Hoffenheim: Wie Nagelsmann ein Dorf in die Champions League führte

Vor dem Abenteuer Königsklasse

Von von Carsten Kitter

Image: Julian Nagelsmann feiert am Mittwoch seine Champions-League-Premiere mit Hoffenheim.

Julian Nagelsmann übernimmt im Sommer 2019 RB Leipzig. Vorher will er aber noch mit Hoffenheim in der Champions League die Reifeprüfung bestehen.

Im Februar 2016 übernimmt Julian Nagelsmann das Traineramt vom gesundheitlich angeschlagenen Huub Stevens. Die TSG steckt mitten im Abstiegskampf und die Beförderung des jungen Trainers ist nicht ohne Risiko.

14 Spiele und 23 Punkte später landet die TSG auf Platz 15 und feiert damit den Klassenerhalt. Nagelsmann ist der Shootingstar der Bundesliga. Und das mit erst 28 Jahren! Doch Nagelsmann ist nicht zufrieden, will mehr.

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Champions League statt Abstiegskampf und Mittelmaß

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Bei der RNZ sagt er im Sommer 2016: "So mit ein bisschen kicken in der Bundesliga und dem Verbleib kann ich nicht so viel anfangen. Das befriedigt mich nicht. Ich will richtig guten Fußball spielen lassen und Erfolg haben." Diesen Worten lässt er taten folgen.

Die folgenden zwei Spielzeiten spielt Hoffenheim den geforderten guten Fußball und ist erfolgreich. Die erfolgreichste Bundesliga-Saison der Geschichte wird im darauffolgenden Jahr direkt getoppt. Und nachdem die TSG im vergangenen Jahr noch in den Playoffs am FC Liverpool gescheitert war, ist es jetzt so weit: Champions League in der Wirsol-Rhein-Neckar-Arena. Doch wie hat der junge Übungsleiter das geschafft?

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Nicht sagen, machen!

Einfache Antwort: Harte Arbeit, die Situation so nehmen, wie sie ist und auf sich fokussieren. Alles Dinge, die der Trainer seinen Spielern vorlebt. Von Nagelsmann waren keine Beschwerden über die zusätzliche Belastung oder über die Abgänge wichtiger Leistungsträger zu hören.

Schicker Bundesliga-Auftakt: Nagelsmann lüftet Kosmetik-Geheimnis

Julian Nagelsmann hat beim Spiel gegen die Bayern mit neuem Look überrascht. Vor allem seine Augenbrauen sorgten für wilde Gerüchte. Das steckt dahinter.

Trotz Mäzen Dietmar Hopp hat die TSG nicht die finanziellen Möglichkeiten der anderen Mannschaften, die sich zum Kreis der Champions League-Anwärter zählen. Dazu teilen die Kraichgauer ein ähnliches Schicksal wie so viele andere Bundesliga-Klubs: Die besten Spieler müssen regelmäßig verabschiedet werden.

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Wichtige Stammspieler gingen und wurden ersetzt

Kevin Volland (Bayer Leverkusen), Sebastian Rudy, Niklas Süle, Sandro Wagner (alle FC Bayern), Jeremy Toljan (Borussia Dortmund) und jetzt Mark Uth (Schalke 04) waren alle Leistungsträger und wichtige Stützen der Mannschaft, bevor sie gingen. Sie wurden durch Spieler aus der Jugend oder preiswerte Neuzugänge ersetzt.

So kam für Volland Leicester-Bankdrücker Andrej Kramaric. Er wurde, auch durch Nagelsmanns Hilfe, Vize-Weltmeister und war Leistungsträger im kroatischen Team. Für Rudy übernahm Eigengewächs Dennis Geiger, der schnell den Sprung in die Bundesliga schaffte und ebenso schnell Stammspieler war.

Image: Vor allem sie sorgten in der Rückrunde für Tore bei der TSG: Serge Gnabry (l.) und Mark Uth

Dazu wurde die Rolle des Torjägers, die Sandro Wagner innehatte, auf mehrere Schultern verteilt. Mit Mark Uth (14), Andrej Kramaric (13) und Serge Gnabry (10) hatten drei Akteure am Ende der letzten Spielzeit eine zweistellige Torausbeute.

