke ankommen. Denn auch der Hoffnungsträger Klaas-Jan Huntelaar konnte die Königsblauen mit seinen Fähigkeiten bisher nicht unterstützen. Gegen die Sachsen musste Gross erneut auf den Stürmer wegen muskulären Problemen in der Wade verzichten. Intern mehren sich kritische Stimmen an einem falschen Training.
Viel Hoffnung bleibt nicht mehr
Noch machen sich die hochgehandelten Transfers in Gelsenkirchen nicht bemerkbar. Doch viel Zeit für die rettende Hilfe bleibt ihnen aber nicht mehr, denn die ohnehin geringe Hoffnung auf den Klassenerhalt schwindet von Spieltag zu Spieltag immer weiter. Nach nur einem Sieg in den letzten 36 Bundesligaspielen rückt der vierte Abstieg in der Schalker Vereinsgeschichte immer näher. 14 Spiele bleiben S04 noch, doch der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt bereits neun Punkte.
Und die Konkurrenz? Punktet fleißig weiter. Dank dem 1:0-Sieg gegen Union Berlin ist Mainz 05 nur noch vier Zähler vom rettenden Ufer entfernt. Köln feierte einen überraschenden Derbysieg in Gladbach und setzt sich damit sogar ein wenig vom Relegationsplatz ab.
Und Schalke? Will partout nicht kapitulieren. "Wir haben das Potenzial und auf jeden Fall noch Hoffnung", gibt sich Mustafi kämpferisch. Die richtige Einstellung für den Abstiegskampf, der eigentlich schon längst keiner mehr ist.