Europa League-Aus hilft

Zusätzlich kam noch die Dreifach-Belastung in der Vorrunde. Nagelsmann ließ das aber nicht als Entschuldigung gelten: "Neh­men wir ein­fach mal Cris­tia­no Ro­nal­do. Der spielt immer alle drei oder vier Tage plus WM, EM oder Con­fed Cup. Und der kriegt das auch hin. Dann kriegen das unsere Spieler auch hin", gab er sich damals trotzig.

Zwar schied die Nagelsmann-Truppe schon in der Gruppenphase aus der Europa League aus, war in der Winterpause aber noch durchaus in Reichweite zu den Europa League-Plätzen. Das Ausscheiden half natürlich in der Liga, die Mannschaft konnte sich voll und ganz auf das Tagesgeschäft konzentrieren und stürmte unter die Top-Drei der Liga.

Rückschläge? Für Nagelsmann kein Problem

Nach der Winterpause blieb die Mannschaft zwischen dem 17. und 21. Spieltag sieglos, holte nur zwei Punkte. Zusätzlich gab es immer wieder Gerüchte um Nagelsmann. Ein Wechsel zu einem Top-Klub stand im Raum. Es war die erste richtige Krise des gebürtigen Landsbergers.

Doch der 31-Jährige analysierte die Situation, zog seine Schlüsse, richtete die Mannschaft wieder auf und stürmte auf Platz drei und damit in die Königsklasse.

Probleme erkannt und gelöst

Wichtig war es, die in der Krisenzeit nicht sattelfeste Defensive wieder zu stärken. In den fünf sieglosen Spielen musste die TSG 13 Gegentore schlucken. In den übrigen 13 Spielen bis Saisonende musste Oliver Baumann nur noch zwölf mal hinter sich greifen.

Bittencourt will lieber zu Löw als zur Selecao

Der Deutsch-Brasilianer Leonardo Bittencourt von Hoffenheim tendiert für den Fall einer Einladung zu den Nationalmannschaften beider Länder zum Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Zusätzlich war auch die Offensive wieder in Top-Form. Allen voran Bayern-Leihgabe Serge Gnabry sorgte für ordentlich Furore. Sieben Tore und vier Vorlagen lieferte der 23-Jährige zwischen Spieltag 22 und 32. Das Saisonende verpasste er aufgrund eines Muskelbündelriss.

Körperlich und mental Top-Fit

Der sympathische Fußballlehrer schaffte es, seine Werte und Vorstellungen den Spielern wieder perfekt zu vermitteln. Dabei hat er sehr hohe Ansprüche an sein Personal. Körperlich, wie auch mental wurde, und wird den Profis einiges abverlangt.

Egal ob Dreier- oder Viererkette, ein oder zwei Stürmer die TSG ist, taktisch so flexibel eingestellt, um jederzeit auf den Gegner reagieren zu können. Dabei ist es egal, welcher Spieler auf dem Platz steht, die Leistungsdichte im Kader der Hoffenheimer ist extrem hoch. Einzig ein Verdienst von Nagelsmann.

Nagelsmann: Mein Anspruch - jeden Spieler besser machen

Nagelsmann: "Habe mir Topmannschaft gewünscht"

Nun also Champions League. Die Mannschaft scheint bereit zu sein für die große Bühne. In der Gruppe F bekommt sie es mit Shakhtar Donetsk, Olympique Lyon und Manchester City zu tun. Allesamt Champions League-Erfahrene Mannschaften. Zum Auftakt muss der TSG-Tross direkt eine weite Reise antreten. Am Mittwoch geht es in Charkow gegen Shakhtar. "Das ist eine interessante Gruppe für uns. ManCity ist natürlich ein brutales Brett. Aber ich habe mir auch eine Topmannschaft gewünscht," urteilte er über die Gruppe.

Nagelsmann: CL? Einzug in die K.O.-Phase ist durchaus möglich

So wurde also aus dem "rumkicken in der Bundesliga" ein Duell mit den Granten des europäischen Fußballs. Nagelsmann darf sich in seinem letzten Jahr bei der TSG also auf europäischen Top-Niveau beweisen. Eine Herausforderung, die er sicherlich gerne annimmt. Mit immer noch erst 31 Jahren.

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